Film

Erste Rolle von Jennifer Lawrence

Erste Rolle von Jennifer Lawrence Ewa Hess | 26. Februar 2014 – 06:17 Bevor sie eine aussichtsreiche Oscar-Anwärterin war, musste auch Jennifer Lawrence («American Hustle», «Hunger Games») durch das Dickicht unsäglicher Rollen. Hier ist ihre allererste – man merkt es fast nicht, denn sie bespringt Tony Shalloub in der TV-Serie «Monk» in einem Vollkörperkostüm. https://youtu.be/uL0n5gPNmWc About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Keanu liest Gauguin

Keanu liest Gauguin Ewa Hess | 24. April 2015 – 11:15 Anlässlich der Paul-Gauguin-Ausstellung der Fondation Beyeler liest der Schauspieler Keanu Reeves aus dem Tahiti-Tagebuch «Noa Noa». Dabei ist seine Begeisterung für das Werk des Malers ziemlich neu. Keanu Reeves kommt nach Basel mit einer Mission: Er möchte – als Teil-Polynesier – dem Publikum die Augen für den grossen französischen Malerei-Erneuerer Gauguin öffnen. Mit dem «Matrix»- und «Speed»-Star sprachen wir im Wintergarten der Fondation Beyeler am Vortag seines Auftritts. Keanu Reeves, Sie lesen aus Gauguins poetischem Tahiti-Tagebuch «Noa Noa». Nach welchen Kriterien wählten Sie den Text?Am liebsten würde ich den ganzen Text vorlesen, doch dafür reicht die Zeit nicht. Ich lese aus jedem Kapitel eine Passage und erzähle Persönliches dazu. Woher kommt Ihr Engagement für das Werk Gauguins? Das ist ganz neu. Bisher kannte ich Gauguin nur dank Anthony Quinn. Sie spielen auf den Film «Lust For Life» an, einen Klassiker von Vincente Minelli aus dem Jahr 1956? Ja. Kirk Douglas spielt darin Van Gogh und Anthony Quinn Gauguin. Er spielt ihn grossartig. Doch jetzt, da ich die Biografie Gauguins besser kenne, stelle ich fest, dass mir eigentlich damals vor allem Quinns Schauspielkunst gefiel. Und jetzt? Natürlich kannte ich einige Gauguin-Werke auch früher – die, die jeder kennt. Aber nachdem ich Sam Keller zugesagt hatte, begann ich Gauguin zu lesen – seine Briefe und Aufzeichnungen. Er ist ein sehr suggestiver Schreiber. Mir kam es plötzlich so vor, als ob ich mit einem lebenden Künstler in eine Diskussion verwickelt würde. Auch Sie betätigen sich als Schriftsteller, kommt daher Ihr Interesse? Sie meinen die «Ode an das Glück»? Ja, Ihre poetische Auseinandersetzung mit dem gauguinschen Thema. Ich kann mich nicht mit Gauguin vergleichen. Aber ja, in meinem Buch geht es darum, wie man das Glück wiederfinden kann nach einer dunkleren Zeit. Jeder kennt eine solche von Zeit zu Zeit. Gauguin hatte solche sogar in seinem selbst gewählten Paradies. Die gängige Meinung ist, dass er das Paradies auch malte. Erst wenn man diese Bilder wirklich anschaut, merkt man, dass das nicht stimmt. Nein? Wie interpretieren Sie sie also? Er verführt den Zuschauer mit einem Versprechen des Paradieses, das stimmt. Gauguin war ein grosser Verführer. Aber am Ende konfrontiert er uns immer mit der Erkenntnis, dass das Leben ebenso bitter wie süss ist und dass es prekär bleibt, wer wir sind und wie wir sind. Dass es also, im Gegenteil, ein Paradies gar nicht gibt. Ist Gauguin darin ehrlicher als andere Maler? Hier in der Beyeler-Sammlung hat man gute Vergleichsmöglichkeiten. Und ich merkte gestern bei einem Rundgang, dass viele grosse Maler auf diese Weise ehrlich sind. Ich empfinde Gauguin aber in dieser Beziehung als besonders angriffig. Seine Bilder fordern einen fast physisch heraus, die Emotionen sind so stark! Er springt in unsere Augen, zwingt uns, ihn zu verstehen, ihn nicht zu verurteilen. Mir kommt es fast so vor, als ob seine Bilder den Blick des Zuschauers auf ihn selbst zurückwerfen würden. Es klingt fast, als ob Sie mit ihm verwandt wären … Könnte es sein? Man sagt, dass in Polynesien ganze Inseln mit seinen Ururenkeln bevölkert sind. Na hören Sie, ein Teil der Familie meines Vaters kommt aus Hawaii, das ist sehr, sehr weit weg von Tahiti und den Marquesas. Aber sind wir nicht alle Gauguins Kinder? Wie stark ist Ihre Verbindung zu der polynesischen Kultur? Ich habe meine Cousins auf Hawaii schon als Kind besucht. Doch Hawaii ist stark amerikanisch, sozusagen kolonisiert. Ich merkte aber, wie teuer den Menschen die Reste der ursprünglichen Kultur sind, wie sehr sie sich daran halten. Die Art, wie Gauguin selbst mit der Bevölkerung Tahitis umging, wurde von der feministischen Sicht kritisiert. Nehmen Sie ihm das als Teil-Polynesier nicht übel? Ich habe davon gelesen, dass ihn manche Menschen als Sextouristen, ja sogar als Pädophilen sehen, da einige seiner Frauen, etwa die erste, nur 13 Jahre alt waren. Und ich muss zugeben, dass die Art, wie er diese Zustände beschreibt, nicht etwa entschuldigend ist. Es gibt nur ihn und seine Malkunst, die Familie, andere bedeuteten ihn wenig. Immerhin findet er oft sanfte, poetische Worte, um die Frauen der Inseln zu beschreiben. Diese Zärtlichkeit spiegelt sich auch in den Gemälden. Sammeln Sie selber auch Kunst? Nein, ich kann mir meinen Geschmack nicht leisten. Oh, das klingt, als ob Sie am liebsten das «Nafea»-Bild Gauguins kaufen würden, das gerade für angeblich 300 Millionen den Besitzer gewechselt hat und zum letzten Mal in Basel zu sehen ist. Ja, sehen Sie? Das könnte ich mir nicht leisten. Aber Gott sei Dank gibt es Museen. Grosse Kunst sollte allen zugänglich sein. 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Clooney in Berlin

