Missing Nausicaa

Homer and his follower Nolan ©: Time Out Author: Ewa Hess The Odyssey. The story of all stories. More modern than ever. It tells the tale of displacement and war, of men and women who use their wits and spirit under unfriendly skies. Andra moi ennepe, Musa… Now comes Nolan, the man unafraid to turn the Dark Knight (Lucifer himself?) and the atomic bomb (the Lucifer of our times?) into sombre, memorable pieces of entertainment, reaching out for ‘the story’. How can we see and judge a piece like that? OK, I admit it: Christopher Nolan’s take on Homer’s great tale is pleasing to the eye and does not lack passion, sorrow or villainy. But am I alone in this? After three hours of unquestionably grand IMAX vision, I left the cinema in the dark, overcome by an inexplicable hunger. I couldn’t pinpoint it at first. After a night’s sleep, I had one thought: Where was Nausicaä? And where was her ball? Not a weapon. Not a ship. Not the bow that only Odysseus can string. Just a girl’s ball, meant for playing with her girlfriends on the beach. But on the screen, princess Nausicaä is gone. There is not a trace of her in Christopher Nolan’s long, rich film. In Homer’s tale, the princess does not appear as a reward or a temptation, but as a young woman who is almost still a child, playing with her friends on the shore. A ball arcs through the air. Someone misses the catch. Laughter turns into cries. The cries wake the shipwrecked stranger. The scene is so light-hearted that it almost seems to belong in a different poem. Or perhaps it belongs precisely here. I found myself thinking of Huizinga’s Homo Ludens. He argued that culture begins in play. Homer never says as much. He simply lets the girls play and changes the tone in an instant. It is one of those seemingly insignificant moments. And yet, remove it and something subtle changes. Not the plot. The climate. Nolan’s film is full of passion and stern conviction. Every encounter carries the weight of destiny. Every silence begs to be interpreted. Even Calypso’s erotic island is tinged with melancholy. With Homer, however, the story is different. Odysseus knows he must leave. He has already started to build his raft. Ithaca is no longer a dream, but a destination. Nevertheless, he spends one last night with Calypso — and enjoys it all the more. No oblivious lotus flower is needed. There is no psychological explanation. Homer gives his hero something that I missed in the well-aerated IMAX: the freedom of ambivalence and a desire for tenderness, which he is already leaving behind. Our time is no less scary than it was for the ancient Greeks. We have wars, emigration and an increasingly unpredictable nature — the more we try to control it, the more unpredictable it becomes. But we prefer scientifically explained motives to wonders and mysteries; we eagerly diagnose trauma or PTSD; and we have little space for unexplainable contradictions. Homer rarely seems interested in explaining people. He observes them. He tells their tales as they are: People feast, make love and wage war. They weep at a song. They invent stories. They flirt. They sleep. They play. Perhaps this is why the missing princess Nausicaä matters. Not because she is essential to the story, but because she reminds us that civilisation is measured not only by what people are willing to die for, but also by how they choose to spend their time while they are alive. Zurich, 20.7.2026

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Baselitz‘ Welt

Baselitz‘ Welt January 22, 2018 Ewa Hess Mit dem Tod von Georg Baselitz verlor die bildende Kunst Ende April 1926 eine ihrer über Jahrzehnte prägenden, eigenwilligsten und unbequemen Stimmen. Als radikal denkender Künstler hat der mit 88 Jahren Verstorbene die Ordnung des Bildes grundlegend »auf den Kopf gestellt«. Sein Werk ist aber auch von grosser Kenntnis künstlerischer Traditionen getragen, aus der heraus er Neues entwickelte. Ich habe vor acht Jahren anlässlich seiner grossen Schau in der Fondation Beyeler mit ihm sprechen dürfen. Da war er gerade nach Basel gezogen. Er war gut gelaunt – mit der Ausstellung hat er gleichsam sein frühes Schaffen wieder neu entdeckt. Und er war begeistert. «Haben Sie diese Fuss-Gemälde gesehen?» fragt er mich stolz. «Da war ich erst 25 Jahre alt.» Tatsächlich ist es ein grossartiges Werk, das sich hier präsentiert, zusammen mit den neuen Remix-Gemälden, welche die alten Motive heller und vergeistigter interpretieren. Es entspinnt sich ein Gespräch über die Malerei, die Politik und die grossen unterschiede zwischen Ost und West. Georg Baselitz, zu Ihrem 80. Geburtstag steht Basel mit zwei Ausstellungen ganz im Zeichen Ihrer Kunst. Warum Basel, nicht Berlin? Ist das eine Fangfrage? Meine entscheidenden Bilder sind zwar in Berlin entstanden, doch in Berlin gibt es keine offizielle Reaktion auf Geburtstage, auch wenn sie hoch und rund sind. Zumindest mich betreffend nicht. Sie sind seit einem Jahr auch Basler, nicht wahr?Sie meinen den Ausweis B, C oder D? Ja, ich habe so etwas… Was hat Sie dazu bewogen, in die Schweiz zu ziehen?Einfache Antwort: Ich habe in Basel viele Freunde gehabt. Museumsdirektoren, Kuratoren – etwa Franz Meyer, Katharina Schmidt oder Dieter Koepplin. Sie