Professor von Matt

Professor von Matt Ewa Hess | 4. Dezember 2012 – 14:13 Peter von Matts Fähigkeit, ohne Überheblichkeit klug zu schreiben, ist eine seltene Gabe. Ich treffe meinen Germanistik-Professor Jahrzehnte nach meiner mündlichen Prüfung (Thema: Friedrich Glauser) zu einem Mittagessen. Der Anlass: Peter von Matt hat den Schweizer Buchpreis für seinen Essay-Band «Das Kalb vor der Gotthardpost» bekommen. Auf die Frage, wo er mich treffen möchte, sagt er ohne zu zögern: Brasserie Federal. Hier ist er: Seine S-Bahn kommt 11.32 Uhr im Hauptbahnhof Zürich an. Peter von Matt, 75, bekanntester Germanist der Schweiz und frisch gekürter Träger des Schweizer Buchpreises, betritt vier Minuten später die Brasserie Federal. «Hier hat Arnold Kübler jeweils frühmorgens seine vier «Öppi»-Romane geschrieben», sagt von Matt und schaut sich um, als ob er nach dem Geist des 1983 verstorbenen Schweizer Intellektuellen und «Du»-Gründers Ausschau hielte. «Soll ich den Kartoffelstock vorlesen?», fragt er unseren Fotografen, als der ihn bittet, die Menükarte in die Hand zu nehmen. Mittags esse er meistens nur einen Salat, verrät von Matt, doch zur Feier des Tages bestellen wir Kalbsleberli mit Rösti, ganz so, als ob wir uns das titelgebende Tier seines preisgekrönten Buchs «Das Kalb vor der Gotthardpost» einverleiben wollten.Im Buch steht das Kalb stellvertretend für die ganze Schweiz. Wie vom Zürcher Maler Rudolf Koller im Bild «Die Gotthardpost» dargestellt, rennt es flüchtend dem Fortschritt in die Hufe. «Kalb und Huhn», überschrieb denn auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» die Meldung, dass der Schweizer Buchpreis an von Matt ging. Als Huhn wird in seinem Buch der Schweizer Föderalismus bezeichnet, der «goldene und faule Eier durcheinander legt».Über Tierbilder, sagt von Matt, könne man mit den Lesern intensiv kommunizieren, «jeder hat eine Kuh- oder Katzenerfahrung». Im Hause von Matt habe es früher, als Sohn und Tochter noch klein waren, ein Kaninchen gegeben. Das sei zwar ganz allein gewesen, was heute verboten wäre, doch es habe ihm nicht geschadet, denn es sei «steinalt» geworden.Die von Matts leben seit 35 Jahren in der Zürcher Vorortsgemeinde Dübendorf, wo «man nicht wohnt», wie von Matt die arrogante Haltung des Zürichbergs höflich in Worte fasst. Professor von Matts Augen allerdings leuchten auf über seinem Teller. «Mich fasziniert Dübendorf!» Das Ausrufezeichen wird akustisch deutlich. Die für schweizerische Verhältnisse ungewöhnliche Dynamik des Ortes sei eine «soziologische Testsituation». Von Matts Garten liege direkt an der Glatt, wo der Dübendorfer Spazierweg vorbeiführt. Gemeinsam mit seiner Frau, der Germanistin und Autorin Beatrice von Matt, kann er an einem Sonntagnachmittag die polyglotten Gesprächsfetzen der Vorbeispazierenden hören und so den Wandel erfahren.Wenn sie beide zu Hause sind, kochen von Matts abwechselnd. Gegessen werde bei ihnen, «was man in der Schweiz so isst». Einfache Gerichte, doch sie sollten auf bestmögliche Art zubereitet sein. Also ein perfekter Risotto, nicht Lachsmousse mit Olivenschaum. Die Vermutung, dass die beiden Germanisten beim Verzehr des Risotto die neusten Romane durchhecheln, amüsiert von Matt. Über seine Buchpreis-Konkurrenten hat er aber nur Gutes zu sagen. Und attestiert insbesondere Sibylle Berg «frappierende stilistische Fähigkeiten». Ihn selbst hat der strengste Kritiker der deutschsprachigen Literatur, der «Papst» Marcel Reich-Ranicki, einst den «bedeutendsten lebenden Schriftsteller der Schweiz» genannt. Von Matt will das nicht hören: «Ich hasse den Satz», sagt er, und man merkt, wie oft er damit