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Natalie Portman – eine Mimin dreht auf

Natalie Portman – eine Mimin dreht auf

admin | 9. Januar 2011 – 12:09

Ich führte das Gespräch mit Natalie Portman am Filmfestival von Venedig, Lido di Venezia, im September 2010, anlässlich der Uraufführung des Films «The Black Swan». Hier die Berichterstattung: Die Stimmung im Nikki-Beach-Club am Rande des Filmfestivals Venedig schwankt zwischen aufgeregt und überdreht. Vor diesem Hintergrund wirkt die schmale Gestalt der Schauspielerin Nathalie Portman angenehm kühl. Sie trägt ein mitternachtsblaues Kleid und ein distanziert höfliches Lächeln. Nur manchmal verrät ein metallischer Ton in ihrer Stimme oder ein kleines Flackern in ihrem Blick, welche Intensität unter dem klassisch schönen Gesicht lodert.

Ihr Tanz im «Black Swan» ist atemberaubend. Doch der Film wird vermutlich wegen etwas anderem zu reden geben.

Ach ja, ich weiss, worauf Sie anspielen: auf die heissen Küsse, die ich im Film mit meiner Kollegin Mila Kunis tausche. Doch verglichen mit dem, was man heutzutage in anderen Filmen sieht, ist so eine gleichgeschlechtliche Liebesszene doch gar nichts.

Aber dass Sie in einer solchen spielen, erstaunt doch.

Ja, ich gelte wohl in der Öffentlichkeit als ein «good girl». Das hat sein Gutes: umso leichter fällt es mir, das Publikum zu verblüffen.

Wollten Sie mit dieser Rolle aus Ihrem Image ausbrechen?

Das wäre ein kindischer Grund, um eine Rolle anzunehmen. Ich spiele eine junge Frau, die sich selber sucht, daran fast verzweifelt, und am Ende auch findet. Es ist eine tief erfüllende Rolle, voller Intensität, jede Schauspielerin wünscht sich, eine solche wenigstens einmal im Leben zu spielen.

Wo haben Sie so Tanzen gelernt?

Ich habe als Kind und in meiner Jugend intensiv Ballett gemacht.

Man hörte, dass Sie ein Jahr vor Drehbeginn den Tanzdrill wieder aufgenommen haben.

Das habe ich. Und obwohl ich wunderbare Lehrerinnen hatte, war es furchtbar. Es hat mich körperlich sehr gefordert – bis an die Grenze. Doch das war auch gut, denn die Disziplin, die ich dafür brauchte, hat mich in eine Geisteshaltung versetzt, die ich brauchte, um Nina zu spielen.

Welche nämlich?

Konzentriert, asketisch, hungrig. Etwas tut immer weh. Für jede Ballett-Tänzerin ist das tägliches Brot.

Das klingt masochistisch.

Ist es auch! Das ist eben die erstaunliche Dualität der Ballett-Welt. Auf der einen Seite Schönheit und Leichtigkeit, auf der anderen Schmerz und Zweifel.

Gibt es da Parallelen zum Schauspieler-Beruf?

Nicht unbedingt. Das Ballett verlangt Virtuosität, also Technik, die nur durch stundenlanges Training erreicht werden kann. Und von einem Filmschauspieler wird heute vor allem eins verlangt: das er authentisch wirkt. Da ist Technik nur hinderlich.

Und die Rivalität unter den Ballerinas, um die es im Film auch geht?

Die gibt es auch unter Schauspielerinnen. Immer noch ist es so, dass hübsche Mädchen einige Male eine Rolle spielen und dann schnell durch neue, «frischere» Modelle ersetzt werden.

Nicht alle, zum Beispiel Meryl Streep oder Diane Keaton nicht.

Und warum nicht? Weil sie starke eigene Stimmen haben. Sie erlauben niemandem, sie zu kategorisieren. Darum hat mir die Rolle der Nina auch so gut gefallen. Sie findet einen Weg, aus fremdbestimmten Projektionen auszubrechen und sich selbst zufrieden zu stellen.

Sogar wörtlich, in einer gewagten Masturbationsszene.

Na ja, «Black Swan» ist nicht der erste Film, der Sexualität als Metapher verwendet.

Wofür stehen die lesbischen Liebesszenen?

Die von Mila Kunis gepielte Lily ist ein Spiegelbild Ninas, eine keckere, sinnlichere Variante von ihr. Damit Nina sich entwickeln kann, muss sie ihrer eigenen Sexualität näher kommen.

Darf das eine Ballerina überhaupt?

In der realen Welt? Kaum. Die eiserne Disziplin, die von den Tänzerinnen verlangt wird, ist lustfeindlich. Jede hat mir berichtet, wie strikt darauf geachtet wird, dass sie spindeldürr bleibt.

Sie sind auch sehr dünn …

Aber ich esse, ehrlich. Als Veganerin geniesse ich meine Mahlzeiten sehr. Ich vertilge zum Beispiel Unmengen von Hummus, der Kichererbsen-Paste.

Ihre Verzweiflung wirkt im Film schwindelerregend echt.

Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich verstand, wie man in eine Rolle so verwickelt wird, dass es einen runterzieht. Es gab einige Nächte, in denen ich dachte, ich würde sterben.

Wollten Sie der Welt beweisen, dass auch Sie ein schwarzer Schwan sein können?

Blödsinn. Ich brauche der Welt nichts zu beweisen.

Aber der Oscar-Academy? Sie gelten als Spitzenkandidatin.

Das Wichtigste ist, ein Kunstwerk zu schaffen, welches Menschen berührt. Preise sind dabei nur sekundär.

Publiziert am 09.01.2011

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My name is Roger Moore

My name is Roger Moore

admin | 26. Dezember 2010 – 23:07

Kurz vor Weihnachten 2010 sprachen wir mit Sir Roger Moore über einen Bentley unterm Weihnachtsbaum, den alten und den neuen James Bond, sein Leben in der Schweiz und die perfekte Art, Silvester zu verbringen. Der alte Herr verblüffte uns mit seiner luziden Einstellung zu seine Figur james bond und mit seinem unverwüstlichen Schalk.

von Ewa Hess und Christian Hubschmid

Die Suite des Hotels President Wilson in Genf ist über und über mit Blumen dekoriert. Sir Roger Moore, 83, in perfekter Gentleman-Kleidung inklusive Brusttaschentuch, empfängt uns mit einem Lächeln, das immer wieder in ein schalkhaftes Grinsen umschlägt. Der ehemalige James Bond bewegt sich zwar nicht mehr mit raubtierhafter Grazie – seine Knie machen ihm zu schaffen -, doch seine Schlagfertigkeit lässt nichts zu wünschen übrig. Lady Kristina, seine vierte Gattin, ist ebenfalls anwesend, hält sich aber freundlich im Hintergrund.

Roger Moore, was bedeutet Ihnen Weihnachten?

Ich habe das Fest gern, denn ich habe früh in meinem Leben erfahren, dass man von seinen Lieben beschenkt wird – und nicht von einem rot gekleideten, fetten Mann.

Einem fetten Mann?

Dem Weihnachtsmann oder Santa Claus oder wie Sie ihn nennen wollen. Seit ich vier Jahre alt bin, weiss ich, dass es ihn nicht gibt.

Wie kam es zu dieser Erkenntnis?

Zufällig. Als ich am Weihnachtstag im Bett meiner Eltern lag, konnte ich im Spiegel des Kleiderschranks beobachten, wie Mutter und Vater, flüsternd, meine mit Geschenken gefüllte Socke über das Kinderbett hängten.

Im Spiegel? Das klingt fast wie eine James-Bond-Szene!

Ha! Ich war eben schon als Kind ein durchtriebener kleiner Kerl.

War seither mal etwas Aussergewöhnliches in Ihrer Socke?

Ja, vor zwei Jahren ein Bentley.Aber ich habe ihn umgetauscht.

Warum?

Gegen einen Mercedes, das ist ein viel besseres Auto und nicht so protzig.