haben meine Kunst ausgestellt und gekauft. Aber ich wohne auch noch in Deutschland und arbeite auch in Italien und Österreich. Ich bin ja ein unruhiger Typ. Schon Ihre erste Ausstellung in Berlin machte 1963 Schlagzeilen. Man warf Ihnen Unsittsamkeit vor.Der Staatsanwalt hat einige Bilder beschlagnahmt, und ich musste beweisen, dass das Kunst war. Das Bild, um das es ging, hiess «Die grosse Nacht im Eimer» und stellte einen masturbierenden Mann dar, nicht?Wenn Sie so wollen, ja. Aber das Bild ist nicht realistisch. Die Figur auf dem Bild hält zwar einen grossen Kolben in der Hand – aber ob es jetzt ein Löwe ist oder ein Mensch, das ist nicht deutlich. Die Figur ist monströs. Und die Interpretation… Ist es ein Selbstporträt? Ist es Adolf Hitler? Die ist dem Zuschauer überlassen. Der eigentliche Skandal sei gewesen, sagt man heute, dass sich da einer mit der deutschen Vergangenheit auseinandergesetzt hat, die tabuisiert war.Diese Interpretation ist richtig. In Ostdeutschland hätte ich ein solches Bild nie ausstellen dürfen. In Westdeutschland ging das, und in einer Kunstgalerie irgendwo wäre das unbemerkt geblieben. Aber in Berlin gab es kein «Unbemerkt», weil hier die Besatzungsmächte das Klima bestimmten. Es gab – und das zu Recht – die Erziehungsabsicht der Franzosen, der Engländer und der Amerikaner. Wie äusserte sich die?Teils ganz begeisternd, etwa mit der Moma-Ausstellung, die 1958 in unserer Kunstschule gezeigt wurde. Diese Ausstellung abstrakter amerikanischer Malerei war grossartig. Wie alle meine Kommilitonen habe auch ich versucht, der Abstraktion zu folgen. Und schnell gemerkt: Das ist nicht mein Weg. Und hatten dann den Einfall, Ihre Bilder auf den Kopf zu stellen, um Figuratives und Abstraktes zu verbinden?Das war schon ein bisschen komplizierter. Es ging darum, Picasso zu überwinden. Wie muss man das verstehen?Wie alle jungen Leute, die aus dem Osten kamen, war ich zuerst Picasso-Anhänger. Picasso war, das darf man nicht vergessen, ein Kommunist. Es gibt diese Zeichnung von ihm: «A ta santé, Staline!» mit dem Champagnerglas zum Geburtstag. Aber auch Picasso malte nach der Natur – um sie dann im Bild zu demolieren. Ich konnte das nicht. Was nicht? Natur demolieren?Überhaupt nicht nach der Natur malen. Ich konnte mich nicht vor irgendeine Realität stellen und versuchen, ein Bild zu malen. Ich malte nach meiner Erfindung – bis 1969. Was passierte dann?Zunächst fing ich an, nach Fotografien zu malen. Bei der Arbeit legte ich die Fotos auf den Tisch und malte ein auf dem Tisch liegendes Bild. Wenn das Bild liegt, kann man um den Tisch herumgehen. Wo ist jetzt oben und unten, bitte schön? So fing alles an. Ein Film über Sie heisst «Georg Baselitz, ein deutscher Maler». Sind Sie unter den erfolgreichen deutschen Malern der deutscheste?Also zunächst mal ist ja ein Schweizer ein Schweizer und ein Deutscher ein Deutscher. Wenn es aber um die Kunst geht, soll der das nicht mehr sein dürfen? Ein Maler oder ein Geiger darf kein Russe mehr sein und kein Franzose, sondern muss was Internationales verkörpern, was Allgemeines, er soll praktisch so sein wie ein Engel! Nicht Ihre Meinung?Natürlich nicht. Wir sind kunstgeschichtlich abhängig. Für Deutschland kam aber noch ein Argument dazu: die Zeit zwischen 1933 und 1945. Deutschsein war schlecht. Danach wurde die westliche Seite von Deutschland kolonisiert. Vollständig! Die Wirtschaft war abhängig, die Köpfe waren abhängig, die Kultur auch, weil alles, was vorher war, vom Dritten Reich belastet war. Dabei war die totalitäre Kunst, wenn man wirklich darüber nachdenkt, genau die Kunst, welche die Gesellschaft sehen will. Das müssen Sie uns jetzt erklären, Herr Baselitz.Die Gesellschaft liebt es ja gar nicht, wenn sie vor einem Chaos von einem Bild steht, nicht wahr? Die Gesellschaft liebt es hingegen, zu sehen, wenn einer eine Fahne schwingt oder einer den Pflug führt. Das ist ja das, was man sich gerne anschaut. Das klingt nach einem tiefen Misstrauen dem Publikumsgeschmack gegenüber. Auch der Demokratie gegenüber?Ja. Wenn Sie sagen, die Demokratie ist eine Staatsform, die funktioniert und funktioniert – dann sage ich: Nein, die funktioniert überhaupt nicht und existiert nur als Wort. Das erst noch missbräuchlich verwendet wird. Ich bin bereits in einer Scheindemokratie aufgewachsen, in der «Deutschen Demokratischen Republik». Ist Deutschland aktuell keine Demokratie?Überhaupt nicht. Adenauer hat noch versucht, demokratisch zu arbeiten, und wir haben damals neue Gesetze bekommen. Aber wir haben ein Wahlgesetz bekommen, das die Fragilität der Deutschen berücksichtigt und uns nicht so frei wählen lässt wie in Amerika oder in Frankreich. Was meinen Sie mit der Fragilität der Deutschen?Die

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Fiction goes Nyon