Clooney in Berlin Ewa Hess | 9. Februar 2014 – 20:05 Wie konnte das so gründlich schiefgehen? Es ist George Clooneys sechster Film als Regisseur, und alle anderen waren gut. Dieser eine, «Monuments Men», der gestern an der Berlinale erstmals gezeigt wurde, ist aber ein Blindgänger. Am Schluss der Pressevorführung gab es Pfiffe. Für Clooney! In Berlin! Dabei hat die Stadt dem Film, der um die Ecke in den Babelsberg-Studios gedreht wurde, so entgegengefiebert wie selten einem. Deutsche Vergangenheit in den Händen des Filmästheten – das konnte doch nur ein Hit werden. Doch so entschlossen alle waren, den Film über tapfere «Monuments Men», also eine Spezialtruppe der US-Kunstretter, gut zu finden, es ging nicht. Am Ende war es im rappelvollen grossen Saal des Berlinale-Palasts klar: Der einzige Moment echter Betroffenheit war, als ein Kollege mitten in der Vorführung einen Herzinfarkt erlitt und der Film angehalten werden musste. Eigentlich hat der Film alles für einen Blockbuster Dabei hat die Geschichte über ein Trüppchen US-Intellektueller, die in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs ihr Leben aufs Spiel setzen, um die von den Nazis geraubten Kunstwerke vor Vernichtung und Plünderung zu retten, eigentlich alles, was ein Blockbuster braucht. Erstens eine All-Stars-Besetzung, die ihresgleichen sucht. Da ist erst mal Clooney als kunsthistorischer Indiana Jones, ein Professor, der sich in einen Abenteurer wandelt. Mit von der Partie ist auch Matt Damon, mit den aus der «Bourne»-Serie bekannten imposanten Muskeln, der unbezahlbare Bill Murray mit seiner stoischen Miene, der lustige Choleriker aus «Big Lebowski», John Goodman, der charmante «Artiste» Jean Dujardin, dazu noch unser Schweizer Nachwuchstalent Joel Basman und, um dem ganzen Würze zu verleihen, die bezaubernde Cate Blanchett als eine Pariser Bilderwärterin mit Brille. Nicht dass der Film langweilig wäre. Es ist eher, als ob es gar kein Film wäre, sondern eine Abfolge von Sketches, die nicht zu einer Erzählung zusammenwachsen. John Goodman hat im ganzen Film vielleicht zwei witzige Zeilen. Die erste ist ganz am Anfang, als sich die Architekten, Restaurateure und Designmuseumsdirektoren auf den Kriegseinsatz vorbereiten und er meint, dass mit Blindmunition geschossen wird, dabei ist es echte. So geht es die ganze Zeit. Nicht nur mit dem Humor. Auch mit der Romantik. Cate Blanchett etwa spielt im Film Claire, die Frau, die während der ganzen Besatzungszeit in Paris das Raubkunstlager der Nazis im Museum Jeu de Paume heimlich von ihrer Position als Sekretärin überwacht und katalogisiert. Damit sie den Amis verrät, wo die Nazis den Genter Altar und die Brügger Madonna lagern, muss Damon sie erst überzeugen, dass die «Monuments Men» die Kunstwerke nicht selbst klauen. Kaum ist ihm das gelungen, öffnet sie ihren strengen Dutt und lädt ihn zum Essen ein. Sehr subtile Symbolik. Dabei hat Clooney, der Frauenschwarm, bisher mit jedem seiner Filme bewiesen, dass zwischen seinen attraktiven Silberschläfen mehr Hirn steckt, als die meisten Männer neidvoll vermuten. Die Filme waren alle gut – und jeder von ihnen machte sich für eine Tugend stark. Denn darin ist Clooney ganz der traditionelle Mann aus den Südstaaten, mit einem warmen Empfinden für Recht und Anstand (ausser mancher seiner Freundinnen gegenüber). In «Confessions of Dangerous Mind» geisselte er – visionär – den Zynismus der US-Geheimdienste. In «Good Night, Good Luck» machte er sich für die Pressefreiheit stark, in «The Ides of March» liess er einen politischen Ränkespieler scheitern. Bei «Monuments Men» muss dem grossen Liebhaber europäischer Kultur, die er so gerne in seiner kultivierten Villa am Comersee feiert, ein Übermass an Respekt im Weg gestanden haben. Man sieht es direkt vor sich, wie Clooney vor all diesen Rembrandts, Renoirs, Cézannes und van Eycks in Ehrfurcht erstarrt – und seinen Film vergeigt. «Monuments Men» ab 20. Februar 2014 bei uns im Kino About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! 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Maestro Morricone