Wer hat Ihnen den Bentley geschenkt?

Meine Frau natürlich. Oder glauben Sie, dass ich Geschenke von fremden Frauen annehmen würde?

Bald machen Sie selbst ein Geschenk – indem Sie die Einnahmen Ihres Neujahrs-konzerts in Luzern der Unicef spenden.

Das stimmt. Ich darf zu schöner Musik Gedichte aufsagen. Das ist alles, was ich kann, denn weder kann ich singen noch bin ich ein begabter Musiker. Das Konzert hat alles meinem Freund, dem Meisterviolinisten Julian Rachlin, zu verdanken.

Sie werden unter anderem auch ein Shakespeare-Sonett vortragen.

Ja. Das Sonett «Shall I Compare Thee To a Summers Day?» rezitiere ich zur Musik des «Sommers» aus Vivaldis «Vier Jahreszeiten».

Erinnert Sie das an die Zeit, als Sie am Anfang Ihrer Karriere die Wahl hatten, entweder in die Royal Shakespeare Company einzutreten oder dem Ruf von Metro Goldwyn Mayer nach Hollywood zu folgen?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht oft daran. Es war damals eine leichte Entscheidung für mich, ich war mir ganz sicher. Ich würde mich auch heute sofort für Hollywood entscheiden.

Warum?

Stellen Sie sich vor, ich hätte mich damals für Shakespeare entschieden – ich würde ja heute noch in Stratford-upon-Aven (Geburtsstadt von William Shakespeare und Spielstätte der Royal Shakespeare Company) mit einem Speer in der Hand auf der Bühne stehen. Und hätte alle die fantastischen Dinge nicht erlebt, die mir meine Filmkarriere ermöglicht hat.

Woran denken Sie vor allem?

Hollywood war damals grossartig. Ich habe noch das Ende der goldenen Zeiten erwischt. Wenn man unter Vertrag war, haben die Studios wirklich für einen gesorgt. Es wurde einem alles beigebracht, was man im Film tun musste. Ich lernte fechten, reiten, tanzen . . . Das Einzige, was sie mir nicht beibringen konnten, war Singen. Und Schauspielern – das behaupten zumindest böse Zungen. (Lacht.)

Aber Ihre Anfänge bei MGM waren gar nicht so glamourös . . .

Machen Sie Witze? Sehr glamourös. Allein schon auf dem Studiogelände herumzugehen und Leute zu grüssen, war fantastisch. Hallo, Clark Gable! Wie geht es Ihnen, Elizabeth Taylor? Küss die Hand, Ava Gardner.

In Ihrem ersten Film bei MGM hatten Sie nur eine kleine Nebenrolle …

Na und? Es war «The Last Time I Saw Paris», an der Seite von Elizabeth Taylor. Eine wunderbare Erfahrung.

Warum?

Alles war «bigger than life». Die Kleider wurden extra für mich genäht, und zwar so, dass ich in ihnen immer gut aussah. Es gab einen schönen Umkleideraum, man wurde geschminkt und verwöhnt. Ich habe vier Filme für MGM gedreht, den letzten mit Lana Turner. Was will man mehr?

Beim Lesen Ihrer Biografie staunt man, an wie viele Details Sie sich erinnern. Haben Sie damals ein
Tagebuch geführt?

Leider nein. Es ist eine der wenigen Sachen, die ich in meinem Leben bedaure: dass ich nicht mehr aufgeschrieben habe. Obwohl – meine Gedanken, wenn ich sie zu Papier gebracht hätte, brächten mich vielleicht ins Gefängnis.

Warum?

Weil ich immer schon ein respektloser Beobachter war und die Ereignisse um mich herum mit hinterhältigem Humor zur Kenntnis nahm.

Zum Beispiel was?

Das werde ich Ihnen nie verraten.

Ach, bitte!

Nein. Meine Autobiografie ist geschrieben. Da haben Sie alles schwarz auf weiss. Ich hatte ein ausserordentlich glückliches Leben, Punkt und fertig – die Wahrheit schreibe ich vielleicht beim nächsten Mal.

Aber die wahre Geschichte, wie Sie zur James-Bond-Rolle kamen, können Sie uns wenigstens die erzählen?

Gerne, denn das Angebot entsprang meiner Spielleidenschaft, der ich im Curzon House Club in London frönte. Albert R. Broccoli und Harry Saltzman, die Produzenten der James-Bond-Filme, zockten oft mit, wir freundeten uns an. Harry Saltzman hatte Kinder im gleichen Alter, wir verbrachten Wochenenden an seinem Pool. Eines Tages fragten sie mich, ob ich James Bond spielen wolle. Ich sagte Ja.

Sie traten in die Fussstapfen von Sean Connery, der die Rolle am stärksten geprägt hat. Machte Sie das nervös?

Nun, er war brillant. Er hat Bond zu dem gemacht, was er bis heute ist. Aber ich war ein verwöhnter Egomane, der dachte: Natürlich kann ich das auch, wenn er das kann . . . Tatsächlich war ich keine Spur nervös. Bis zum Tag der ersten Vorführung. Da geriet ich in Panik. Aber ich sagte mir, das ist, wie wenn ich ein Baby bekommen würde. Ich muss jetzt in die Gebärklinik, und das Baby kommt heraus, egal wie. Es kommt sowieso. Ich kann das Resultat nicht mehr beeinflussen.

Sie haben Bond verändert, ihm Ironie beigebracht.

Man hat mich genommen, weil man der Figur eine neue Facette verpassen wollte. Ich glaube eben nicht an Helden. Das war mein Beitrag.

Sie sind ein Actionheld und glauben nicht an Helden?

So ist es! Ich selbst bin ein Feigling. Ich spiele nur den Helden. Ich sehe aus wie ein Held. Natürlich habe ich auch das Drehbuch gelesen, in dem steht, dass ich der Held bin und dass ich nicht getötet werden würde, damit ich nächstes Jahr wieder dabei sein kann. Das spielte ich dann genau so, mit dem Wissen, dass mir nichts passieren kann. Wenn der Böse mich bedrohte, wusste ich immer: Ich werde das überleben. Und im Prinzip wussten das die Zuschauer auch, ich konnte damit meine Spässchen treiben.

Damals gab es noch nicht so viel realistische Gewalt in den James-Bond-Filmen . . .

Ja, in den neuen Bonds könnte ich kaum mitmachen, denn ich mag Waffen im Grunde gar nicht.

Aber auch schon damals mussten Sie Ihre Widersacher bedrohen und aggressiv aussehen. Wie haben Sie
das gemacht, wenn es Ihnen nicht liegt?

Es gibt einen Trick. Man muss versuchen, nicht mit den Augen zu zwinkern, wenn man den Finger am Abzug hat. Diese Konzentration verleiht einem einen aggressiven Gesichtsausdruck. Man darf nicht blinzeln, wenn die Pistole losgeht. Andererseits wusste ich auch immer, dass man das Zwinkern wieder rausschneiden könnte.

Ihr Markenzeichen als James Bond war eine lässig hochgezogene Augenbraue. Wie kamen Sie darauf?

Als ich nach Hollywood kam, sagte man mir: Dein Gesicht ist 15 Zentimeter lang, auf der Leinwand aber 15 Meter! Wenn du deine Augenbraue um einen Zentimeter hebst, hebst du sie im Film einen halben Meter hoch. Das Rezept also war, mein Gesicht möglichst wenig zu bewegen. Ich beschränkte fortan meine schauspielerischen Fähigkeiten auf zwei Ausdrucksformen: linke Augenbraue hoch, rechte Augenbraue hoch. Das genügte.

Wie finden Sie Daniel Craig, den aktuellen James Bond?

Er ist ein wunderbarer Schauspieler. Und «Casino Royale», sein erster Bond-Film, hat mir ausgezeichnet gefallen. Nicht aber der zweite, Marc Forsters «Quantum of Solace».

Warum?