What is a fiction film doing at one of Europe’s most important documentary festivals? The question inevitably arose when Kelly Reichardt’s The Mastermind appeared in this year’s programme of Visions du Réel. Set in Massachusetts in 1970, it follows an amateur art thief who stumbles through a poorly conceived robbery. There are actors, a script, carefully composed scenes—everything that would traditionally place the film outside the documentary field. And yet, after ninety minutes in Reichardt’s company, the distinction begins to feel surprisingly irrelevant. Perhaps this is because Visions du Réel has gradually ceased to define itself as a festival of documentaries in the narrow sense. Over the years, it has become something more ambitious: a place where cinema is valued for the way it approaches reality rather than for the production methods behind it. The real is not guaranteed by the absence of actors. It emerges through a certain attention to the world. Kelly Reichardt has practised that attention for more than thirty years. She has often been described as the great minimalist of American independent cinema, but the label is misleading. Her films are not minimalist because little happens. They are minimalist because she refuses to tell us where to look. Meaning is never imposed. It accumulates slowly, through gestures, pauses, landscapes, conversations that drift without obvious dramatic purpose. Watching a Reichardt film resembles watching a documentary whose participants happen to know the outline of the story. The Mastermind disguises itself as a heist movie, but almost immediately abandons the pleasures normally associated with the genre. Suspense dissolves into waiting. The robbery itself matters less than the circumstances surrounding it: the atmosphere of a country fractured by the Vietnam War, suburban routines, economic uncertainty, the quiet exhaustion of ordinary lives. The camera remains attentive to rooms, streets, weather and silence with the same patience that characterises observational documentary. Nothing insists on becoming symbolic. Everything is allowed simply to exist. This is where Reichardt’s cinema reveals its documentary affinity. Her films never seem interested in illustrating ideas. They observe situations until meaning gradually emerges from the material itself. Houses, clothing, trees, empty parking lots and hesitant conversations possess the same importance as the protagonists. The world is never reduced to a backdrop for narrative. One senses that reality is continuously resisting the screenplay—and that Reichardt welcomes this resistance instead of correcting it. There is also an ethical dimension to her filmmaking. Reichardt refuses the spectacular, even when genre conventions invite it. Violence remains awkward rather than exciting. Failure is never romanticised. Characters are neither heroes nor villains but individuals trying, often unsuccessfully, to navigate historical forces larger than themselves. It is an approach that recalls the best documentary practice: refusing easy judgement while trusting the viewer’s intelligence. In this sense, The Mastermind does not stretch the identity of Visions du Réel. It clarifies it. Contemporary documentary festivals increasingly understand that the most interesting division in cinema is no longer between fiction and non-fiction. The more meaningful distinction lies elsewhere: between films that manipulate reality into ready-made narratives and films that remain genuinely curious about the world’s complexity. Reichardt belongs unmistakably to the latter category. That is perhaps why her work felt so completely at home in Nyon. Not because The Mastermind pretends to be a documentary, but because it shares documentary’s deepest ambition: to make us look again at what we thought we already knew. Perhaps that is what Visions du Réel wanted to celebrate by inviting Kelly Reichardt as its guest of honour. Not a filmmaker who crosses the border between fiction and documentary, but one who quietly demonstrates that, for the most attentive cinema, the border has never mattered very much. The most documentary gesture in The Mastermind is that it never claims to possess reality. It simply observes until fiction acquires the density of lived experience. In a festival devoted to the cinema of the real, that proved not to be a contradiction, but a reminder of what cinema, at its finest, can still do. Nyon goes fiction? No. It is the masterfull fiction going Nyon.

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Plottwists in Serie

Dieser Artikel untersucht die Verwendung von Plot Twist genannten Handlungswendungen in serialen Filmfiktionen. Dies ist ein weitgehend unerforschtes Gebiet, da sich das Interesse an diesem Phänomen bisher hauptsächlich auf sogenannte «Plot-Twist-Filme» konzentriert hat, die einer älteren Erzähltradition entstammen. Gerade was heutzutage populären serialen Narrative anbelangt, gibt es noch wenig Verlässliches. Um dieses ästhetische Phänomen zu erklären, stützt sich der Artikel auf das ursprünglich von den Kognitionspsychologen Wulf Meyer, Rainer Reisenzein und Achim Schützwohl vorgeschlagene Überraschungsmodell. Plot Twists zeichnen sich durch drei unterschiedliche, aber eng miteinander verflochtene zeitliche Segmente und deren entsprechende Funktionen aus, die durch dieses Modell erklärt werden. Das Ziel dieses Artikels ist es, zu untersuchen, wie kognitiv-emotionale Interaktionen das ästhetische Seherlebnis prägen, und herauszufinden, inwiefern dieses Erlebnis mit den künstlerischen Qualitäten der Serien zusammenhängt. Als Testfälle dienen Game of Thrones (S01 und S03), Homeland (S01) und Westworld (S01). In jedem der drei