Maestro Morricone Ewa Hess | 4. November 2013 – 05:52 Wunderbar schlechtgelaunt: Ennio Morricone widersteht in Interviews dem Strahle-Diktat der heutigen Zeit. Im Gespräch mit dem genialen Akkord-Arbeiter (fast 600 Filmmusiken! Er schrieb in manchen Jahren an die 100 Filmscores, das ist 10 pro Monat!!!) musste ich mir – wie alle – sehr spröde Antworten gefallen lassen. Am Abend, während des Konzerts in der Arena di Verona, bei Vollmond, sah ich den alten Gentleman doch den tobenden Applaus des 20 000 köpfigen Publikums geniessen und endlose Zugaben geben! Ennio Morricone über Spaghetti-Western, seinen Bewunderer Tarantino und das Leben als Popstar Von Ewa Hess Die Welt macht es Ennio Morricone nicht leicht. Seine Fans lieben ihn für etwas, das sie Spaghetti-Western nennen. Dabei träumt der Maestro von einer «musica assoluta», einer Musik, die keine Genres und Grenzen kennt. Spaghetti stellt ihm höchstens seine Frau Maria auf den Tisch, mit der er schon über 60 Jahre verheiratet ist und die ihn auch zu diesem Interview begleitet. Mit Maria teilt Morricone eine Etagenwohnung in Rom mit dem Blick auf das Kapitol. In dieser komponiert er immer noch täglich, dort spielt er Schach und joggt durch die Korridore. «60 Meter hin und 60 Meter zurück», berichtigt er, es sei nur ein schnelles Laufen. Die Wohnung verlässt der Komponist nur selten. Nur wenn er gerade einen Oscar bekommt oder, wie an diesem Nachmittag in Verona, ein Konzert vor 20 000 Menschen in der historischen Arena auf ihn als Dirigenten wartet. Wenn man seine Hand schüttelt und «grande onore» stammelt, blickt er misstrauisch durch die dicken Gläser. Denn er weiss, was jetzt kommt: Fragen zu den Spaghetti-Western. Ennio Morricone, wie war das, als Sie mit Sergio Leone den Italowestern erfanden? War das ein Witz, oder dachten Sie schon damals, dass Sie etwas Bedeutendes schaffen? Weder noch! Es war gewöhnliche Arbeit. Leone gefiel meine Musik zu den zwei Western, die ich für andere Regisseure gemacht hatte, darum rief er mich an. Er hatte eine Vorstellung, was er brauchte, und ich konnte liefern. Das klingt sehr nüchtern. Sie waren doch alte Schulfreunde? Na ja, Freunde. Wir waren nur ein Jahr lang Klassenkameraden, in der dritten Klasse der Grundschule, wenn Sie es ganz genau wissen wollen. Warum nennen Sie sich im Nachspann von «Für eine Handvoll Dollar» eigentlich Dan Savio und Bob Robertson? Schämten Sie sich? Nein, wo denken Sie hin! Der erste Film, den wir zusammen gemacht haben, sollte als amerikanischer Film gelten. Darum haben uns die Produzenten gebeten, unter amerikanischen Namen aufzutreten. Das hat mir keine Mühe gemacht. Ich nannte mich schon früher mal Dan Savio, später auch Leo Nichols. Leone hat als Sohn des Regisseurs Roberto Roberti den Namen seines Vaters amerikanisiert. Waren Sie sich bewusst, einen neuen Stil zu kreieren? Es war eine Musik, die Spuren des amerikanischen Folk enthielt, oder eher der irischen Volksmusik, die mit ihm verwandt ist. Durch meine Hand ist etwas daraus geworden, das vorwiegend mit Italien zu tun hat. Sie haben also den Amis den Western und die Folkmusik weggenommen? Es ging nicht darum, etwas zu annektieren, sondern darum, es zu bereichern. Ganz einfache Harmonien und leichte Gitarrenakkorde wollten wir mit etwas Interessanterem verbinden. Und das war die atonale Musik, die Sie am Konservatorium in Rom studiert haben? Filme mit Sergio Leone gehören eigentlich nicht zu meinen avantgardistischen Arbeiten. Im «Spiel mir das Lied vom Tod» sind Geräusche genau so wichtig wie die Melodie: das Tropfen des Wassers, der Schrei des Koyoten, das Summen der Fliege. Sind das nicht Elemente der Avantgarde? Natürlich. Es gibt eben den technischen Aspekt des Komponierens, eine Raffinesse, die man in die Arbeit hineinbringt, die nicht direkt auf die grossen Komponisten Arnold Schönberg oder Anton Webern zurückgeht, aber dennoch ihr Erbe ehrt. Bei den meisten Filmmusiken schwillt die Musik an, bevor etwas passiert. Bei Ihnen aber erscheinen die Helden oft ganz still, und erst dann setzt die Musik ein. Absicht? Ist das so? Vielleicht. Für mich gibt es keine sichere Methode, Wirkung zu erzielen. Es muss zum Film passen. Als ich zum Beispiel die Musik zum letzten Film von Giuseppe Tornatore, «The Best Offer», schrieb … … für den Sie bald den Europäischen Filmpreis bekommen. Glückwunsch! Danke. Also bei diesem Film war es so, dass bestimmte Handlungssequenzen durch die Musik definiert sind. Deshalb konnte ich einer Szene nie zuvorkommen, ohne zu verraten, was als Nächstes passiert. Was halten Sie selbst für Ihren grössten Beitrag zur Filmgeschichte? Filmgeschichte? Fragen Sie eher nach der Geschichte überhaupt. Die Filmmusik spiegelt unsere Zeit, im Guten wie im Schlechten. Deswegen ist es wichtig, dass die Musik in einem Film von künstlerischer und kreativer Würde geprägt ist. Und zum Film passt? Ja, schon, aber ein guter Film erträgt auch mittelmässige Musik. Wirklich? Klar, der Film ist das Hauptwerk, die Musik nur die Grundlage. Sie leistet einen kleinen Beitrag, der aber, wenn er wirklich gut ist, sehr wichtig sein kein. So demütig? Sie haben doch mal gesagt, dass Sie einen Regisseur, der Ihnen etwas aufzwingen wolle, «entlassen»? Es kann vorkommen, dass man sich nicht versteht. Dann beendet man besser die Zusammenarbeit. Ist mir auch schon passiert, auch mit sehr guten Regisseuren. Mit wem etwa? Roland Joffé etwa mochte meinen Beitrag zu «The Scarlett Letter» nicht, er fand, mein Thema sei nicht «keltisch» genug. Das hat mich sehr erstaunt. Joffé hat dann die Musik John Barry anvertraut, diese Musik hatte überhaupt keine keltischen Elemente. Hatten Sie oft Streit mit Regisseuren? Nein. Liliana Cavani war lange sehr böse auf mich, weil ich für Gillo Pontecorvo meine Musik für ihren Film «I cannibali», leicht abgewandelt, wieder schrieb. Ich sagte damals Pontecorvo, dass das nicht gehe, doch er bestand darauf. Und wie ist es mit Ihrem Bewunderer Tarantino? Sie haben nach «Django Unchained» gesagt, dass Sie nie wieder mit ihm arbeiten wollten. Tarantino macht ausserordentlich schöne Filme, keine Frage. Doch er verwendet mein Werk, wie es ihm passt, er nimmt die Musik und setzt sie irgendwo im Film ein. Ich werde ihm nicht verbieten, meine alten Sachen weiterhin zu verwenden. Einen neuen Soundtrack wollen Sie