schon konfrontiert wurde. Erstens stimme es nicht, erklärt er, und dann gebe es eine so eindeutige Skala doch gar nicht. Im Übrigen habe die Schweiz gerade jetzt eine sehr reiche Literaturwelt. Gar nicht so apolitisch, wie in den Feuilletons geklagt werde. Das Politische verschaffe sich heute nur auf eine andere Weise als früher Gehör. Nicht als ein Frontenkrieg, sondern in kleinen Dosen überall. Auch die Medien seien anders geworden, vielstimmiger. Die Art von «Aufsprengen», wie es Frisch und Dürrenmatt praktizierten, brauche es darum nicht mehr. Er sei dennoch froh, dass dank seinem Buchpreis die Tradition der Essays und Sachtexte wieder in Erinnerung gerufen werde, in der Schweiz seien sie zu Unrecht unterbeachtet. Dabei machten diese gerade eine unserer Stärken aus, wenn man etwa an Kulturhistoriker wie Jacob Burckhardt zurückdenke. «Eher taucht ein Walfisch im Leutschenbach auf, als dass einer dieser Obelisken unserer nationalen Kultur in einer ‹Tagesschau› Erwähnung fände», schreibt von Matt im Buch und meint die kritischen Editionen von Gottfried Keller, Ulrich Bräker, Charles-Ferdinand Ramuz, Conrad Ferdinand Meyer oder Robert Walser. Durch die Nichtbeachtung dieser Leistungen entgehe dem Schweizer Fernsehen ein sehr attraktiver Stoff, sagt von Matt und schüttelt ein fertiges Sendekonzept aus dem Ärmel: Sätze, die sich in Bilder verwandeln, Gottfried Kellers Manuskripte, die in der Zentralbibliothek noch so liegen, wie er sie hinterlassen hat, visuelle Ausflüge in die Geschichte der schreibenden Schweiz … Man sieht den charismatischen Professor sofort als den einzigen möglichen Moderator einer solchen Sendung vor sich, doch er winkt lachend ab: Beim Fernsehen wird man immer geschminkt, peinlich. Das Wort «Schrott» sei als Paukenschlag gedacht Mit dem Fernsehen ist er sowieso streng. Achtzig Prozent des Samstagabendprogramms aller Kanäle zusammen sei Schrott, steht im Buch. Von Matt zeigt sein komplizenhaftes Lächeln, das Wort «Schrott» sei als Paukenschlag gedacht, ein kalkulierter Stilbruch. Man müsse beim Schreiben immer mal die Tonlage wechseln. Wir sind beim Kaffee Crème angelangt. Ich will noch wissen, ob ihm das Schreiben so leicht falle, wie die Texte beim Lesen wirken. Natürlich nicht, da sei viel Arbeit dahinter. Nach der ersten Niederschrift der Gedanken fängt die Mühe erst an: Sätze kürzen, Formulierungen präzisieren, Akzente setzen. Dazwischen lese er immer wieder Texte zum Thema. Das sei überhaupt das schönste Lesen, wenn es mit der eigenen Arbeit zu tun hat, sich damit verbindet. Ob er auch eigene Texte wieder lese? Ja, wenn er etwas zitieren will. Da staune er, wie viel man auch vom Eigenen schon vergessen habe. Und manchmal denke er sogar: «Das isch no cheibe guet.» About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. 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House of Cards

House of Cards Ewa Hess | 29. November 2013 – 09:02 vergingen wie im Flug, und dann konnte ich sofort die nächsten 50 anfangen. Meine zwei Tage mit «House of Cards» und der kurze Text dazu, erschienen in der SonntagsZeitung am 17.11.2013 Zähflüssiges Gift Er gab dem Geld den Vorzug über die Macht. Ein Fehler, den in dieser Stadt fast jeder macht. Dabei ist Geld wie eine geschmacklose Villa in Florida – nach zehn Jahren reparaturbedürftig. Die Macht dagegen ist wie eine steinerne Burg, die Jahrhunderte überdauert. Jemanden, der diesen Unterschied nicht versteht, kann ich nicht achten. Ich? Nein, diese eines Machiavelli würdige Ansprache stammt nicht von mir. Beau Willimon schrieb sie für die amerikanische TV-Serie «House of Cards». Und dann legte sie