Der ganze Film wirkt wie ein gigantischer Werbespot. Es gibt keine Geografie, man weiss nie, woher jemand kommt und wohin er geht. Nein, das war kein Film, den ich geniessen konnte.

Vergleicht man ihn mit einem Ihrer Bonds, etwa mit «Moonraker», fällt einem auf, wie humorlos Bond geworden ist. Ist das nicht schade?

Ja, ich vermisse die Witze auch. Aber das muss man verstehen, die Serie muss sich weiterentwickeln. Man will einem neuen Publikumsgeschmack entsprechen, und der orientiert sich an Filmen wie «Bourne Identity». Die Bourne-Filme sind nun mal nicht lustig, sondern schnell geschnitten.

Man vermisst aber die Opulenz, die Entspanntheit der früheren Bond-Filme schon . . .

Vielleicht idealisieren Sie die Vergangenheit? Nehmen wir etwa «Moonraker». Die Handlung war doch purer Nonsens! Plötzlich fliegt Bond ein Raumschiff, einfach so, ohne Vorbereitung. Oder die unterirdische Raumstation, es war alles so übertrieben, aber damals waren nun mal Weltraumfilme populär, und darum hat man das so gemacht. Und tatsächlich, «Moonraker» wurde zum grössten kommerziellen Erfolg, bei dem ich dabei war.

Kürzlich hiess es, dass es vielleicht keine Bond-Filme mehr geben wird. War es doch nicht gut, die Figur so stark zu verändern?

Nein, der Grund ist, dass MGM kollabierte. Ihr finanzielles Rückgrat ist gebrochen.

Dann hat die Finanzkrise das geschafft, was kein Bösewicht je konnte: James Bond zu besiegen?

Nein! Ich bin sicher, es wird wieder einen Bond geben.

Was macht Sie so sicher?

Ganz einfach, weil ein Bond-Film eine bombensichere Geldmaschine ist. Darum wird sich bestimmt bald jemand seiner annehmen.

Sie retten derweil die Welt als Unicef-Botschafter. Haben Sie für Ihre neue Rolle etwas von Bond gelernt?

Nein. Die Welt gehorcht keinem Drehbuch. Wir können nur unser Bestes versuchen, um das Leben von Kindern und anderen Menschen zu retten.

Es gibt eine Gemeinsamkeit: Sie reisen viel . . .

Mein Gott, ja . . .

Sie waren soeben in Kasachstan, was haben Sie da gemacht?

Hm, das ist vielleicht das Bond-Erbe: Ich bekomme bei Unicef immer die härtesten Jobs. Man hat mich hingeschickt, um Kasachstan diskret darauf hinzuweisen, dass es seine Unicef-Tätigkeit selber finanzieren soll. Es ist eines der grössten Länder der Welt, grösser als Westeuropa, es hat Öl und Diamanten, es braucht eigentlich keine Zuwendungen aus New York mehr. Aber die erfolgreichen Kasachen sind misstrauisch. Sie unterstützen nur ihre eigenen Familien und Dörfer, sonst nichts. Ich war also dort, um zu erklären, was Unicef macht.

Was macht Unicef?

Bekämpfung von Aids, von Babysterben, Hilfe bei Problemen von Jugendlichen. Es gibt sehr viele Kinder mit Behinderungen, die Hilfe brauchen, verlassene Babys. Eigentlich einleuchtend, dass jemand in solchen Fällen Hilfe anbieten muss.

Haben Sie Fans in Kasachstan?

Es sah so aus. In Osteuropa war allerdings «The Saint» populärer als Bond, eine Fernsehserie, in der ich Simon Templar spiele.

Im deutschsprachigen Raum war Ihre Serie «The Persuaders» sehr populär, die hier «Die Zwei» hiess und eine deutsche Synchronisation hatte, die aus Reimen bestand.

Oh ja, ich weiss. Die Deutschen reiben mir das immer unter die Nase, wenn ich dort bin. Sie sagen (macht den deutschen Akzent nach): «Wi meit jur seris so funny!» (Wir machten Ihre Serie so lustig!). Aber die Serie war auf Englisch auch lustig!

Ihr Partner darin ist der vor wenigen Monaten verstorbene Tony Curtis. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Wir drehten dreizehneinhalb Monate lang zusammen, und ich fand dreizehn Monate davon sehr angenehm. Zwei Wochen lang hatten wir dann doch Probleme. Das ist normal, wenn zwei Egos aufeinandertreffen.

Blieben Sie aber Freunde?

Wir wurden es wieder, in einer traurigen Zeit seines Lebens, als sein Sohn Selbstmord beging. Wir sprachen jeden Tag am Telefon. Eines Tages rief er mich an und sagte: Ich verlor einen Sohn, aber ich gewann eine begabte Komödiantin. Damit meinte er den Erfolg seiner Tochter Jamie Lee in «True Lies», wo sie an der Seite von Arnold Schwarzenegger spielte. Er war sehr stolz auf sie.

Sie sind einer der bekanntesten Schauspieler, haben aber nie einen Oscar gewonnen. Enttäuscht?

Nein. Ich habe eben nie eine dieser Rollen gespielt, die üblicherweise mit Oscars ausgezeichnet werden.

Was meinen Sie damit, welche Rollen?

Nun, einen Behinderten zu spielen, hilft. Oder dass man nicht so aussieht, wie man sonst aussieht . . . Immerhin habe ich einmal einen Oscar in den Händen gehalten.

Wann war das?

1972. Ich sollte ihn Marlon Brando übergeben. Aber, wie wir uns alle erinnern, hat er ihn damals nicht gewollt und an seiner statt eine Indianerin geschickt, die eine Protestrede hielt. Ich nahm also die Statue nach Hause, und meine Tochter schrie: Papa hat einen Oscar gewonnen! Doch dann bekam die Academy Wind davon und schickte einen schwer bewaffneten Trupp, um den Preis abzuholen.

Sie wohnen seit Jahrzehnten in Crans-Montana. Fühlen Sie sich als Schweizer?

Nun, ich esse Raclette und trage eine Rolex. Sehen Sie? So eine haben Sie noch nie gesehen (zieht die Uhr von der Hand ab, liest vor): «Sir-Roger-Moore-Edition, Projekt-Serie». Ich habe sie geschenkt bekommen. Es gibt eine zweite aus dieser Projektserie, sie wird nächstes Jahr bei Sothebys versteigert.

Was kann die ausser Zeit messen?

Sie meinen, ob man damit schiessen kann und Damenkleider-Reissverschlüsse magnetisch öffnen? Natürlich! (Lacht.)

Sprechen Sie Schweizerdeutsch?

Nein. Kein Nicht-Schweizer spricht Schweizerdeutsch. Niemand kann das lernen. Schwiizertüütsch, Grüezi, Exgüsi …

Sie machten einst Werbung für das Schweizer Halbtax-Abo.

Ja, die «Lizenz zum Halbtaxeln», ich erinnere mich. Das habe ich gerne gemacht. Kürzlich habe ich auch ein Video aufgenommen, das Schweizer Produkte anpreist. Das wird von den Schweizer Botschaften verwendet. Ich erkläre den Ursprung der Schweizer Fahne und welche Würste es hier gibt.

Wie sieht Ihr gewöhnlicher Tag in Crans-Montana aus?

Meine Frau serviert mir das Frühstück im Bett.

Was gibt es?

Porridge. Dann gehen wir spazieren. Nordic Walking.

Wann haben Sie Ihre Frau, Lady Kristina, kennen gelernt?

Vor 32 Jahren. Wir waren Nachbarn und Tennispartner, als ich noch verheiratet war, in Südfrankreich, in Saint Paul de Vence. Später lebten wir 16 Jahre lang zusammen und sind seit 8 Jahren Eheleute.

Sie schreiben in Ihrer Autobiografie, dass Sie Ihre letzte Frau ohne ein Wort verliessen. Ist das wahr?

Ja, ich bin ein Feigling. Ich weiche einem Streit aus, laufe davon.