Handlungssegmente gibt es spezifische Prozesse, die das Erlebnis der Überraschung als ästhetisches Phänomen auszeichnen. Der Tod von Jon Snow am Ende der fünften Staffel der Fernsehserie Game of Thrones löste unter den Fans der Serie in den sozialen Medien heftige Reaktionen aus. Tausende Zuschauer auf der ganzen Welt beteiligten sich an der Diskussion über die Bedeutung und die Auswirkungen dieses Ereignisses und machten es zu einem globalen Ereignis in der partizipativen Kultur der zeitgenössischen Serienkultur. In diesem Artikel schlagen wir eine Erklärung für dieses bemerkenswerte kulturelle Phänomen vor. Basierend auf einer Theorie von Handlungswendungen als Überraschungsstrukturen argumentieren wir, dass die Reaktionen der Fans als konkrete, kontextuell angepasste Verwirklichungen der charakteristischen kognitiven Reaktionen verstanden werden können, die durch die Emotionen der Überraschung und des Schocks ausgelöst werden, die durch unerwartete negative Ereignisse hervorgerufen werden. Unsere Analyse konzentriert sich insbesondere auf die Beiträge der Zuschauer zur Etablierung der durch die Wendung widerlegten Überzeugungen und auf die kognitiven Aktivitäten, die dazu dienten, ihre Gedanken an die neue Realität anzupassen, die durch die Wendung offenbart wurde, einschliesslich Reflexionen über die ästhetischen Aspekte der Wendung und die Erzählung, in die sie eingebettet war. Durch die Bereitstellung einer öffentlichen Plattform für diese Reflexionen ermöglichten die Fanforen, dass die individuellen Versuche, sich an die Wendung anzupassen, zu einem kollektiven Unterfangen wurden. Die Studie veranschaulicht, wie universelle kognitive Mechanismen mit kulturell produzierten Inhalten interagieren, um weltweit ähnliche Reaktionen auf ein fiktionales Ereignis hervorzurufen. Die Elemente eines Plottwists sind an sich standardisiert. Es gibt meist eine Vorahnung. Dh die Wendung sollte im Vorfeld subtil angedeutet werden, damit sie im Nachhinein Sinn ergibt, wird jedoch durch Ablenkungsmanöver verschleiert. Glaubwürdigkeit: Sie muss sich logisch in die etablierten Regeln des Universums der Geschichte einfügen. Tempo: Die Enthüllung sollte in einem Moment mit maximaler Wirkung erfolgen und die verbleibende Handlung vorantreiben, anstatt lediglich als Spielerei zu dienen. Dennoch unterscheiden sich die einzelnen Ausführungen im Grad ihrer Radikalität und/ oder eben Trivialität. Handlungswendungen in «Game of Thrones» etwa werden strategisch eingesetzt, um traditionelle Erzählkonventionen zu unterlaufen, die Spannung zu steigern und die inneren Regeln der Welt zu etablieren. Sie dienen nicht bloss dem Schockeffekt, sondern fungieren als ein zentrales Mittel, um die Charakterentwicklung voranzutreiben, geopolitische Machtverhältnisse zu verschieben und das Thema moralischer Ambivalenz zu ergründen. In «Homeland» hingegen dienen die Twists als strukturelle Mittel, um die Erwartungen der Zuschauer zu unterlaufen, die psychologische Spannung zu steigern und tiefsitzende moralische Ambivalenz zu ergründen. Die Erzählung stützt sich auf diese plötzlichen Enthüllungen, um Loyalitäten ständig zu verschieben, die Figuren in ausweglose Situationen zu drängen und die unvorhersehbare, zynische Realität der internationalen Spionage widerzuspiegeln. Eine meisterhafte Wendung in der Handlung ist die höchste erzählerische Leistung, insofern ist sie so etwas wie Adelzertifikat für die lange verpönte Gattung des seriellen Erzählens im zeitbasiertem Medium. Sie unterläuft die Erwartungen und löst einen Moment der Erkenntnis aus, der das Verständnis des Publikums für die Geschichte rückwirkend verändert. Die «akademische» Schönheit einer Wendung liegt in ihrer Konstruktion: Sie wirkt sowohl wirklich überraschend als auch im Nachhinein unausweichlich.

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Die Frau mit der Rolleiflex

Die Frau mit der Rolleiflex Ewa Hess | 14. Februar 2021 – 13:52 Die bisher grösste Schau der Fotografin Vivian Maier war in Zürich zu sehen. Ich versuchte damals rauszufinden, was mit dem in alle Winde verstreutem Nachlass tatsächlich geschieht. Nicht ganz einfach…«Die Entdeckung der Fotografin Vivian Maier, die vor sieben Jahren 83-jährig unerkannt, einsam und arm in Chicago starb, veränderte den Blick auf die Geschichte der Fotografie. Das immense Werk des fotografierenden Kindermädchens enthält Bilder, die schon jetzt zu den Klassikern gehören und sie in eine Reihe mit den Meistern wie Robert Frank, Paul Strand oder Henri Cartier-Bresson stellen.Nach und nach tritt aus dem Dunkel ihrer selbst gewählten Anonymität auch die Persönlichkeit der ungewöhnlichen Fotografin hervor. Die umfangmässig bisher grösste Ausstellung ihrer Werke ist bald in Zürich zu sehen. Mit 150 Bildern wird die Schau einen einmaligen Zugang zum Universum der «fotografierenden Mary Poppins» bieten. Vivian Maier setzte Menschen in alltäglichen, manchmal skurrilen Situationen ins Bild. Sie war in den Strassen unterwegs, sichtbar und doch unsichtbar, eine schmale, unauffällig gekleidete Frau mit strengen Gesichtszügen und einer grossen Rolleiflex-Kamera vor der Brust. Sie schien ihrem schweren Kasten den Vorzug vor der handlicheren Leica zu geben, vielleicht, weil man mit ihm beim Fotografieren