Andy Warhols Nase admin | 23. August 2010 – 07:06 von Ewa Hess Als Andy Warhols «Green Car Crash» 2007 in New York den Zuschlag fĂŒr 72 Millionen Dollar bekam, wusste jeder, wer der KĂŒnstler war, dessen Werkstatt das Bild entstammte. Denn der New Yorker Werbegrafiker mit slowakischen Wurzeln wurde bereits zu seinen Lebzeiten (1928â1987) zu einer ĂŒberlebensgrossen Figur. NatĂŒrlich kam es so, weil er selbst so viel dafĂŒr tat. UnverschĂ€mt, ruhmsĂŒchtig, laut und geschĂ€ftstĂŒchtig, galt er manchem als ein abschreckendes Beispiel des modernen KĂŒnstlers, das Mundwerk grösser als das Können. Erst nach seinem Tod begann die Erkenntnis zu dĂ€mmern, dass die laute Manier keineswegs ein Nichtkönnen verbarg. Im Gegenteil, sie verdeckte eine so tiefe Einsicht in das Wesen der modernen Zeit, dass die volle Bedeutung des warholschen Werks erst jetzt so richtig eingeschĂ€tzt werden kann. An Warhol fĂŒhrt heute kein Weg vorbei (siehe Kasten). Als er aber in den frĂŒhen 1960er-Jahren die ersten Gehversuche als KĂŒnstler machte, waren Maler wie der Flaggen malende US-KĂŒnstler Jasper Johns fĂŒr den noch etwas pummeligen, unsicheren Werbezeichner ein leuchtendes Vorbild. Auch er wollte eine coole Gestalt der New Yorker KĂŒnstler- und Schwulenszene werden, und um diesem Ziel nĂ€her zu kommen, nahm er einiges auf sich, etwa eine Abmagerungskur (mithilfe von Amphetamin-Tabletten, welche ihn fortan immer begleiten sollten). Auch unterzog er sich Ende der 50er-Jahre einer Nasenkorrektur, von der er sich einen AttraktivitĂ€tszuwachs versprach. Sein Biograf berichtet von einer grossen Traurigkeit, ja, sogar Wut, die Warhol befiel, nachdem er feststellen musste, dass die neue Nase nur wenig Einfluss auf seine zwischenmenschliche Anziehungskraft hatte. Um seinen Idolen Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein nĂ€her zu kommen, fing Warhol an, nach ihrem Vorbild, Alltagsobjekte und Comicszenen zu malen. Die grosse Wende trat Anfang der 60er-Jahre ein, als er anfing, kleine Billig-Anzeigen aus schmuddligen Zeitschriften abzumalen. Eine dieser gemalten Anzeigen war â wenig ĂŒberraschend â die Werbung fĂŒr eine chirurgische Nasenkorrektur. Sie steht im Zentrum einer grossen WarholSchau im Kunstmuseum Basel, die als eines der Highlights des Kunst-Herbstes am 5. September eröffnet wird. Darin wird der Wendemoment der zeitgenössischen Kunst thematisiert, die Geburt der Pop-Art warholscher PrĂ€gung. Der Kunst, stellt man sich vor, erging es Ă€hnlich wie der Nase auf der Anzeige, die Warhol 1961 malte: vorher Hakennase. Nachher StupsnĂ€schen. Vorher Individualismus. Nachher gleichgeschaltete KonformitĂ€t. Vorher eine Entsprechung zwischen dem inneren Wesen einer Person (eines Kunstwerks) und seiner OberflĂ€ che. Nachher der traurige Triumph der leeren OberflĂ€che. Warhol war natĂŒrlich nicht der Erste, der die Kunst radikal infrage stellte. Er tat es aber konsequenter als seine VorgĂ€nger und fĂŒgte der akademischen Auseinandersetzung um die Frage: «Was ist Kunst?» eine abgrĂŒndige, verletzliche Komponente hinzu. Denn frĂŒh schon kamen zu den beruhigenden, seriellen, von einer Gleichförmigkeit des Nachschubs sprechenden Suppendosen- oder Cola-Flaschen-Darstellungen die Bilder geschundener SuppenbĂŒchsen dazu. Durchbohrt von einem Dosenöffner, zerquetscht, mit einer abgerissenen Etikette, wirkten sie wie die MĂ€rtyrer des industriellen Zeitalters. FrĂŒh, schon 1962, begann sich Warhol auch mit dem Thema «Death & Desaster» auseinanderzusetzen. Bilder von FlugzeugabstĂŒrzen, AutounfĂ€llen, Selbstmörder-Leichen stellte er zwar im Siebdruckverfahren her, bearbeitete sie aber wĂ€hrend und nach dem Druck. Er erhöhte die Kontraste, vermehrte die Rasterpunkte oder trug mit einem Schwamm Farbe auf. In der Ăffentlichkeit hat Andy Warhol nichts unversucht gelassen, um zu beweisen, dass es ihm mit der Malerei eigentlich nicht ernst sei. Er sagte, dass er Siebdruck brauchte, weil es dann andere fĂŒr ihn erledigen können. Er behauptete, dass er schlampig arbeiten wĂŒrde, damit es schneller geht, etc. Bilder mit einer emotionslosen, radikalen Formensprache Mit dieser Einstellung und dem Erfolg seiner Kunst hat Warhol endgĂŒltig dazu beigetragen, dass die Fotografie der Malerei den Rang ablief. Er bereitete den Weg fĂŒr eine Vielzahl kĂŒnstlerischer Verfahren, die mit der klassischen Bildherstellung wenig gemeinsam hatten. Ihm selber war es aber als Maler sehr ernst. Und nirgends zeigte sich das so deutlich wie in den Bildern, in welchen die AbsurditĂ€t des plötzlich eintretenden gewaltsamen Todes in eine emotionslose, radikale Formensprache gefasst wird. Auch das Vorher-nachher-Bild seines Anfangs kann man als einen Beitrag zu Warhols dunkler Zeitanalyse verstehen. WĂ€hrend nĂ€mlich die lĂ€cherliche Hakennase im ersten Teil des Bildes noch auf eine Verbesserung ihrer Lage durch Korrektur hoffen darf, geht es dem sĂŒssen StupsnĂ€schen im zweiten Teil unendlich schlechter. Es ist schon perfekt. Und das heisst bei Warhol nichts anderes als: hoffnungslos. «Andy Warhol. The Early Sixties», Kunstmuseum Basel, 5. September bis 23. Januar © SonntagsZeitung @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein đ thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste BeitrĂ€ge Baselitzâ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte VeritĂ Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. 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