Hat Ihre Frau jetzt Angst, dass Sie plötzlich ohne ein Wort weg sein könnten?

Nein, denn sie weiss, dass meine Knie mich nicht mehr sehr weit tragen können.

Waren Sie Frauen gegenüber auch so kühn wie James Bond?

Nein, niemand macht es so wie er. Bond wäre nie von einer Kondom-Firma gesponsert worden, er hatte nie Zeit, einen überzuziehen . . . Ich bin froh, dass ich jetzt etwas Sinnvolleres mit meinem Leben mache als herumzuhüpfen und «Mein Name ist James Bond» zu sagen.

Machen Sie Vorsätze fürs neue Jahr?

Ja, nämlich keine Vorsätze zu machen. Und nicht so viel zu reisen.

Freuen Sie sich auf das Neujahrskonzert in Luzern?

Ja, obwohl ich am 1. Januar um 9.30 Uhr in Luzern eine Probe habe.

Dann können Sie gar nicht Silvester feiern!

Das ist mir egal. Den besten Silvester hatte ich mal in London, im Bett. Im Fernsehen lief der Film «Strictly Ballroom». Ich und meine Frau schliefen vor Mitternacht.

Publiziert in der SonntagsZeitung am 26.12.2010

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Der wahre Vater vom Sennentuntschi

Der wahre Vater vom Sennentuntschi

admin | 29. Oktober 2010 – 07:44

VON EWA HESS UND MATTHIAS LERF TEXT UND SEVERIN NOWACKI FOTOS

Hansjörg Schneider, junge Schweizer Literatur feiert unerwartete Erfolge. Erstaunt Sie das?Hansjörg Schneider kommt die Holztreppe herunter. Bauernhemd, derbe Schuhe, wacher Blick – der stattliche 72-Jährige könnte ein Wanderurlauber sein, hier im Hotel Engel in Todtnauberg im Schwarzwald. Vor vierzig Jahren hat der Schweizer Erfolgsautor mit seinem Theaterstück «Sennentuntschi» einen Skandal ausgelöst. Einen Tag vor unserem Interview fuhr er nach Basel, um sich Michael Steiners gleichnamigen Film anzusehen, der nächste Woche in die Kinos kommt.

Nein. Das ist doch grossartig.

Haben Sie die preisgekrönten Bücher gelesen?

Das von Elmiger habe ich angefangen. Das von Nadj Abonji noch nicht.

Wie hat Ihnen Elmigers Prosa gefallen?

Ich bin kein Literaturkritiker.

Fühlen Sie sich als Wegbereiter des Schweizer Literaturerfolgs?

Warum sollte ich? Elmiger und Abonji sind junge Frauen, die ihre ganz eigene Literatur entwickeln. Das habe ich auch gemacht.

Schrieben Sie Ihr «Sennentuntschi» 1969 nicht im Bewusstsein, ein Nachfolger Frischs und Dürrenmatts zu sein?

Nein. Ich wollte nichts anderes, als diese Geschichte auf die Bühne stellen. Obschon ich keinen Augenblick damit rechnete, dass sie aufgeführt werden würde.

Warum?

Weil es eine so verrückte Geschichte ist.

Wie fanden Sie Michael Steiners Film «Sennentuntschi»?

Insgesamt sackstark. Er ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen.

Was fanden Sie stark?

Die Bilder, vor allem die auf der Alp. Andrea Zogg als Senn ist Weltklasse. Die Geschichte kommt gut durch – dass da die Sennen eine Frau machen, diese ausnüt

zen und dann selber drankommen. Gefallen hat mir, dass sie nicht in der hehren Bergwelt spielt. Das ist nicht Eiger, Mönch und Jungfrau, das ist irgendein Seitental, mit Blechdächern, wo keine Sonne hinkommt. Ein paar Dinge fand ich aber schlecht.

Was genau?

Der Schluss ist verzettelt. Konfus. Dort zerfranst der Film richtig. Und die Musik war mir zu extrem. Ein paarmal habe ich die Ohren zugehalten – und manchmal auch die Augen.

Und das Sennentuntschi als Figur hat Ihnen gefallen?

Manchmal schon. Manchmal scheint die Darstellerin aber auch nicht zu wissen, was sie spielen soll. Ist sie eine Puppe? Oder ist sie real, ein Mensch?

Ja, was ist das Sennentuntschi?

Tja, was? In der Sage ist es ein Fantasiegebilde, das brutal in die Realität eingreift. Diese Kraft kommt im Film voll zur Geltung, finster wie eine griechische Tragödie.

Die Sage war nicht breit bekannt, bis Sie 1972 Ihr Stück «Sennentuntschi» schrieben. Wie sind Sie auf die Geschichte gestossen?

Ich habe mit einem Freund über Frauen geredet, und der war der Meinung, dass vor Frauen nur die Flucht helfe. Als Beweis für seine Theorie erzählte er mir diese Sage. Und ich wusste aufs Mal, drei Männer und eine Puppe, die lebendig wird, das ist Theaterstoff.

Vor Frauen hilft nur Flucht?

Aber in Ihrem Stück sind doch Männer die Bösewichte.

Ja. Auch im Film ist es nicht die Frau, die böse ist. Aber es ist jetzt vierzig Jahre her, seit ich das Stück geschrieben habe. Ich kann es nicht mehr auf der Bühne sehen, ich laufe raus.

Ah ja? Warum?

Ich mag die brutale Primitivität dieses Stückes nicht mehr, diese Lieblosigkeit.

Ihr eigenes Stück ist Ihnen selber zu brutal?

Nein, das will ich nicht sagen. Aber ich habe mich in diesen vierzig Jahren verändert.

Sind Sie empfindsamer geworden?

Das ist möglich. Auf jeden Fall anders.

Das Stück ist 1972 in Zürich uraufgeführt worden, aber den grossen Skandal gabs erst 1981 nach der Ausstrahlung der Fernsehversion mit Walo Lüönd. Was war da los?

Das Telefon hat pausenlos geläutet! Man hat mich beschimpft, ich habe auch Pakete bekommen – mit Schweinereien darin. Das war mir zu viel, ich bin ins Tessin abgehauen. An der Publikumsdiskussion habe ich nicht teilgenommen, weil ich dachte, danach kennt mich die ganze Schweiz.

Was war das Problem?

Man empfand es als unanständig. Und die Sprache störte, dass die Sennen «vögle» sagten.

Finden Sie in Steiners Film Teile Ihres Stückes wieder?

Ja, ich habe vieles wiedererkannt. Michael Steiner sagt ja, er habe mein Stück nicht gesehen. Gelesen hat er es sicher, sonst wäre ja seine Vorbereitung fahrlässig gewesen. Er sagt jetzt, er habe die Sage verfilmt, und die ist frei, juristisch gesehen. Ich muss mal mit dem Verlag sprechen.

Könnte der Verlag Ihres Stückes Rechte einklagen?

Das weiss ich nicht.

Warum haben Sie eigentlich mit dem Schreiben solcher Theaterstücke aufgehört?

Ich habe zwanzig Jahre für die Stadttheater geschrieben. Dann war ich nicht mehr gefragt. Da begann ich für Laien zu schreiben. Landschaftstheater, mit Louis Naef und Liliana Heimberg. Das war grossartig.

Ein ziemliches Kontrastprogramm.

Nicht einmal. Ich lebe zwar in der Stadt, betrachte mich aber nicht als Städter. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und komme aus der Bauernwelt. Und Laien sind, wenn sie in ihrem Dialekt spielen, oft authentischer als Profis.

Die Kränkung durch das Stadttheater sitzt aber noch tief?

Warum vermuten Sie das?

Weil man Ihren neuen Krimi «Hunkeler und die Augen des Ödipus» als eine Abrechnung mit der Theaterwelt lesen kann.