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Identitätsklau nach Kleist

Identitätsklau nach Kleist Ewa Hess | 29. September 2013 – 12:06 Amphitryon und sein Doppelgänger – Mit Hilfe von Kleist erzählt Karin Henkel am Zürcher Schauspielhaus vom Identitätskollaps im Zeitalter von Facebook und Co. Eine furiose Aufführung, die mich berührt hat, weil sie den Wahnsinn des Stücks ganz sec zeigt, ohne Pathos, ohne brutal oder auch nur lärmoyant zu werden. Zürich, 28. September 2013. Diese verfluchten Identitäten schießen wie Pilze aus dem Boden. Oder der Wind bläst sie durch die Türe ins Haus. Sie bilden Grüppchen. Manchmal auch Schlägertrüppchen! Dann gucken sie wieder ganz possierlich, so mir nichts, dir nichts, über die Möbelkanten hinweg.Da kann sich Sosias noch so oft vorsagen, dass er ein Mensch sei, einer, der von daher kommt und dorthin geht. Im Spiegelkabinett der wild wuchernden Identitäten kommt ihm der Sinn für alles Zielgerichtete abhanden. Und nicht nur ihm, dem treuen Diener. Auch seinem Herrn Amphitryon, gerade noch mit Siegerschritt nach Hause eilend, wird es blümerant. Das Ziel aller Ziele, die Liebeszuflucht am Herzen der Gattin, ist schon besetzt – von einem wie er.Bodenlose Ratlosigkeit ist der Stoff, aus dem Heinrich von Kleists Molière-Bearbeitung aus dem Jahr 1807 eh schon gestrickt ist. Der melancholische Berliner macht aus der frivolen Verwechslungskomödie ein Drama der Identitätsverwirrung, als das sein „Amphitryon“ in die Theatergeschichte eingeht. Die Sachlage selbst überliefert die griechische Mythologie so: Jupiter, der Schürzenjäger, hat sein Auge auf Alkmene geworfen. Um die treue Ehefrau zu verführen, schlüpft er in die Gestalt des thebanischen Generals Amphitryon. In der Nacht bevor der Kriegsheld nach Hause kommt, liegt der Gott in den Armen der nichts ahnenden Schönen und betrügt den Heimkehrer um die süßesten Stunden. Verdoppelt, verdreifach, vervielfacht Was noch die gegenwärtige Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey in ihrer Basler Inszenierung von 2003 als eine Männerkumpelei und Götterboshaftigkeit darstellte, modernisiert Karin Henkel jetzt zu einem wahren Identitätskollaps. Vor der aufdringlichen Verdoppelung, Verdreifachung und Vervielfältigung ist in dieser furiosen Inszenierung niemand und nichts gefeit. Selbst der Text – er folgt Kleists Originalfassung sehr frei, doch erkennbar – scheint sich da und dort in einer Endlosschleife zu verfangen. Es ist immer ein kleiner Glücksfall, wenn der Dialog der Wiederholung entkommt und die Handlung weitergeht.Auf einer wirkungsvoll simplen Bühne von Henrike Engel (die allerdings – wie könnte es anders sein? – sich zweistöckig verdoppeln kann) und mit Hilfe von insgesamt vier Kostüm-Uniformen (Klaus Bruns) entfesseln fünf Darsteller ein unübersichtliches Figurengemenge. Jeder kann da schnell in die Rolle des anderen schlüpfen, mal Sosias, mal seine Frau Charis sein, ungeachtet der Brüste oder Bärte. Stupend, wie es Henkel und ihrem kleinen Ensemble gelingt, Kleist als einen Visionär zu zeigen, der die Tragikomödie des Identitätsklaus erahnte – lange vor dem Aufkommen der gottgleichen Technologie, der strukturellen Voraussetzung dazu. Schlamassel der sozialen Netzwerke Ganz ohne Mätzchen und plumpe Metaphern bringt Henkel das ganze slapstickhafte Schlamassel der sozialen und anderen Netzwerke, in welchen wir heute zappeln, als Assoziationsraum mit auf die Bühne. Jede ihrer Figuren unternimmt, unseren Profilen und Avatars ähnlich, ebenso rührende wie vergebliche Anstrengungen, sich als ein „Ich“ zu etablieren. Gegen Schluss greift jene Schauspielerin, die oft Charis ist, zu einer radikalen Maßnahme, indem sie ihren wahren Namen nennt. Ihren wahren Namen? Oops, nein. Denn sie heißt Marie Rosa Tietjen – gibt aber unumwunden zu, Carolin Conrad zu sein, also ihre oft Sosias spielende Kollegin.Sie spielen alle brillant. Und es ist eine enorme Leistung, denn mit all den Text- und Figurenverwerfungen ist es ein Mosaik aus Körpern und Worten, in welches sich die Einzelnen einfügen müssen – mal in dieser, mal in einer anderen Formation, synchron und dann wieder solo. Das wirkt dennoch keine Sekunde angestrengt, im Gegenteil, immer kindlich verspielt. Die wunderbaren Bühneneinfälle, Karin Henkels Markenzeichen – falls man bei dieser so wandelbaren Regisseurin überhaupt von einem sprechen kann – funktionieren ohne Fehl. Hüte fliegen, Mäntel flattern, und auch mit einem alten Fauteuil lässt sich allerhand anstellen.Dass die einzelnen Schauspieler bei diesem Konzept dennoch so etwas wie einen glaubhaften Charakterkern entwickeln, grenzt