der Regisseur David Fincher dem Schauspieler Kevin Spacey in den Mund. Dieser sondert jedes Wort in kalter Verbissenheit ab, wie zähflüssiges Gift. Als ein übergangener Politiker, dessen Ränkespiele im Weissen Haus andere Menschen ihre Karrieren, ihre Gesundheit und Selbstachtung kosten, ist Spacey der Liebling der Saison. Mitten in seinem kalt berechnenden Tun dreht er den Kopf, schaut dem Publikum vor dem Bildschirm tief in die Augen und erklärt die Welt. Seine Welt. Eine ohne Gnade. Das ist wie Shakespeare, aber auch wie Brecht: grosses moralisches Theater. Nur, dass es Fernsehen ist. Oder nicht mal das. Denn Netflix, der Produzent von «House of Cards», ist eine Online-Videothek. Lange Jahre war Netflix in den USA das leicht verachtete Portal, auf dem man DVDs bestellte und alte Fernsehserien schaute. Doch dann verlangte Netflix Gebühr. Man musste plötzlich Abos haben, eins für die Miete und eins fürs Online-Schauen. Die Kunden kündigten in Scharen. Da ging Netflix ein Lichtchen auf. 100 Millionen Dollar soll Netflix die Produktion von «House of Cards» gekostet haben. Ein Klacks, verglichen mit den Werbekosten im amerikanischen Riesenland. Das Prädikat «genial» verdiente sowieso nicht die Produktion an sich. Sondern die Tatsache, dass man sie gratis ins Netz stellte. Und zwar alle Folgen aufs Mal. Diesem Gift kann man schlicht nicht widerstehen. 50 Minuten vergehen wie im Flug, und dann fangen schon die nächsten 50 an, Kevin Spacey hat gerade den Gouverneur von Pennsylvania aufgestellt, noch 50 Minuten und man kann sehen, wie dieser vor die Hunde geht. Jedenfalls, Netflix konnte seine Kunden alle wieder anfixen. Und verkauft jetzt die Serie an Fernsehstationen. Denn etwas hat Kevin Spacey vergessen zu erwähnen: Hat man erst die Macht über die Menschen erlangt, kommt das Geld hinterhergerannt. «House of Cards» am Montag 23.45 auf SRF 2. Netflix ist in der Schweiz übrigens bis jetzt offiziell nicht verfügbar About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Next Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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X Freunde in Bern

X Freunde in Bern Ewa Hess | 21. November 2013 – 09:10 Ein Stück à la mode, das bitterböse Porträt der Generation Burnout, von der deutschen Autorin Felicia Zeller in atemlose Sätze gefasst. Über die Schweizer Erstaufführung in Bern schrieb ich für Nachtkritik.de. Bern, 20. November 2013. Es gibt sie auch in Bern, auch wenn sie in der gern als allzu gemächlich verspotteten Schweizer Hauptstadt eigentlich als der Inbegriff des Zürchers gelten: Die Email-Checker, Combox-Lauscher, Laptop-Streichler. Menschen wie Anne, wie Peter, wie Holger – kreative Selbstausbeuter, die sich auf der Jagd nach einem ungenügend definierten ökonomisch-narzisstischen Ideal unablässig den eigenen Rücken peitschen. Früher haben die drei als „Cappuccino-Trio“ Kaffeehäuser unsicher gemacht. Der süße Milchschaum dieser Tage ist aber längst passé. Die Erinnerung daran wird im Mund der fast Erfolgreichen zu einer fast verständlichen Floskel. Atemloser Singsang der Generation Burnout„Ich weiß manchmal gar nicht mehr, wo oder was, allein der Gedanke, wie viel ich noch zu tun habe, ich sollte eigentlich gar nicht hier sein“ – mit Sätzen wie diesen gelingt der Autorin Felicia Zeller nicht nur die Charakterisierung ihrer drei Helden im Stück „X-Freunde“. Mit diesen prädikatslos hinkenden Satzkrüppeln äfft sie den atemlosen Singsang der ganzen Generation Burnout nach. Einer Generation, der die physische und psychische Erschöpfung der Kräfte nicht nur zur Gefahr, sondern auch zur Ehre, zur Sehnsucht gar wird. Anne