Ich war ja in Basel am Theater, Regieassistent und Statist. Ich habe Stücke geschrieben. Die ersten fünf hat der Chefdramaturg Hermann Beil alle abgelehnt. Ich habe immer noch eine Wut auf den Herrn. Aber wenn ich ihn sehe, sage ich: Salut Hermann, wie gehts?

Im Roman wird über die Schwätzer am Theater gelästert, und vorgeschlagen, man solle doch eher gute Köche staatlich subventionieren, die täten mehr fürs Allgemeinwohl. Ist das Ihre Meinung?

Nein! Das Theater ist für mich immer noch etwas vom Besten, das die Menschheit erfunden hat. Ich gehe einfach nicht mehr hin.

Wieso?

Ich bin zu alt – es interessiert mich nicht mehr so brennend. Aber ich hatte eine ganz tolle Zeit am Theater. Schon in meiner Kindheit. Wir hatten ein grossartiges Kasperlitheater in Zofingen. Das hat mich mitgerissen, und die ganze Kinderschar, ein Geschrei war das. Herrlich.

Das Wort «UnterhosenTheater» kommt im neuen Hunkeler auch vor. Spielen Sie damit auf den Theaterskandal um Marthaler in Zürich an?

Vielleicht, aber Sie müssen schon unterscheiden, zwischen mir und dem, was in den Hunkeler-Romanen gesagt wird.

Sie sagen doch selber: Hunkeler bin ich.

Ja, aber es ist ja nicht Hunkeler, der vom Unterhosen-Theater spricht. Das sind die andern.

Schreiben Sie an einem neuen Hunkeler?

Nein, ich denke noch gar nicht daran. Ich habe ein anderes Buch fertig gemacht, ein Traumtagebuch.

Einer Ihrer wichtigsten Romane heisst «Wasserzeichen».

Träumen Sie manchmal auch von Wasser?

Oft. Das ist logisch, das Wasser ist ja, laut Freud, dem grössten Traumdeuter, ein Symbol für das Unbewusste.

Hätten Sie auch gerne Kiemen wie einer Ihrer Romanhelden?

Klar. Wenn ich in Basel bin, gehe ich immer in den Rhein. Wenn man den Kopf unter Wasser hält, hört man die Kiesel. Das ist schön, und dann ist es naheliegend zu denken, wie das wäre, wenn man unten bleiben könnte.

Ihr Kiemenmensch hasst Menschen, die Wasser scheuen, er nennt sie «Dürrstelzer». Wofür stehen diese?

Dieser Moses Binswanger hat eine Sauwut auf die, die ihn nicht verstehen. Es hat insofern mit mir zu tun, als dass ich mich total unverstanden gefühlt hatte in meiner Jugend bis in die Kantonsschule. Die Lehrer – in Aarau nannten wir sie «Herr Professor» – hatten keine Ahnung, was mich interessierte und was ich dachte.

Auch Hunkeler hat eine Wut auf «die da oben». Gibt es auch für Hansjörg Schneider Feinde?

Was Hunkeler betrifft, kann ich genauer Antwort geben als bei mir. In den letzten 60 Jahren hat sich vieles verändert. Als ich jung war, hatten zum Beispiel Frauen keine Macht, einfach nichts. Und wir, die wir in die Kanti gingen, waren Auserwählte, uns hat man gesagt, wir seien die Elite. Aber wirklich geredet mit uns hat niemand von den Herren. Dann kam 1968, der Aufstand der Jugend. Damit wurden die Alten weggeschoben.

Und jetzt: Eine Frauenmehrheit im Bundesrat. Was sagen Sie dazu?

Ich bin erstaunt, dass das kaum zur Kenntnis genommen wird. Vor dreissig Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, dass eine Frau im Bundesrat sitzt. Und jetzt sind vier dort, und es fällt nicht einmal auf. Das finde ich gut.

Hat sich die Welt zum Besseren verändert?

In vielem schon, ja. Heute wird ja auf die Jungen in einem Ausmass eingegangen, das ich schon wieder übertrieben finde. Kaum macht ein Kind einen Farbstiftstrich, sagen schon alle: toll.

Haben Sie Enkel?

Einen, ja. Er ist anderthalb Jahre alt.

«Deine Städte sind tot, deine Menschen Sklaven», haben Sie einmal über die Schweiz gedichtet. Hat sich Ihr Verhältnis zum Heimatland inzwischen auch verändert?

Das war eines meiner ersten Gedichte! Ich finde es heute noch gut: «. . . deine Wörter sind Kies, geglättet vom vielen Gebrauch. Mein Land, du hast mich zum Schweizer gemacht, verflucht seist du . . .» Aber das würde ich heute nicht mehr schreiben. Ich sehe heute die Vorteile der Schweiz, nicht die Nachteile.

Welche Vorteile genau?

Etwa die direkte Demokratie. Die finde ich grossartig. Was jetzt in Stuttgart los ist mit den Protesten gegen den Bahnhof, das hätte in der Schweiz gar nie passieren können. In der Schweiz hätte es eine Volksabstimmung gegeben . . .

. . . und damit wäre das Projekt abgeschmettert worden.

Vielleicht auch nicht. Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) ist doch auch so ein verrücktes Bauprojekt, und die ist angenommen worden. Die wird gebaut, und die Leute sitzen nicht bei Erstfeld auf den Schienen. In der Schweiz akzeptiert man es, wenn man zur Minderheit gehört.

Als Aargauer leben Sie in der Grenzstadt Basel.

Ja. Es ist ganz schön, wenn man nicht nur von lauter Schweiz umgeben ist.

Viel Zeit verbringen Sie aber auch hier im Schwarzwald, in Todtnauberg, mit dem luftigen Blick …

… wenn es nicht gerade Nebel hat. Aber ich finde es hier sehr angenehm.

Wenn jemand dem jungen Hansjörg Schneider gesagt hätte, du wirst der erfolgreichste Krimischriftsteller der Schweiz, hätte er das geglaubt?

Wohl kaum. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Krimis schreiben würde, nie. Ich habe mir auch nie überlegt, was ich mit 70 machen würde. Ich dachte eher, ich würde nie 70 werden. Ich dachte, dass ich viel früher sterbe.

Warum?

Wie Charlie Parker, der starb mit 35. Wir waren damals grosse Jazzfans.

Hunkeler hat seine Freundin Hedwig. Sie mussten von Ihrer Frau Abschied nehmen. Ist das Alleinsein ein Thema für Sie?

Natürlich. Es gibt Paare, die zusammenbleiben bis ins hohe Alter. Und es gibt andere, da stirbt jemand. Das wird dann schwierig.

Schreibenderweise kehren Sie in das Haus zurück, das Sie mit Ihrer Frau bewohnt haben.

Ja. Hunkelers Haus im Elsass ist eins zu eins unser Haus. Ich lebe viel in Erinnerungen. Ich schreibe mehr als früher.

Dass es mit Hunkeler weitergeht, ist also sicher?

Ich vermute schon, dass ich zumindest noch einen schreiben werde. Aber wenn ich einen Hunkeler nach dem andern schreiben würde, wäre das eine Fabrik. Das wär auch für mich langweilig.

Der neue war wieder auf Platz 1 der Bestsellerliste, verfolgen Sie das?

Natürlich. Wir Autoren sind eitel.

Lesen Sie Krimireihen anderer Schriftsteller?

Ich lese wenig Krimis, weil ich die meisten stinklangweilig finde. Von Raymond Chandler habe ich längst alle gelesen, von Friedrich Glauser ebenfalls.

Und Zeitgenossen?

Den Wallander habe ich verfolgt, also die Bücher von Henning Mankell. Die fand ich gut, aber zu lang. Wenn er dann wieder von seinem Vater angefangen hat und von seiner Tochter, habe ich immer vorgeblättert.

Bei Hunkeler heisst es, wenn jemand behauptet, die Wahrheit zu besitzen, dann lauf davon.

Genau, sonst stösst er dir als Nächstes ein Messer in den Bauch.

Haben Sie uns die Wahrheit gesagt?