schon fast an ein Wunder. Aber der hinreißende Michael Neuenschwander ist am Ende der bodenständige Kriegsheld, man erkennt in ihm Amphitryon, da kann er in andere Kleider schlüpfen und Etiketten tauschen, so viel er will. Fritz Fennes Jupiter sitzt ihm ebenso in den immer tanzbereiten langen Beinen wie in der eitlen Argumentation, die ihm immer wieder auf die Zunge kriecht. Tietjen und Conrad sind unermüdlich, die beiden Frauen sprechen, springen und wechseln Kostüme mit einem Tempo, das einem den Atem verschlägt – der Inszenierung so inbrünstig dienstbar, wie es Sosias und Charis dem Königspaar sind. Und mit Lena Schwarzs beherzt verzweifelnder Alkmene bekommt der Zürcher „Amphitryon“ auch jene tragische Tiefe, ohne die das kurze intensive Stück kein echter „Amphitryon“ wäre. Ach! Amphitryon und sein Doppelgängernach Heinrich von KleistRegie: Karin Henkel, Bühne: Henrike Engel, Kostüme: Klaus Bruns, Musik: Tomek Kolczynski, Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger.Mit: Carolin Conrad, Fritz Fenne, Michael Neuenschwander, Lena Schwarz, Marie Rosa Tietjen.Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause www.schauspielhaus.ch Veröffentlicht am morgen des 29.9.2013 auf nachtkritik.de About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! 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Viktors Grosser Kanton

Viktors Grosser Kanton 30. April 2013 @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Previous PostNext Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Yang Fudong, Videodichter

Yang Fudong, Videodichter Ewa Hess | 7. April 2013 – 18:56 Yang Fudong ist der grosse Träumer unter Chinas Kunststars. In seinen hypnotischen Videos lungern junge Menschen in malerischen Gärten herum. Oder sie spazieren in Städten. Sie sind erregt, doch ziellos. Eine abgeklärte Weltmüdigkeit haftet den mandeläugigen Gesichtern an, es ist, als ob sie sich ihre Zeit nur vertrieben. Worauf warten sie? Das erste Mal traf ich Yang Fudong in Shanghai, im Herbst 2007. Ich besuchte ihn in seiner Wohnung und wir sprachen über den dritten Teil seines Video-Poems «Seven Intellectuals in a Bamboo Forest». Frühling 2013 treffe ich ihn wieder, in der Kunsthalle Zürich, er ist hier zur Eröffnung seiner grossen Retrospektive gekommen. Seine langen Haare sind ein bisschen grau geworden, doch er ist der gleiche ernste und sanfte Mann. Er spricht leise, fast ohne den Mund aufzumachen, und lächelt manchmal schalkhaft. Yang Fudong, 41, die Frisur mit Mittelscheitel bildet einen Rahmen für sein sanftes Buddha-Gesicht, beantwortet die Frage in der Kaffeeküche der Kunsthalle Zürich mit einem rätselhaften Lächeln. Und spricht leise vage Sätze wie: «Auch ein Künstler kann die soziale Wirklichkeit seines Landes nicht ausblenden.» Es stimmt, die Wirklichkeit Chinas ist in diesen Videos ebenso allgegenwärtig wie die Sehnsucht nach Schönheit. Eine Fotoserie etwa zeigt eine Dame, wie sie in Begleitung ihrer Verehrer den berüchtigten Shanghaier Club M besucht. Die Bilder in Schwarzweiss evozieren die Romantik der Gangsterfilme aus den 1920er-Jahren. Und doch erzählen sie auch von der existenziellen Leere des heutigen Geldadels. Den Saal daneben füllt – welcher Kontrast! – die erschütternde Installation «East of Que Village», die der Künstler in seiner Heimatgegend bei Bejing filmte (er wohnt jetzt in Shanghai). Auf den Monitoren der Installation tanzt der Wind, das Dorf Que ist verlassen und öde. Heimatlose Hunde, voll schwärender Wunden, laufen hier herum, nagen an Gerippen, beäugen magere Kühe. Auch hier Entwurzelung, Verlorenheit, unstillbarer Hunger – es stellen sich überraschenderweise ähnliche Gefühle ein wie beim Betrachten der Bilder von reichen Clubbern. Die Ausstellung, welche die Zürcher Kunstinstitution dem begehrten Videodichter einrichtete, ist die erste dieser Grösse im Westen. Dennoch ist es keine Retrospektive, wie Co-Kurator Philippe Pirotte erklärt. Das berühmteste Werk etwa ist weggelassen worden, «weil man es schon zu gut kennt». Mit jenem Werk, «Seven Intellectuals in a Bamboo Forest», ist Yang Fudong erst richtig bekannt geworden. Das mehrteilige Epos war das Highlight der Venedig-Biennale von 2007 und hat mit seiner Nouvelle-Vague-Anmutung das westliche Publikum erobert. Yang Fudongs jüngst fertig gestelltes Video für das Modehaus Prada lebt von ähnlicher Ästhetik. Nebst alten chinesischen Quellen (etwa der Geschichte über taoistische Weisen, die sich im 3. Jahrhundert von der Vulgarität des Stadtlebens in ein Bambuswäldchen zurückziehen) ist Yang Fudong auch von westlichen Vorbildern beeinflusst, vor allem von den Filmemachern, etwa Jean-Luc Godard oder Jim Jarmush. Zunächst ohne ihre Filme zu sehen – denn den Kunststudenten war in den 80er-Jahren ein Blick auf die verbotenen Früchte der westlichen Kultur nicht erlaubt. Sie stellten sich Filme, von welchen sie gehört hatten, aber lebhaft vor. Die spätere Begegnung mit den echten «A bout du souffle» oder «Stranger Than Paradise» war schön, wenn auch verwirrend. Die Zürcher Schau überrascht vor allem mit der Entdeckung von Yang