nicht direkt zum Objekt, sondern in die Kamera runterschauen musste. Das gab ihr die nötige Distanz.In der fruchtbarsten Zeit ihres Lebens, als sie für mehrere Jahrzehnte Unterschlupf bei einer Familie in Chicago als Erzieherin von drei Buben fand, machte sie auf diese Weise endlose Streifzüge und brachte reiche Beute heim – die sie aber nie sah, denn sie machte von ihren Negativen selten Abzüge. «Sie war sich ihrer Kunst so sicher», sagt der Kunsthistoriker Daniel Blochwitz, der die Zürcher Ausstellung kuratiert, «dass sie selten mehrere Aufnahmen des gleichen Sujets machte». Das Foto sass meist. Sofort. Die Geschichte von Vivian Maiers Entdeckung mutet immer noch wie ein Märchen an. Die Kisten mit den Negativen (es waren ihrer 150 000) musste die später arbeits- und obdachlos gewordene Nanny in einem jener Lagerhäuser unterstellen, die es in Amerika zu Tausenden gibt. Als sie die Miete nicht mehr zahlen konnte, wurde ihr dort gelagertes Hab und Gut in einem Stück versteigert. So kam es zur Entstehung des «fragmentierten Archivs», wie es eine ihrer Biografinnen, Pamela Bannos, nennt.Die Kisten wurden gekauft und wiederverkauft. Der Immobilienagent John Maloof war der erste, dem die Qualität des Materials auffiel. Seither verschrieb sich der Hobby-Historiker der Aufarbeitung, Bekanntmachung und auch dem Verkauf des immensen Schatzes. Der Dokumentarfilm «Finding Vivian Maier», der im vergangenen Jahr in den Schweizer Kinos lief, war ebenfalls seine Initiative.Der Einstandspreis von 4000 Dollar, den Maloof für seine ersten Kisten zahlte (inzwischen hat er durch Zukäufe seinen Bestand komplettiert), steht natürlich in keinem Vergleich zum gegenwärtigen Wert dieser Negative, der auf Millionen geschätzt wird. Damit hängt auch die Frage des Copyrights wie die Vorahnung eines juristischen Unheils über dem Bestand. Der erste Hickhack hat schon angefangen. Denn nebst Maloof, der mittlerweile an die 100 000 Negative besitzt (die Rechte hat er vorsorglich Maiers Cousin in Frankreich abgekauft – ob dieser der einzige Verwandte war, steht allerdings noch aus), gibt es noch den kanadischen Galeristen Stephen Bulger, der den Bestand von 20 000 Negativen dem Zwischenhändler Jeffrey Goldstein abkaufte und für Juni eine grosse Ausstellung plant. Natürlich ist die Fotografin, die zur Zeit des ersten Verkaufs ihrer Kisten 2007 noch lebte und so unauffindbar wie krank im Spital lag, zum Gegenstand einer fiebrigen biografischen Suche geworden. An der sind auch noch die Kunsthistorikerin Pamela Bannos beteiligt sowie die pensionierte New Yorker Treuhänderin Ann Marks, die ihre Erkenntnisse im Internet publiziert (vivianmaierbio.wordpress. com).Inzwischen hat man mehrere Familien ausfindig gemacht, für die Maier gearbeitet hat, und weiss auch, dass ihr einziger Bruder kinderlos in einer psychiatrischen Anstalt starb. Zeitzeugen berichten von einer Frau mit einigen Macken und viel Charakter (auch darin Mary Poppins nicht unähnlich), die weder Freunde noch Verwandte hatte und ihr Zimmer stets abschloss. Aus den Fotografien, die nach und nach entwickelt werden, ergibt sich das Bild einer selbstbewussten Künstlerin, die genau wusste, was sie tat. Ja, sie war einsam, doch ausser den Kindern schien sie auf Gesellschaft keinen Wert zu legen. Ihren kleinen Gefährten sind denn auch ihre wärmsten Aufnahmen gewidmet, auch in dem in Zürich ausgestellten Konvolut. Doch «warm» heisst bei dieser Ausnahmefotografin nicht gefühlig und schon gar nicht sentimental, denn ihr Auge war vor allem eins: gnadenlos unbestechlich. «Vivian Maier – Taking the Long Way Home», Photobastei Zürich About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. 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Zärtliches Venedig

Nackter Po im Schweizer Pavillon: «Ich empfand es nicht als anstössig». Was die Kulturministerin Elisabeth Baume-Schneider zur Installation im Schweizer Pavillon sagte. Organisiert wurde der Pavillon von Pro Helvetia, kuratiert vom Genfer Andrea Bellini. Der Künstler nennt sich Guerreiro do Divino Amor (Krieger der göttlichen Liebe) und ist halb Schweizer, halb Brasilianer. Für seine ausladende Installation mit Skulpturen und Projektionen verwandelt der Krieger den nüchternen Schweizer Pavillon in eine Art Barockkirche, voller Geschichten, Gestalten und Gesichter. Den klaren Linien des Baus (Architektur Bruno Giacometti, Bruder des berühmten Malers Alberto) wurde eine technisch ausgeklügelte – und ästhetisch absichtlich unpassende – Kuppel hinzugefügt, die auch als Projektionsfläche dient. Darüber flimmert ein helvetisches Panoptikum, das man liegend betrachten soll. Göttinnen der Schweizer Tugenden (sie heissen etwa Silentia oder Friedena) schalten und walten in einem perfekten Land. Das Ganze nennt sich «Il Miracolo di Helvetia». Ewa Hess, Venedig Ausgerechnet als Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider das Wort ergreift, verdunkelt sich der Himmel über Venedig. Vor dem modernistischen Bau des Schweizer Pavillons in den Giardini wird die Eröffnung des Schweizer Beitrags zur 60. Kunstbiennale gefeiert. Elisabeth Baume-Schneider, seit Anfang Jahr als Innenministerin auch für das Kulturdossier zuständig, wartet gut gelaunt über eine halbe Stunde, bis der in einen grellen Häkelanzug