hat gerade ihre Stelle in einer Werbeagentur gekündigt. Deren Weltverbesserungsstrategie war ihr zu langsam, der seelenlose Abteilungsleiter stand ihr vor dem Selbstverwirklichungs-Glück. Nun gründet sie mit einem Kollegen eine eigene Firma, die wird „Wege aus der Gleichgültigkeitskrise“ mit einer Entschiedenheit verfolgen, die dem großen Thema gerecht wird. Derweil laboriert Freund Peter, ein Bildhauer mit Renommee in der Kunstwelt, an einem letzten Meisterwerk seiner Skulpturenreihe X-Freunde. Der letzte Freund soll der Schar der bisherigen erst so richtig einen Sinn verleihen. Nur blöd, dass die antizipierte Bedeutsamkeit des Werks die Inspiration wegscheucht. Weltrettungsrhetoriktriefende TiradenHolger, der Koch, wäre wohl der vernünftigste der drei. Wenn ihm nur nicht dieses fatale Malheur passiert wäre. Die von seiner Cateringfirma servierten Kaltwasserkrevetten waren verstrahlt. Nur leicht. Doch zwei Tote sind für einen Foodlieferanten keine gute Referenz. Holger versucht seither seinem arbeitslosen Leben an der Seite der hyperaktiven Anne einen Anstrich von Wichtigkeit zu geben. Ob Agenda-Einträge wie „Gartenhacke kaufen“ dabei helfen? Nicht sicher. In der Berner Inszenierung, in der Jan Stephan Schmieding für die erkrankte Regisseurin Franziska Marie Gramss eingesprungen ist, treten die drei Selbstdarsteller in greller Zirkusmanier auf einer rosaroten Stufenbühne von Barbara Pfyffer wie Conférenciers in Smokings auf. Das passt gut zu diesem aus lauter Monologen bestehendem Sprechakrobatik-Text. Milva Starks Anne schleudert mit animalischer Wucht ihre abwechslungsweise hass- und weltrettungsrhetoriktriefenden Tiraden ins Publikum. Die Furie ihres Auftritts konterkariert der intellektuell scheinbar abgeklärte, augenzwinkernd zynische Vortrag Peters. Jürg Wisbach gibt den Bildhauer weltmännisch, selbst in Momenten kreativer Verzweiflung meint man zu spüren, wie sich der auf den Zuspruch der Kuratoren und des Publikums bedachte Schöpfer selbst beobachtet. Die wärmste Note des Abends schlägt Stefano Wenk als Annes Mann Holger an. Seine starke physische Präsenz bringt die verbalen Seifenblasen des Dialogs immer wieder zum Platzen.Zeitgeist beim Schopf gepacktUnd doch fragt man sich im Verlauf des anderthalbstündigen Abends immer öfter, ob es eine kluge Entscheidung war, den vom Fachmagazin Theater heute mit dem Titel „Stück des Jahres 2013″ ausgezeichneten Text so plakativ in Szene zu setzen. Bereits die Frankfurter Uraufführung vor einem Jahr schien an einem Übermaß des Klamauks zu kranken. Auch die Schweizer Erstaufführung in den Berner Vidmarhallen schmeißt sich den verführerischen Sätzen Zellers überschwänglich an den Hals. Diese sind aber selber schon Karikatur genug, reihen Worthülsen aneinander. So geschickt, kunstvoll und listig das Felicia Zeller in ihrem Text auch anstellt, eine gewisse Ermüdung beim Abspulen dieser modernen Litaneien bleibt unvermeidbar. Eine Unterfütterung der Textbausteine mit existenzieller Wahrheit hätte gerade bei diesem Stück Zellers not getan, da ihm die Ambivalenz ihres großartigen „Kaspar Häuser Meer“ fehlt.Den Zeitgeist packt es allerdings exakt beim Schopf. Weswegen den deutschsprachigen Theaterfreunden in naher Zukunft noch einige „X-Freunde“ in die Häuser stehen. Den inoffiziellen Wettbewerb um die beste Version wird wohl jene Inszenierung gewinnen, in welcher Holgers Tod am Schluss des Stücks den Zuschauern, anders als der lieblosen Gattin Anne, nicht einfach nur ungelegen kommt. About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! 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Wollen Museen Gurlitts Werke?