Fudongs Humor. Die Groteske traut man dem ernsten Poeten weniger zu – und doch begegnet man ihr hier, vor allem in den früheren Werken. Etwa in der Auftragsarbeit für Siemens aus dem Jahr 2003, in der der Künstler die Idee der Corporate Identity mit Anzügen verhöhnt, welche die Angestellten zusammenzippen oder verknoten. Ein aufmüpfiger Witz im Stil Ai Weiweis blitzt in weiteren Werken auf. «The First Intellectual» etwa zeigt einen properen jungen Mann mit Anzug, Brille und Aktenköfferchen, der sich leicht linkisch anschickt, einen Pflasterstein zu schmeissen. Zu seiner künstlerischen Zukunft befragt, antwortet Yang Fudong gewohnt vieldeutig. Er werde weiterhin disparate Protagonisten wie Hunde und Clubgänger mit der Kamera verfolgen, kündigt er an. Die Ausbreitung des Bilds im Raum, also Videoinstallation, werde aber eine kleinere Rolle in seinem Werk spielen. Er wolle fortan eher «Freestyle Cinema» machen. Weitere Details werden – sanft lächelnd – nicht verraten. Yang Fudong, «Estranged Paradise», Kunsthalle Zürich, bis 26.5.   Publiziert in der SonntagsZeitung am 07.04.2013   About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! 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Die besten Richards III

Die besten Richards III Ewa Hess | 6. Februar 2013 – 22:18 Es sind nicht die Knochen, welche einen Monarchen ausmachen. Die besten Richards sind jene, die unser Denken regieren. Also: 1. Al Pacino in «Looking for Richard». Eine rastlose, halb dokumentraische Suche nach Shakespeares Geheimnis, nach dem Abfgrund von Richards Herz, nach der Essenz der Schauspielerei. 2. Frederick Warde im Stummfilm von 1912, der angeblich der älteste erhaltene amerikanische Film sein soll. Schon damals ein Brite, der von New York aus die Welt erobert. Wird zum vorbild aller Richards – dabei ist der Film ja stumm! So beredt können wortlose Monologe sein. 3. Laurence Olivier natürlich, der Shakespeare rezitieren kann, als ob er sein Mittagsmenü erzählen würde, zwanglos, charmant. 4. Ian McKellen in Uniform, in einem protofaschistischen England der 30-er Jahre. Eine böse, erschreckende Interpretation, in der der spätere Gandalf einen reptilienartigen Charme entwickelt. 5. Peter Selters, wie er Laurence Olivier nachäfft, und den grossen Richard-Monolog mit dem Songtext von Beatles‘ «Hard Day’s Night” rezitiert. About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Next Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Anna Karenina, eiskalt

Anna Karenina, eiskalt Ewa Hess | 25. November 2012 – 00:36 Keira Knightley erzählt mir in London über die animalische Unberechenbarkeit der Anna Karenina, Sexszenen und die grosse Liebe. Die Welt hat Keira Knightley bei der Schauspielausbildung zugesehen, denn die britische Mimin steht vor der Kamera, seit sie sieben Jahre alt ist. Nach Welthits wie «Bend It Like Beckham» und «The Pirates of The Caribbean» drehte sie in den letzten Jahren oft Filme mit dem Regisseur Joe Wright, der wie sie ein Brite ist. Für ihn hat sie in den Literaturverfilmungen «Pride and Prejudice» sowie «Atonement» die reifsten Rollen ihrer Karriere interpretiert. Nun tritt sie zum dritten Mal in einem Wright-Film auf, als Titelheldin seiner Verfilmung von Leo Tolstois Roman «Anna Karenina». Zwar klein und zerbrechlich, aber nicht mehr so gespenstisch dünn wie zur Zeit der «Piraten», erscheint Keira Knightley kurz vor der Premiere zum Interview im Londoner Claridges Hotel. Die dunklen Haare hat sie züchtig im Nacken zusammengebunden, sie trägt ein schwarzes Wollkleid, das den Prunk ihrer Karenina-Roben gar nicht erst auszustechen versucht. Keira Knightley, es gab schon dreizehn Verfilmungen von «Anna Karenina». Macht das Angst? Nein. Ich habe mir die anderen Filme gar nicht erst angeschaut. Kein Respekt vor der Konkurrenz zu Greta Garbo? Die «Karenina» mit Garbo habe ich früher mal im Fernsehen gesehen, doch ich erinnere mich nicht mehr daran. Ich wollte sie nicht noch einmal sehen, um nicht beeinflusst zu werden. Aber den Roman haben Sie gelesen? Oh ja. Sie müssten mein Exemplar mal sehen! Es ist doppelt so dick, weil ich so viele Post-it-Zettel dort reingeklebt habe. Für jedes Ereignis, für jede Figur verwendete ich eine andere Farbe. Auch für Kareninas Charakterzüge: rot für Leidenschaft, weiss für Wut. Am Ende gingen mir die Farben aus. Bereiten Sie sich für jede Rolle so minutiös vor? Ja. Es gibt Schauspieler, die auch ohne Vorbereitung das Richtige in einer Szene tun. Ich aber mache immer Hausaufgaben, wie ein braves Schulmädchen. Trauen Sie Ihrem Instinkt nicht? Doch, schon. Ich war aber früh in meinem Leben stark exponiert, deshalb durfte ich mir nie eine Blösse geben und habe es mir angewöhnt, gut vorbereitet zu sein. Filme wie «Bend It Like Beckham» oder «Pirates of The Caribbean» haben Sie als Teenager berühmt gemacht. War das ein Problem? Ja. Die Jahre zwischen 18 und 21 waren für mich echt schwierig. Mein Körper veränderte sich, ich wurde erwachsen, versuchte herauszufinden, wer ich bin, man kennt das. Nur, wenn man auch noch ständig Objektive auf sich gerichtet sieht, wird