gekleidete Künstler Guerreiro do Divino Amor die ansehnliche Truppe seiner Schweizer und Nichtschweizer Darstellerinnen und Helfer gefeiert und begrüsst hat. Die Künstlerfreunde fallen sich immer wieder in die Arme, johlen, lachen und klatschen. Frau Baume-Schneider, ist die Schweiz «ein Wunder», wie es das Werk von Guerreiro do Divino Amor im Schweizer Pavillon postuliert? Die Schweiz wird in dieser Biennale-Installation als eine Inspiration gezeigt – das ist wichtig. Inspiration zu was? Zur Zärtlichkeit. Zur Freundschaft. Zur Kritik auch. Sie wird als ein Modell inszeniert, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Die Schweiz ist vielleicht nicht «ein Wunder», wie es der Titel der Arbeit formuliert, aber doch etwas Besonderes. Das Werk wirkt ironisch, ich war mir nicht sicher, ob die Überhöhung der Schweiz eher kritisch oder eher positiv gemeint ist. Wie erleben Sie das? Es ist ein Oszillieren zwischen den beiden. Das ist die Kraft der Kultur – sie macht verschiedene Interpretationsvorschläge. Und je nach Einstellung, Herkunft und sogar Laune des Betrachters kann jeder verschiedene Sichtweisen ausprobieren. Es hat bestimmt kritische Elemente dabei, die Erzählung über die Super-Schweiz ist bestimmt auch ironisch, doch es ist nie vulgär oder herabsetzend. In der Kritik gibt es stets auch Antworten und Relativierungen. Eine länderspezifische Präsentation im Rahmen einer internationalen Ausstellung hat immer auch eine politische Komponente. Ist es klug, sich in einem kompetitiven Kontext selbst infrage zu stellen? Es ist nicht nur klug, es ist sogar unerlässlich! Die Fähigkeit, einen auch kritischen Blick auf sich selber zu werfen, ist nötig, um sich entwickeln zu können, um die Gegenwart zu verstehen und um die Zukunft zu prägen. Wir können die Vergangenheit nicht ausblenden oder einfach hinter uns lassen. Wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen. Woran denken Sie dabei? Etwa an Kunstwerke mit schwieriger Provenienz oder an die neu entbrannte Diskussion um koloniale Verstrickungen der Denkmalhelden, etwa die Statue von David de Pury in Neuchâtel. Es ist gesund, Kritik zuzulassen, je früher, desto besser. Man erinnert sich an die Kontroverse um Pipilotti Rists nackte Frauen in der Kirche San Staë 2005 in Venedig. Und jetzt gibt es im Schweizer Pavillon wieder Nacktheit: Eine der helvetischen Gottheiten schreddert mit ihrem nackten Hintern geheime Dokumente. Es kommt immer darauf an, wie ein Bild ins Ganze eingebettet ist. Hier ist es ein Element von so vielen, dass es mich persönlich nicht gestört hat. Ich habe es auch nicht als anstössig empfunden. Und sollte sich jemand durch diese nackte Allegorie beleidigt fühlen, es ist ein Leichtes, den Blick abzuwenden. Der Künstler sampelt hier zudem Bilder aus einem populären Universum, das dem Zuschauer gut bekannt sein dürfte. Egal, ob es aus den Telenovelas kommt, aus Social Media oder – wie die Ansprache bekannter Politikerinnen – aus den Fernsehnachrichten. Das macht dieses Werk sehr zugänglich. Sie spielen auf die Rede an. Tatsächlich spielt Simonetta Sommaruga mit ihrer Eichholz-Ansprache eine Rolle im Kunstwerk. Wären Sie beleidigt gewesen, wäre einer Ihrer Auftritte so verballhornt worden? Überhaupt nicht. Ich würde es eher als ein sympathisches Augenzwinkern betrachten. «Stranieri ovunque» – übersetzt: Fremde überall, der Titel dieser Biennale – spricht die Krise der Staaten an, die sich angesichts von migrantischen Bewegungen infrage gestellt fühlen. War der jurassische Künstler Ben Vautier vor 30 Jahren ein Prophet, als er bei der Weltausstellung in Sevilla den Spruch «La Suisse n’existe pas» prägte? Vautier sprach damals die Frage der Identität an, und diese Infragestellung hat auch heute noch ihre Berechtigung. Für mich ist aber klar: Die Schweiz gibt es. Auch, weil man von ihr spricht. Institutionell ist sie für alle ihre Bewohner verantwortlich. Alle sollen sich darin mündig und ernst genommen fühlen. Sie sind nun seit drei Monaten Kulturministerin. Hat sie nach der Übernahme des Dossiers etwas ganz besonders überrascht? Es hat mich nicht unbedingt überrascht, weil ich das schon wusste, aber es ist mir doch von neuem bewusst geworden: In der Schweiz macht man dann Fortschritte, wenn man alle mitnimmt. Gerade in der Kulturpolitik müssen Bund, Kantone, Städte und Gemeinden sich eng abstimmen, um das Maximum aus den begrenzten Mitteln zu machen. Die neue Kulturbotschaft ist dafür ein gutes Beispiel, weil sie die Zusammenarbeit nochmals stärkt. Sprechen wir von den Mitteln: Die SVP hat gerade wieder eine massive Kürzung der Kultursubventionen vorgeschlagen. Gibt es da Gegenargumente? Der Bundesrat hat die Kulturbotschaft verabschiedet. Jetzt kommt das Parlament ins Spiel, und da gilt es zu argumentieren. Aber die Kultur hat gute Karten. Nicht nur, weil sie ein essenzielles Element unserer Identität darstellt. Sie ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Tourismus, die Hotellerie, aber auch viele technische und kreative Berufe hängen massgeblich von ihr ab. Insofern freue ich mich, diese Debatte nun zu führen. Kultur ist gerade in Krisenzeiten wichtig, weil …? Sie ist immer wichtig. Aber denken wir nur zurück an die Zeit der Pandemie. Was hat sie uns doch gefehlt, die Kultur!