Ich pflege eigentlich schon die Wahrheit zu sagen, oder das, was ich dafür halte. Und zum andern finde ich es grauenhaft in der heutigen Zeit, dass da Leute kommen und sagen, es ist so, und wenn du das nicht glaubst, muss ich dich leider umbringen. Das war doch vor 500 Jahren so. Aber jetzt sollte es doch eigentlich nicht mehr so sein.

Rauchen Sie eigentlich noch?

Ja, ja.

Dann brauchen Sie jetzt eine Zigarette?

Ja.

@askewa

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Kulturpolitik

Die Politisierung der Lewinskys

Die Politisierung der Lewinskys

admin | 29. Oktober 2010 – 07:57

Es ist ihr erstes gemeinsames Interview, und man merkt, dass sie es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Schriftsteller Charles Lewinsky, 64, und sein Filmemacher-Sohn Micha, 37, geben im Zürcher Restaurant Volkshaus Auskunft über ihr neu erwachtes politisches Engagement und warum sie sich für die Ablehnung der Ende November zur Abstimmung stehenden Ausschaffungsinitiative einsetzen.
Micha Lewinsky, machen Sie immer, was der Papa sagt?

Micha Lewinsky: Ähm, nein.

Charles Lewinsky: Es ist auf jeden Fall lange nicht mehr vorgekommen.

Micha L.: Aber in diesem Fall…

Haben Sie eine Serie von politischen Kurzfilmen realisiert, weil Ihr Vater geschrieben hat, dass man sich engagieren soll?

Micha L.: Nein, so war es dann doch nicht. Es hat uns beiden gleichzeitig den Nuggi herausgejagt. Nachdem die Anti-MinarettInitiative angenommen worden war. Wir fanden es beschämend, dass das geschehen konnte und dass wir nichts dagegen gemacht haben. Das war die Politisierung der Lewinskys.

Soll politisches Engagement bei den Kulturschaffenden nun Schule machen?

Micha L.: Es ist nicht schwer, mit Engagement anzustecken: Mein ganzes Team und auch der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart haben gratis mitgemacht. Alle waren erleichtert, etwas beitragen zu können.

Und Sie, Charles Lewinsky, haben Sie mitgearbeitet?

Charles L.: Ich hatte einen ersten Entwurf geschrieben. Er hat sich nicht durchgesetzt.

Darf man erfahren, worum es ging?

Charles L.: Nein . Micha L.: Doch, ich will es erzählen. Es ging um jemanden, der am Arbeitsplatz abgeholt wird mit dem Befehl, er müsse jetzt eine Ausschaffung vornehmen.

Charles L.: Die Szene sollte zeigen: Auch wer nicht abstimmen geht, ist mitverantwortlich, wenn die Ausschaffungsinitiative angenommen werden sollte .

Micha L.: Und dass viele Wähler anders entscheiden würden, wenn sie die Ausschaffung selber vornehmen müssten, gerade wenn hier aufgewachsene Kinder von Tätern das Land verlassen müssten.

In den nun realisierten Filmen geht es um eine Schulklasse, in der ausländische Kinder vor die Tür gestellt werden …

Micha L.: … und eben, nur ausländische. Die Schweizer Kinder dürfen beim gleichen Vergehen drinbleiben. Alle Kinder, die mitgespielt haben, waren sich einig: Das ist ungerecht.

Charles L.: Sowohl die Initiative wie der Gegenvorschlag sind ungerecht. Zudem noch fremdenfeindlich und darum zutiefst unschweizerisch. Sie dürfen beide nicht angenommen werden.

Micha L.: Das ist die Aussage meiner Kurzfilme.

Das SVP-Plakat «Ivan S., Vergewaltiger – bald Schweizer?» funktioniert schneller!

Charles L.: Es ist eine Holzhammer-Parole – wir aber vertrauen darauf, dass Schweizer Stimmbürger auch nachdenken.

Micha L.: Ivan S. ist übrigens kein Vergewaltiger, er ist ein Fotomodel! Sein Bild kann man für 50 Franken im Internet kaufen.

Wollen Sie denn, dass Vergewaltiger bleiben können?

Micha L.: Logisch will ich keine Verbrecher in meiner Nachbarschaft. Doch diese Leute werden heute schon ausgeschafft. Nur wenn man die Worte «kriminelle Ausländer» oft genug wiederholt, denken alle, wie der pawlowsche Hund, beim Wort «Ausländer» irgendwann nur noch «kriminell».

Die Ausgliederung Fremder ist in ganz Europa zu beobachten.

Charles L.: Ja, es haben viele gemerkt, dass man mit Hetze gegen Fremde Stimmen gewinnen kann. Aber das ist eine Pendelbewegung. Die wird auch wieder zurückschwingen. Nur wollen wir uns nicht verkriechen und erst in zwanzig Jahren wieder schauen, ob sich etwas verändert hat.

Darum sind Sie in eine Partei eingetreten?

Charles L.: Ja. Aber wir folgen einander nicht, wir sind nicht einmal in der gleichen Partei gelandet.

Wieso nicht?

Charles L.: Ich vermute, wenn ich eine Generation jünger wäre, wäre ich auch bei den Grünen und nicht bei der SP. Ich bin aber nicht die Sorte Parteimitglied, das Prospekte verteilt und Plakate klebt. Ich kann dafür meine Cervelatprominenz dazu gebrauchen, um mich öffentlich zu äussern und Diskussionen anzuregen.

Rot-Grün bei den Lewinskys. Machen Sie jetzt linke Kultur?

Charles L.: Wir verteidigen eine Position, die mit der Schweizer Bundesverfassung übereinstimmt. Seit wann ist die ein linkes Dokument?

Es gibt eine alte Hollywoodregel: Wenn du eine Botschaft hast, schicke ein Telegramm.

Micha L.: Genau. Und diese Kurzfilme sind jetzt mein Telegramm. Allerdings: Kleine Botschaften haben wir immer eingestreut … Du zum Beispiel in die Sitcom «Fascht e Familie»…

Charles L.: Obwohl es gar keine bewusste Botschaft war. Wir haben damals die Figur Annekäthi erfunden, und die richtige Besetzung dafür war nun mal eine Schweizerin mit dunkler Hautfarbe. Viele Leute fanden das «mutig». Mir war das gar nicht erst aufgefallen.

Micha L.: Wie bei meinem Film «Die Standesbeamtin». Die dunkelhäutige Jennifer MulindeSchmid hat mir erzählt, dass es für sie das erste Mal war, dass sie nicht Asylantin, Putzfrau oder Opfer spielen musste, sondern eine gewöhnliche Sekretärin.

Haben Sie als Kind viel vom Beruf Ihres Vaters mitbekommen?

Micha L.: Was meinen Sie? Dass wir schon im Sandkasten dramaturgische Strukturen büffelten?

Charles L.: Und in der Krippe aristotelische Dramentheorie verhandelten … Nein, im Ernst. Ich erinnere mich, dass meine Tochter nach einer Fernsehsendung, die ihr nicht gefallen hatte, mich darum gebeten hat, ihr eine Bescheinigung zu schreiben, dass sie adoptiert sei.

Was war der beste Rat, den Sie vom Sohn bekommen haben, Charles Lewinsky?

Charles L.: Er hat einmal gesagt: Ich möchte in deinem Manuskript stärker merken, wie Sachen riechen. Das Wort «riechen» hat mich überrascht, aber: Er hatte recht.

Wenn man Lewinsky heisst und im Film und Fernsehen tätig ist, Micha, dann ist der Vater nie weit, oder?

Micha L.: Ja. Ich bin der Sohn. Das ist normal für mich. Aber es ist natürlich aufregender, in der Zeitung zu sein wegen der Inhalte und nicht wegen dem, wofür ich nichts kann.

Charles L.: Mich hat es sehr gefreut, als eine junge Frau mich mal nach einer Lesung mit grossen Augen gefragt hat: Sind Sie etwa verwandt mit dem Regisseur Micha Lewinsky?