es noch viel schwieriger. Es hat Jahre gedauert, bis ich herausfand, wie ich mich dem entziehen kann. Wie? Man muss den Kopf einziehen. Natürlich ist es leichter, wenn man nicht gerade auf einer PR-Tour für einen Blockbuster ist. Mit «Anna Karenina» betreten Sie jetzt den schauspielerischen Olymp. Oh Gott, ja. Das habe ich beinahe körperlich gespürt. Diese Rolle war unendlich schwierig zu spielen. Warum? Weil sie eine so komplexe Figur ist. Elizabeth Bennett zum Beispiel, in «Pride and Prejudice», die mögen alle. Man muss sie sympathisch, natürlich und intelligent darstellen, damit ist es getan. Karenina aber ist ein Biest: Sie ist manipulativ, tückisch, sie will die Realität nicht erkennen, Konsequenzen nicht akzeptieren. Erklärt das den Anna-Karenina-Fluch? Was soll das sein? Keine der Filmversionen ist je ein grosser Kassenerfolg geworden, obwohl die Rolle von den wichtigsten Schauspielerinnen gespielt wurde. Das liegt daran, dass man sie in den Filmen zu gut gezeigt hat. Wie meinen Sie das? Na ja, in den meisten Verfilmungen hat man aus ihr eine romantische Leidende, ein Opfer ihrer Zeit gemacht. Aber damit wird man weder der Figur noch Tolstoi gerecht. Die Kraft der Karenina liegt gerade in ihrer animalischen Unberechenbarkeit. Sie wollten sie unsympathisch zeigen? Das ist Ihnen misslungen. Gut! Natürlich soll sie auch faszinieren. Dem Zuschauer soll es nicht egal sein, wenn sie sich am Ende unter den Zug wirft! Selten hat man schönere Kleider in einem Film gesehen. Das ist Jacqueline Durran zu verdanken. Sie hat schon das unvergessliche grüne Abendkleid für «Atonement» entworfen. Ihr Konzept war hier, die Figur von Anfang an mit Sachen zu umgeben, die an den Tod erinnern. Den Tod? Sie trägt doch opulente Spitzen, Pelze, teuren Schmuck? Pelze ersticken, Spitzenschleier wirken wie Spinnennetze, Federn auf den Hüten erinnern an tote Vögel … Und der Diamant ist der härteste aller Steine, kalt wie Eis. Warum wirken diese Kleider dennoch so verführerisch? Weil auch Sex drinsteckt. Die Röcke sind wie Unterwäsche geschnitten oder gar aus verknitterten Leintüchern geschneidert. Damit wollten wir diese intensive postkoitale Stimmung präsent halten. Apropos Sex – nach den Sadomaso-Spielen zwischen Gustav Jung und Sabina Spielrein in «A Dangerous Method» haben Sie nun als Karenina ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann. Sexszenen oder sogar Szenen, in welchen man nackt sein muss, sind nicht wirklich schwierig. Man muss sich selber vergessen, das ist der Trick dabei. Anderes ist viel schwieriger. Was zum Beispiel? Intimität der Paare. Gesten, Bewegungen, die im echten Leben unbewusst bleiben. Diese natürlich hinzukriegen ist fast unmöglich. In diesem Film machten mir vor allem Szenen mit Jude Law Mühe, der Kareninas ungeliebten Ehemann spielt. Warum? Weil ich nicht wusste, wie weit ich in der Darstellung ihrer Gemeinheit gehen kann. Wir spielten die Szenen zum Teil fünfzigmal, in allen Gefühlsnuancen. Klingt anstrengend. Sehr! Der ganze Film ist ein so ehrgeiziges, wildes Projekt. Vom ersten Moment an, als Joe Wright sich entschieden hat, den Film nicht in Russland zu drehen, sondern auf der Bühne eines alten knarrenden Theaters in den Shepperton-Studios bei London, wussten wir alle, das uns etwas Besonderes bevorstand. Wann hatte Wright die Idee? Im letzten Moment! Sets wurden gebaut, während wir schon drehten. Was war die Krux bei dieser Art der Arbeit? Allein schon die Szenen technisch so perfekt hinzukriegen, wie Joe sie brauchte, war ein Ding der Unmöglichkeit. Wir brauchten endlose Wiederholungen. Jede unserer Bewegungen musste stimmen, auf den Millimeter genau. Es ist verblüffend, wie viele historische Rollen Sie schon gespielt haben. Ist das Ihre Vorliebe oder die der Regisseure? Ich glaube, meine. Ich liebe diese Art von

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Richard Gere in Zürich

Richard Gere in Zürich Ewa Hess | 20. September 2012 – 14:02 Das Gespräch mit Richard Gere führte ich im Vorfeld seines Besuchs in Zürich, wo er einen Preis des Zurich Film Festival bekommt. Er rief mich an aus Westchester, NY. Danke für den Anruf, Mister Gere. Absolutely! Zürich freut sich auf Ihren Besuch – mögen Sie die Stadt? Ja, früher war ich öfter da, aber jetzt schon lange nicht mehr. Das letzte Mal war ich hier auf dem Weg nach Kosovo, als ich ein Flüchtlingslager dort besucht habe. Das muss 1999 gewesen sein. Was brachte Sie jeweils in die Schweiz? Einerseits die Kunst, andererseits Tibet. Die Schweiz hat unseren tibetischen Brüdern und Schwestern viel Freundlichkeit erwiesen. Das erste Mal war ich in der Schweiz, um seine Heiligkeit den Dalai Lama in Rikon lehren zu hören. Aber ich hatte in Zürich auch einen guten Freund, den inzwischen verstorbenen Galeristen Thomas Ammann. Für Sie ist die Schweiz also nicht das Land, in dem man vor allem Banken besucht? Nein. Ich habe hier noch nie eine Bank besucht. Auch nicht, um sich auf den Film «Arbitrage» vorzubereiten? Dafür brauche ich mich doch nicht mit dem Finanzwesen zu beschäftigen! Mein Metier ist es, Gefühle