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  Mir gefällts. Ist dieses Urteil der Ursatz der Kulturkritik? Wenn dem so wäre, dann würde dieses allgegenwärtige Daumen-hoch-Händchen diese tatsächlich, wie manche behaupten, überflüssig machen. Alle «liken»! Sodass sich die ratsuchenden Zerstreuungswilligen selbst entscheiden können, wessen Daumen sie folgen wollen (Freunde? Koryphäen? Promis?). Sie dürfen dabei auch – Big Data sei Dank – auf parawissenschaftliche Methoden zurückgreifen, sich der Mehrheit, der Minderheit oder gar dem Durchschnittsbürger anschliessen. Wozu also noch Kulturkritik? Doch so einfach ist die Sache mit dem «I like» nicht. Wir Kulturjournalisten kennen alle diesen toten Winkel der Urteilsfähigkeit, den gerade die persönliche Betroffenheit schafft. Ist ein Thema im Spiel, das uns persönlich, aus biografischen oder sentimentalen Gründen, ganz besonders am Herzen liegt, ist oft das ästhetische Urteil jäh getrübt. Da geht einem manchmal die dargestellte menschliche Tragödie oder das ausgemalte Glück so nah, weil etwas Ähnliches schon im eigenen Leben geschah und/ oder einen immer noch beschäftigt. Erfahrungsgemäss verblassen die erworbenen Kriterien vor so einem Fall, man merkt dann oft nicht auf Anhieb, wie simpel die damit verbundene Erzählung gestrickt ist, wie kitschig die ästhetische Referenz, wie unlogisch die Argumentation usw. Darum sollte Daumen hoch und runter niemandem genügen. Eine facettenreiche Besprechung, ein vorwitziges Interview oder ein Essay, die vom Hundertsten ins Tausendste kommen (und dann auch den Weg zurück nicht scheuen), sind ja selber Kultur. Sie machen erst ein Buch, einen Film, eine Theateraufführung zum kollektiven Erlebnis, sie bieten Lesarten an, verhelfen Bedeutungen zur Entfaltung, bauen tragfähige Sinnkonstrukte – und sorgen für Orientierung im dichten Informationsurwald. Die Formel «Begreifen, was uns ergreift», einst vom Zürcher Germanisten Emil Staiger geprägt, gilt heute stärker denn je. Der Daumen allein ist nicht viel wert. Er braucht andere Finger, er braucht Zungen, Hirne. Und auch Galle sollte dazugehören. @askewa Neueste Beiträge All Posts Aktuell Allgemein Architektur Art Ausstellungskritik Festival Film Fotografie Gesellschaft Kirche Kulturförderung, Kulturpolitik Kunst Kunsthandel Literatur Medien Messe Mode Museum Musik Philosophie Politik Pop Religion Tanz Theater TV Uncategorized Die Frau mit der Rolleiflex Baselitz‘ Welt I like Kategorie <lidata-term-id=”41″> Aktuell (2) <lidata-term-id=”17″> Allgemein (26) <lidata-term-id=”25″> Architektur (6) <lidata-term-id=”37″> Art (1) <lidata-term-id=”21″> Ausstellungskritik (1) <lidata-term-id=”38″> Festival (1) <lidata-term-id=”24″> Film (12) <lidata-term-id=”19″> Fotografie (5) <lidata-term-id=”20″> Gesellschaft (5) <lidata-term-id=”34″> Kirche (1) <lidata-term-id=”40″> Kulturförderung, (1) <lidata-term-id=”35″> Kulturpolitik (3) <lidata-term-id=”16″> Kunst (39) <lidata-term-id=”18″> Kunsthandel (2) <lidata-term-id=”23″> Literatur (5) <lidata-term-id=”36″> Medien (2) <lidata-term-id=”33″> Messe (1) <lidata-term-id=”42″> Mode (1) <lidata-term-id=”32″> Museum (2) <lidata-term-id=”27″> Musik (3) <lidata-term-id=”28″> Philosophie (2) <lidata-term-id=”26″> Politik (1) <lidata-term-id=”30″> Pop (1) <lidata-term-id=”22″> Religion (1) <lidata-term-id=”39″> Tanz (1) <lidata-term-id=”31″> Theater (2) <lidata-term-id=”29″> TV (2) Schlagwörter <lidata-term-id=”14″> fondation-beyeler <lidata-term-id=”15″> georg-baselitz Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Private Sales, ein Schattenspiel

Private Sales, ein Schattenspiel March 22, 2017 Ewa Hess Der Kunstmarkt folgt seiner Vorliebe für das Schattenspiel in den «Private Sales»-Sektor. Warum? Ist wohl nicht schwer nachzuvollziehen, um Regulierungsbestrebungen auszuweichen. Mein Artikel in der Sonntagszeitung dazu: Hat sie oder hat sie nicht? Auf Wirtschaftsportalen und in Kunstzeitschriften wird gemunkelt, eine «gut informierte Person» soll es einem «Marktinsider» erzählt haben, und die Experten halten es für «durchaus wahrscheinlich». Das Gerücht: Die US-Entertainerin Oprah Winfrey soll ihren Klimt verkauft haben. Für 150 Millionen Dollar. Nach China. Die Sammler dort sind gerade wild auf Klimt. Und Winfreys Bild ist nicht irgendein Klimt, sondern das Schwesterbild zur berühmten «Woman in Gold», auch ein Porträt der Wiener Industriellengattin Adele Bloch-Bauer, zwar ohne Gold, dafür mit dekorativer Hutkrempe. Gekauft, das steht fest, hat die TV-Frau das Bild 2006 für 87,6 Millionen Dollar an einer Auktion von Christie’s. Das ist Allgemeinwissen, denn die Auktionen finden nicht hinter verschlossenen Türen statt. Was vielen Teilnehmern des boomenden Markts gar nicht in den Kram passt. Die schlagzeilensichernden Preis-Rekordmeldungen, bis jetzt ein probates Werbemittel der grossen Auktionshäuser, kommen deshalb aus der Mode. Die neusten Zahlen zeigen: 70 Prozent aller Kunsthandänderungen finden in sogenannten Private Sales statt. Das geht aus dem jährlich erscheinenden Marktreport hervor, der von der Maastrichter Kunstmesse Tefaf erhoben wird und am Mittwoch veröffentlicht wurde. Drastischer Einbruch im eigentlichen Auktionsgeschäft Anders als eine öffentliche Auktion wird ein Private Sale abseits des Rampenlichts abgewickelt. «Flexibilität, Direktheit und Diskretion» seien die Werte, denen sich ihre Private-Sale-Abteilung verschrieben habe, wirbt etwa das Auktionshaus Sotheby’s auf seiner Website. Spezialisten des Hauses besorgen die Expertise, überwachen die Verträge und bürgen für eine ordentliche Abwicklung. Dass sie die passenden Käufer (bzw. Verkäufer, wenn jemand eine