Charles Lewinskys Roman «Melnitz» ist ein Bestseller. Würden Sie ihn nicht gerne verfilmen, Micha?

Charles L.: Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit.

Was?

Charles L.: 10 Millionen Franken. Falls Sie die gerade im Sack haben, können wir loslegen.

Micha L.: Eher 20 Millionen! Aber für die Schweiz ist dieser Film, der zu einem guten Teil im 19. Jahrhundert spielt, schlichtweg nicht finanzierbar. Schade.

Draussen vor der Tür
Publikumsliebling Hanspeter Müller-Drossaart («Sennentuntschi») spielt in den AbstimmungsKurzfilmen von Micha Lewinsky einen Lehrer, der ausländische Kinder vor die Tür setzt. Normal produziert hätten sie 100 000 Franken gekostet, dank Gratisarbeit waren nur Materialkosten von 5000 Franken fällig. Bezahlt hat die der Verein Kunst und Politik. Zu sehen sind sie ab jetzt in ausgewählten Kinos und im Internet.
(www.vor-die-tuer.ch)

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Cash

Cash

admin | 29. September 2010 – 08:10


@ SonntagsZeitung
Wie alle anderen aus meinem Bekanntenkreis habe ich Johnny Cash erst so richtig entdeckt, als er krank war. Und mit brüchig gewordener Stimme die CDs aufnahm, die «American» heissen (I bis VI) und die zu den schönsten Vermächtnissen gehören, die ein Sänger hinterlassen kann. Damals hörte ich eine Weile so viel Johnny Cash, dass mir die Ohren schlackerten. Doch eins blieb mir trotzdem rätselhaft: Diese Geschichte mit dem «Man in Black».

Johnny Cash hatte nämlich Einsicht in die dunkelsten Ecken der menschlichen Natur. Warum, weiss man nicht so genau. Armee, hiess es, Gefängnis, Alkohol, Drogen, all das habe ihm die menschlichen – und vor allem seine eigenen – Abgründe so krass vor Augen geführt, dass er nie wieder der Gleiche war. Der Sänger war sich sicher, das Vorzugsobjekt der teuflischen Verführung zu sein, und musste den Anfechtungen des Leibhaftigen immer ein Wehrschild entgegenhalten. Das war seine Musik. Oder seine Frau. Oder beides.

Denken musste ich daran in den letzten Wochen – wegen Joaquin Phoenix. Der Schauspieler hat sich, nachdem er Johnny Cash im Film «Walk the Line» gespielt hatte, direkt in die Teufelsküche begeben. Zuerst länger als ein Jahr lang den Deppen gegeben, sich bei Letterman blamiert, alle Freunde verprellt und dann seinen Kumpel Casey Affleck den schrecklichen Dokumentarfilm am Filmfestival Venedig vorführen lassen, in dem er, Joaquin, nur lallt, sich wie ein Hirntoter benimmt und zu allem Elend noch zulässt, dass ein doofer Kumpel ihm mitten aufs Gesicht den Darm entleert. Widerwärtig.

Jetzt sagen Casey und Joaquin, dass das nur ein Witz war. Falls wirklich, dann kein lustiger. Ich habe den Film gesehen. Da winkt am Schluss keine Erkenntnis. Da sieht man nur einen verwirrten Junkie in mittleren Jahren, mit Vollbart und Wampe, dem keine Einsicht zuteil wird. Nicht ins Helle und nicht ins Dunkle. Einfach nur blöd.

Und dann dämmert es mir: Das hat Johnny Cash dem Joaquin eingebrockt. Als der Letztere den Ersteren spielte, musste er etwas von dieser Dunkelheit erhascht haben, die Cash sein Leben lang verfolgte. Nur reagierte Johnny Cash darauf mit abgründigen Songzeilen wie: «I shot a man in Reno just to watch him die». Und Joaquin mit einem kindischen Spektakel ohne Stil und Ehre.

«I’m still here» von Casey Affleck hat kein Startdatum in der Schweiz. Johnny Cashs «American» gibts im Handel.

«Der Sänger war sich sicher, das Vorzugsobjekt der teuflischen Verführung zu sein»


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Anton Corbijn in Zurich

Anton Corbijn in Zurich

admin | 14. September 2010 – 20:32

Ewa Hess talks to Anton Corbijn about his film „The American“, 9/8/2010 Hotel Hyatt, Zurich

EWH: So in the meantime you became a serious filmmaker?

AC: I have done two films so far, the funny thing is: people ask me, are you a photographer or a film maker? And i tend to say: filmmaker. The thing is, if you’ve made only two photographys, you never call yourself a photographer. But the amount of time and energy to make a film is so outragous, you really dive inside something, it changes your being, it changes your world.

Clooney, Italy, beautifull women… Sounds like a sure thing.

I did not knew it would come out this way when I started thinking of my next movie after „Control“. All I knew was that I wanted to make a different movie making experience. Control was a specific thing that dealt with a part of my life.

The rock-music part of your life?

No. That’s what people thought. But it was about a love story, really. Anyhow, I started looking for different genres. Westerns, thrillers, dark comedies. And I’ve realised, that one couldn’t make any westerns any more. The period is gone. „The Unforgiven“ is probably the last western ever. And then I’ve found a script, based on the book „A very private gentleman“. I’ve realised, that it was possible to hide a western in the structure of this novel.

What made the novel ideal for that?

It was talking about a man trying to redeem himself. For everything he has ever done. Everything happens inside him, so that’s why it was cosidered difficult to make a film out of it. I took one bit out of the film and put it in the beginning of the film, which kind of made it possible to me to tell the story afterward.

You mean the shocking scene at the beginning, when Mr. Butterfly shoots his bed companionfrom behind?

Yes. It kind of needed this shock to understand his embarassment afterwards. In the book the character is an Englishman, so nobody would think of Geroge Clooney. And there are two prositutes there, because he always went to bed with two prostitutes at the same time. May be it was a personal phantasy of the writer. It is not mine, so I’ve changed it. And I didn’t want ot work with english actors, because I’ve already done „Control“ with english actors. So I’ve changed it, too. And as I started to think about a 50 years old american actor, who is able to convey a certain emotion on the screen without saying anything… There is not many actors who can do that. So the script went to George Clooney.

Did you know him before?

No. But i came out, that he liked „Control“ very much. And we met a few days later. Unfortunately, it was the day of the earthquake in L’Aquila, where the movie was sensed to be shot. So I was thinking at this moment, that this film is never going to happen. All locations were destroyed and this tragedy was so pre-eminent. I couldn’t imagine anybody would ever think of filming there again, because there was so much grief and human loss around. It felt like an irony: I’ve got George Clooney, but lost my film.

Guess you’ve talked all the same?

It was amazing. George was telling me a lot about fillms. He knows a lot about films. Almost everything!

You don’t?

No. I haven’t seen that much films in my life. I don’t think it is a disadvantage. But it’s just different. The most film who make films are film -buffs. I am not.

Why is the movie called „The American“?

I didn’t like the title of the book for my film. „A very private gentleman“, coming from a dutchman, people would think it is a porno movie, I was afraid.

Why?

You know, the Dutch and the reputation they have. So my proposition for the title was „Il Americano“

Is it correct? Don’t you say L’Americano?

Yes. On pourpose. The idea behind this is one of an american not fitting in. And of course it is a reference to the spaghetti westerns. But the studio didn’t like the title, they thought the american audiences cannot cope with it.

You are quite stressing the idea of a „hidden western“. For me, in the middle of the film there is something i would call 2the craftmanship“. First of all the character Clooney plays is loving what he does: producing weapons. And then, the movie has a lot of craftsman-appeal, the way it is done, frame by frame perfect images, functioning like a clockwork.

It is for sure a very different film than those which are done today. It takes a whole film to make one gun. Which shows : that is what this guy loves to do. It is his only love in his life. He is really into it, but at the end, it leaves his life still empty. He comes back from the brothel, there is fog, he starts again on his own. After I finished the film I realised, it was how I did the film. Carin about the story, about the actors, about the look of the actors, about the music, putting all this components carefully together… Every piece getting so much love as the other.