wiederzugeben. Ich interessiere mich für die Ethik und das Verantwortungsgefühl, die in jedem Menschen schlummern. Auch in der Welt des Geldes sollten diese Empfindungen bestimmend sein. Sie sind es aber nicht, wie wir alle wissen. Das Problem ist die Gier. Geldverdienen gehört zum Leben dazu, aber das Ausmass hat sich verschoben. Es ist nie genug. Sie schaffen es locker, einen skrupellosen Geschäftsmann sympathisch wiederzugeben. Fanden Sie meine Figur im Film sympathisch? Na, dann ist es mir ja wieder einmal gelungen. Moralisch korrupte Typen sympathisch rüberzubringen, ist wohl einer der Tricks, die ich als Schauspieler wirklich gut beherrsche. Ich weiss nicht, ob ich darauf stolz sein soll oder nicht. Der Geschäftsmann Edward Lewis in «Pretty Woman» ist im Grunde auch ein moralisches Monster … Und solche sind in der echten Welt für gewöhnlich sehr charmant, ist es nicht auch Ihre Erfahrung? Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon einen getroffen habe … Ja, Monster ist ein starkes Wort. Aber ich meine Menschen, von denen man weiss, dass sie schlimme Dinge verbrochen haben. Und dann trifft man sie, und es stellt sich heraus, dass sie ein Herz für ihre Familien haben und unversehens werden sie einem sympathisch. Das geht ganz schnell. Haben Sie schon Monster getroffen? Mir sind ziemlich schlechte Menschen über den Weg gelaufen, glauben Sie mir. Ich will aber keine Namen nennen, weil ich denke, dass sich jeder bessern kann. In «Pretty Woman» gab es eine Bekehrung. Ein Happy End wärmt das Herz, die interessante Aussage des Films «Arbitrage» ist aber, dass jeder auf seine eigene Weise moralisch korrupt ist und es auch bleibt. Keine Figur dieses Films ist souverän. Jeder verrät seine Ideale. Eine starke Anklage unserer Welt. Ja, wir haben uns zu weit von der Dorfgemeinschaft entfernt, in der wir einst gelebt haben. In einem Dorf kennt man sich, man trägt einander Sorge, in einem Dorf sind dem masslosen Egoismus natürliche Grenzen gesetzt. Stimmt das, dass Sie seinerzeit die Rolle des Gordon Gekko in «Wall Street» abgelehnt haben? Da gab es tatsächlich Gespräche. Doch dann kam es nicht zustande, ich weiss nicht mehr warum, es ist schon eine Weile her. Exakt 25 Jahre. Und die Entgleisungen, die der Film karikiert, gibt es immer noch. Das stimmt. Ich dachte eigentlich, dass die Wirtschaftskrise unsere Rettung sein wird, dass man das ganze System neu denkt. Aber die Verantwortungslosigkeit hat überlebt und ist wieder daran, die Kontrolle zu übernehmen. Wie wählen Sie Ihre Rollen? Ich entscheide danach, ob mich etwas im Drehbuch berührt. Können Sie «Pretty Woman» noch sehen? Natürlich! Ich liebe den Film. Haben Sie nicht genug davon, ständig mit dieser Rolle identifiziert zu werden? Ich habe in über 50 Filmen gespielt, die einen sind populärer, die anderen weniger. So what? Julia Roberts, Diane Lane, Catherine Zeta-Jones: gibt es noch eine schöne Frau, an deren Seite Sie noch nicht gespielt haben? Ich weiss nicht. Aber ich sehe das auch als ein Glück an, mit vielen schönen Schauspielerinnen vor der Kamera stehen zu dürfen. Im aktuellen Film ist Susan Sarandon Ihre Gattin und Laetitia Casta die Geliebte. Nicht schlecht, oder? Susan ist eine alte Freundin und es ist der zweite Film, den wir zusammen machen. Laetitia aber kenne ich schon seit sie ein Teenager war. Wie kommt das? Sie hat für einen meiner engsten Freunde gemodelt. Für den berühmten Fotografen Herb Ritts? Ja, er war mein Jugendfreund. Der Gedanke an seinen frühen Tod 2002 macht mich immer noch traurig. Stimmt es, dass er dank einem Porträt-Foto von Ihnen überhaupt berühmt wurde? Da ist etwas daran. Damals, in den 70er-Jahren, hofften wir, unseren Weg zu machen – ich als Schauspieler, er als Fotograf. Eine Porträtserie hat unsere beiden Karrieren befördert. Wir blieben Freunde, und es war er, durch den ich Laetitia kennen gelernt habe. Ich glaube, dass Herb sie entdeckt hat. Haben Sie sie für die Rolle in «Arbitrage» vorgeschlagen? Ich zeigte dem Regisseur den Film über Serge Gainsbourg, in dem sie Brigitte Bardot spielt. Da hat sie dieses französische Flair, alle waren begeistert. Ihre Stiftung Gere Foundation unterstützt humanitäre Anliegen. Entspringt Ihre Wohltätigkeit Ihrembuddhistischen Glauben? Nicht nur. Meinen Sinn für gemeinschaftliche Verantwortung habe ich auch von meinem Vater geerbt. Zudem liegt die Idee der persönlichen Verantwortung, die der Dalai Lama lehrt, auch jeder wahren Demokratie zugrunde. Wann ist Ihr spirituelles Interesse in ein politisches Engagement für Tibet umgeschlagen? Es war 1986 in Bodhgaya. Ich kam nach Indien, um hier belehrt zu werden. Es war damals gar nicht so einfach, zu diesem heiligen Ort, wo Buddha Erleuchtung fand, zu gelangen. Als ich ankam, sagte man mir, dass der Dalai Lama mit mir sprechen wollte. Er sagte: Wir sind auf Freunde aus dem Ausland angewiesen. Wirst du uns helfen? Und ich sagte: Selbstverständlich. Dass Sie sich für Tibet engagieren, hat Ihnen auch schon Schwierigkeiten eingebracht. Ich darf in China nicht

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