Ergänzung seiner Sammlung sucht) kennen und auftreiben, gehört zum Service dazu. Der allerdings nur für Objekte im Wert von mehr als 100 000 Dollar angeboten wird. Wichtige Marktplayer haben sich nach und nach aus den Auktionshäusern in ihre eigenen Kunstmarktboutiquen verabschiedet, wie etwa der prominente Schweizer Auktionator Simon de Pury, der 2013 Phillips verliess und mit seiner Frau die Firma De Pury de Pury gründete. Oder jüngst Brett Gorvy, der beliebte Chairman der Post-War- und Contemporary-Abteilung bei Christie’s, der nach 23 erfolgreichen Jahren zur Schweizer Kunsthändlerin Dominique Lévy überlief und als Lévy Gorvy diskreter als zuvor weitermachte. Alarmiert von einem Einbruch im eigentlichen Auktionsgeschäft (das 2016 laut der Londoner Firma Art Tactic im Bereich der zeitgenössischen Kunst um 33 Prozent kleiner ausfiel), vergrössern die etablierten Versteigerer nun ihre eigenen Private-Sales-Abteilungen und stellen auch kunstmarktfremde Spezialisten an, Sotheby’s etwa jüngst den Wallstreet-Banker David Schrader, der von J. P. Morgan Chase kommt. Der Hauptvorteil des neuen Geschäftszweigs liegt auf der Hand: die Diskretion. Obwohl sämtliche Marktteilnehmer scheinheilig ihre Unschuld betonen und den Verdacht der Geldwäsche und des Steuerbetrugs weit von sich weisen, bleibt das Kaufen und Verkaufen hochwertiger Kunstwerke jene letzte Oase der Geheimnistuerei, die bei dem Katz- und-Maus-Spiel mit dem Fiskus den nötigen Rechtsschatten bieten kann. Rachel Pownall, die neue Autorin des Tefaf-Reports, unternahm mit ausgeklügelten Statistiken und Befragungen eine neue Anstrengung, um den Anteil der Privattransaktionen am gesamten Volumen des Markts zu beziffern. Doch selbst sie gibt in ihrem Vorwort zu, dass viele der Verkäufe spurlos in Steuerverstecken und Offshore-Konstrukten verschwinden, während die Werke in einem Freilager schlummern. @askewa Neueste Beiträge All Posts Allgemein Kunst Kunsthandel Baselitz‘ Welt I like Private Sales, ein Schattenspiel Kategorie Allgemein (1) Kunst (1) Kunsthandel (1) Schlagwörter fondation-beyeler georg-baselitz Next Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Adieu John Berger

Adieu John Berger January 9, 2017 Ewa Hess Der britische Kritiker hat unserer Generation gezeigt, wie man unter die Oberfläche eines Bildes schauen kann und wie man klug darüber schreibt, ohne in den akademisch-verstiegenen Ton zu verfallen. Ich dachte an ihn anlässlich meiner Kolumne für die Sonntagszeitung – und las nochmals einen Text von ihm. Hier die Kolumne. Der europäische Augenblick Weil er uns am Montag endgültig verlassen hat, nehme ich John Bergers Essays zur Hand. «Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten», heisst das schmale Buch, erschienen 1992, noch bei Reclam Leipzig, dem DDR-Überbleibsel des nach Stuttgart übersiedelten Verlags. Nur fünf Essays versammelt es, jedes ein Musterbeispiel behutsamer, zutiefst menschlicher Gedankenführung. Im ersten schaut Berger Fotos an. «Was mich an diesen Fotos vor allem interessiert», schreibt er, «ist etwas Unsichtbares.» Natürlich, wie könnte es anders sein? Er hat uns ja mit seinem «Sehen» die Augen geöffnet für die Bedeutungskaskaden, die unter der Oberfläche lauern. Doch die Bilder, die Berger hier in seinem erstmals 1989 erschienenen Aufsatz anschaut, sind keine glänzenden Werbeaufnahmen, deren manipulative Absicht man dechiffrieren muss. Nein, es sind Schnappschüsse, Fotos von gewöhnlichen Menschen, die nach dem Mauerfall aus dem Osten nach dem Westen strömen. Aus den Gesichtern dieser Menschen versucht Berger, die Zukunft Europas herauszulesen. Wie eine Wahrsagerin die Karten, liest er die Blicke der Neuankömmlinge. Sie wirken erschreckt, doch glücklich. Erfüllt, doch ohne Lächeln. Diese Menschen verkörpern den Bankrott des idealistischen Prinzips des Gemeinwohls, sie geben dem heroischen Eigennutz des Kapitalismus recht. Berger beobachtet, wie die sozialistischen «Renegaten» in den konsumwarmen Mutterbauch des westlichen Europas zurückkriechen. Auch für ihn ist es ein schöner «europäischer Augenblick» der Vereinigung, er erkennt ein «ernsthaftes Glück» darin. «Wie lange kann dieser Augenblick währen?», fragt Berger aber bange. «Alle erdenklichen Gefahren der Geschichte liegen auf der Lauer. Intoleranz, Fanatismus, Rassismus.» Die Rückkehr des Ausgegrenzten berge die Gefahr einer neuen Geldgier in sich, sinniert er, «die dem Gesetz des Dschungels zum Durchbruch verhelfen könnte». Düstere Einsicht, nüchtern festgestellt. Das Verschliessen der Augen vor einer unbequemen Wahrheit war Bergers Sache nun mal nicht. @askewa Neueste Beiträge All Posts Allgemein Kunst Kunsthandel Baselitz‘ Welt I like Private Sales, ein Schattenspiel Kategorie Allgemein (1) Kunst (2) Kunsthandel (1) Schlagwörter fondation-beyeler georg-baselitz Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Talk mit Jacqueline Burckhardt

Talk mit Jacqueline Burckhardt November 3, 2016 Ewa Hess An dem traditionellen Tagi-Talk der Zürcher Kunstmesse Kunst 16 unterhalte ich mich diesmal mit der Kunsthistorikerin Jacqueline Burckhardt, die nicht nur die legendäre Zeitschrift «Parkett» gegründet hat (gemeinsam mit Bice Curiger), sondern sie auch bis heute prägt und weitere wichtige Impulse für die Schweizer Kunstszene sendet. Hier die Conversation «Parkett & Beyond» in voller Länge. @askewa Neueste Beiträge All Posts Allgemein Kunst Kunsthandel Baselitz‘ Welt I like Private Sales, ein Schattenspiel Kategorie Allgemein (2) Kunst (3) Kunsthandel (1) Schlagwörter fondation-beyeler georg-baselitz Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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