We have known you for so many years as this outstanding photographer. This movie seemed to me to be much nearer your first career. It is a photographers movie. The mood in the film ist similiar to the modd in your photographs. And Clooneys character pretends to be a photographer. So may be it is a portrayal of yourself.

May be. May be not.

If it was, quite a thing to make George Clooney play yourself,

Yeah, it is a given… Like in this questionaire. „Whom do you think you look like?“ George Clooney. „Who do you think should play you in a film?“ George Clooney. No, I am not that vain in the end. He is a photographer in the film, because in the novel he paints the butterflies. As an englishman, he likes to do the aquarel. But it wouldn’t do for an american. So I made him a photographer.

But he is still a Mr. Butterfly.

Yes, I have given him the tattoo on his back.

At the end it is a very european movie. Slow pacing, sparse dialogue, beautifull frames, italian landscape, even frontal female nudity points in the direction: european arthouse.

Oh yes. The American are very confused about the film. You can read it in the reviews. They are very mixed. I think it is because the trailer suggests that it is going to be an action film. Which it isn’t at all. I could have told anybody that this trailer is not going to match. But it was outside my competence, so there is this confusion. Because the film, of course, is avery european film. The story, the look of it. And even the pacing…

I would say, the pacing is even european out of seventies. Long time we havent seen a film so slow.

That’s right. I liked the seventies movies. And the surprise is: George Clooney in this kind of independent looking arthouse film. Which might encourage other people as the usual arthouse public to give it a try as well.

It had an amazing start on the labourday-weekend in the US.

Amazing is the right word! And it is doing great! Even on weekdays. After those mixed reviews I mus suppose it is word of mouth. That the people go in, like it, and than tell their friends. Remarkable.

Do you think people start to get tired of the very quickly edited action movies and long for a slow, meaningfull cinema of the seventies again?

There must be a hunger for something else. In my movie I do not force people to keep up their attention all the time in a state of alarm. In my movie there is a lot of walking. Nothing happens. They must like it. It is very encouraging. I never expected it.

You’ve done a lot of things in this movie, whiched risked to be unpopular. Like stripping George Clooney of his usual charm. He is not allowed to make his usual little jokes, no mischief, no charm. Just bare existence.

George is a very intelligent actor. I liked him playing angry in Michael Clayton. So I knew he could do that. It helped also to take him away from George clooney, so he can become really the character. Because you recognize him in those Cary-Grant like charismatic smiles.

And you give him no backgrund.

That comes again from my fascination with old western. Those old heros don’t have this either. And it is not what the movie is about. So why not leave it this way.

Another daring move was hiring Herbert Grönemeyer as soundtrack composer. We know him as a soulfull singer, but in the US he must quite a nobody.

You know, it is herberts idea that I should make movies. We have been very close friends for a very long time. We’ve worked together for 22 years and became friends, the last 10 years in fact even very close friends. I know once Herbert agrees to do something, he is going to do it 150 percent. He wants to be better than anybody else. And he has a beautifull meldic sense. For me it was a very logical choice. Not for the studio, you are right. I needed some persuasion. What happens, they google him on youtube, and they see: a german rock singer. So they go: Oh no, my God. So we did three pieces for the film and they were immediatly blown away.

One more thing: Your beautifull courtisane is called Violante Placido? What an oymoron! Is the name real?

Yes. Both of her parents are actors. Her mother, I think, was in the godfather. She is amazing.

Next project?

Yes, but not enough clear to speak about.

@askewa

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C’était un homme…

C’était un homme…

admin | 14. September 2010 – 18:54

A wonderful song by Les Rita Mitsouko
(Courtesy to JMC )

Oh c’est pour vous dire
Oh se souvenir
Et pour vous raconter
D’où je suis née
Près d’Auschwitz
Mon père grandissait
C’était un juif polonais
Aux Beaux Arts à Cracovie
Il rêve de Paris

Et puis la guerre l’a surpris
Ils l’ont pris à 19 ans
Il fit pendant ces cinq ans
Neufs camps différents

Un homme
C’était un homme
Difforme
Dans sa personne
Dont le for intérieur
Avait encore peur

Mais toujours lui est resté
Le sens de la beauté
On m’a dit quand tout s’écroulait
Comme il dessinait,
Comme il résistait

Miracle, il en est sorti
Il a réussi à tenir
Et à venir à Paris
Peindre et donner la vie

Oh c’est pour vous dire
Se souvenir
Et pour vous raconter…

@askewa

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Venice ’10 (day 6)

Venice ’10 (day 6)

admin | 6. September 2010 – 12:04

Two strange press conferences. Casey Affleck – Bens younger brother – explains, why he decided to film during his brother-in-law Joaquin Phoenix is kind of going crazy. „Sometimes“, says Affleck, „you have a dream. A woman on that hill, a stain on that pillow. And then… you just want to follow this feeling. That’s what stands at the beginning of every film and that’s how I decided to do this film“. It comes out, that crazy Joaquin is hiding some place in Venice. Not sure if he comes to the official screening of „I am still here“ and apparently Casey haven’t seen him either yet. „I am still convinced, that his being some place here means that he wants to support the film“.

There is a lot of physical resemblance between Joaquin and his actor colleague Vincent Gallo, who is starring in the new film of Skolimowski. Also Vincent is some place around. He is presenting also a film he directed later in the Venice programm. Skolimowskis producer says, he met Vincent at the Darsena yesterday and asked him to come to press conference today. „I am doing no press conferences“, said Gallo. „Not even for my own film“. Skolimwski is revealing, that Gallo was using „a kind of acting method“ while shooting the film „Essential Killing“. A he is playing a man who is surrounded by enemies, he was trying to anthagonize every person he met during the shooting of the film, so he could feel really alienated from his surroundings. „Believe me“, explains old Mr. Skolimowski in his friendly way, „I am still describing it in a very diplomatic way“.

@askewa

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Venice ’10 (day 5)

Venice ’10 (day 5)

admin | 5. September 2010 – 21:24

After hectic first three days of the festival strangely quiet weekend follows on the Lido. John Turturros directorial debut „Passione“, a documentary about napolitan music, suffers from the bad quality of soundsystem in the Sala Darsena. Turturros introductions are witty, but the overly dramatic staging of the canzones requires some habituation. Nevertheless, the primetime screening on saturday gets masses of applaus (which i mischieviously suspect is coming from friends and relatives). On Sunday tho old master Jerzy Skolimowski keeps Vincent Gallo 80 minutes in a high octan fight/flight modus („Essential killing“). As Roman Polanskis wife Emmanuelle Seigner with lots of Dior’s dark eye makup pretends to be a dumb country woman (who helps the Gallo character) spectator’s goodwill is stretched a little bit far. Miss Segner didn’t come to festival, by the way. Press conference tomorrow with old Jerzy and his producer only.

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Venice ’10 (day 1)

Venice ’10 (day 1)

admin | 1. September 2010 – 15:25

First day of the festival. I have to leave the screening of the opening flick „Black Swan“ at the very moment when Natalie Portman’s character Nina, a confused ballerina, is having the first orgasm of her life.

I run to the „Nastro Azzuro“-Club, where the interviews with the „Machete“-crew take place. Hilarious moment during the director Robert Rodriguez‘ interview: a journalist with strong polish accent is constantly posing long, uncomprehensible, but apparently critical questions. Rodriguez wants to understand: „what exactly is your question?“, he asks. Marek: „aren’t you full of pop-culture?“ R: „Full?“ Marek: „aren’t you tired of pop-culture?“ Rodriguez still doesn’t get it, looks around in search of help, which he gets from a bald guy with a flowery shirt: „He wants to know if you don’t feel like doing polish films instead of your usual comic-book stuff“. Everybody laughs. Rodriguez still looks like he doesn’t get it. This guy is definitly lost for any Kieslowski-style movie making.

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