Wollen Museen Gurlitts Werke? Ewa Hess | 10. November 2013 – 15:56 Da Hildebrand Gurlitt, dessen wiederentdeckte Bilder nun schon seit Tagen grosse Aufregung verursachen, ein Spezialist für deutsche Avantgarde war, sind die meisten Werke in seiner Sammlung „entartete Kunst“, also solche, die in den deutschen Museen beschlagnahmt wurde. Wollen aber die Museen diese Werke zurück? Nicht sicher. Denn Werke, die er sich leisten konnte, sind höchstens «ganz gut», also eher Füllmaterial für Museumsdepots und Kunsthistoriker-Futter. Hier mein Text aus der Sonntagszeitung Am 6. Oktober 1952 geht beim Sammler Emil Bührle in Zürich eine schriftliche Anfrage ein. Ein gewisser Hildebrand Gurlitt möchte gerne die famose Sammlung des Industriellen besichtigen. Wenig später führt Bührles Sekretär den Deutschen durch die Zimmer an der Zürcher Zollikerstrasse. Zu einer Begegnung kommt es nicht. Die Anfrage bleibt wohlverwahrt im Archiv der Bührle-Stiftung. Falls sich Hitlers Kunsthändler Gurlitt mit der Absicht trug, dem damals im grossen Stil einkaufenden Bührle eines der Werke aus seiner eigenen Sammlung anzubieten, muss ihn der Besuch in Zürich entmutigt haben. Denn eines wird ihm klar geworden sein: Keines seiner eigenen Werke kann den Grosssammler verlocken. Aussergewöhnliche Weltklasse, Bührles bevorzugtes Sammelgut, besitzt Gurlitt nicht. Ebenfalls keinen geschäftlichen Kontakt mit Gurlitt hatte der in Zürich tätige Kunsthändler Walter Feilchenfeldt. Weder Hildebrand Gurlitt noch sein wunderlicher Sohn Cornelius hatten je versucht, dem Kunsthandel Feilchenfeldt Werke anzubieten. Mit gutem Grund, denn nach einem Blick auf die ihm unterbreitete Liste der Gurlitt-Werke stellt Sohn Feilchenfeldt lakonisch fest: «Ich würde mich um diese Liste nicht bemühen.» Und doppelt entschieden nach: «Kein Grund, ein Casino aufzumachen!» Alle Zeichen weisen darauf hin, dass Milliardenerwartungen an die über sechzig Jahre in der Münchner Wohnung schlummernde Sammlung ins Reich der Märchen gehören. Die von der amerikanischen Spezialeinheit der Kunstretter (siehe Seite 38) angefertigte und hier abgebildete Liste der Gurlitt-Sammlung ist zwar nicht vollständig, doch gemeinsam mit den an der Pressekonferenz vom Dienstag in Augsburg gezeigten weiteren Bildern erlaubt sie eine Einschätzung des Sammlungscharakters: Ganz klar spielte Hildebrand Gurlitt nicht in der Topliga der Nazikunsthändler mit. Zugang zur Raubkunst, aber nicht zu Meisterwerken Hätten sich unter den in München gefundenen Bildern die berühmtesten der noch verschollen bleibenden Meisterwerke, wie etwa Franz Marcs «Der Turm der blauen Pferde», befunden, hätte sie die Augsburger Staatsanwaltschaft bestimmt an der Pressekonferenz gezeigt. Hat sie aber nicht. Die ebenfalls gezeigten «Pferde in der Landschaft» von Marc scheinen also das wertvollste Bild der Gurlitt-Sammlung zu sein, sein Verkaufswert wird auf 45 Millionen Euro geschätzt. Danach folgt das Porträt der sitzenden Frau von Matisse, welches offenbar aus dem von den Nazis geplünderten Pariser Banksafe des Kunsthändlers Paul Rosenberg stammt und ca. 10 Millionen Euro wert sein dürfte. Die Nachfahren Rosenbergs haben bereits ihre Besitzansprüche angemeldet. Nur ausnahmsweise scheint es dem bereits vor dem Krieg von den Nazis angefeindeten Museumsdirektor Gurlitt gelungen zu sein, seine im Dienste Hitlers schmutzig gewordenen Hände auf Meisterwerke zu legen. Dennoch hatte er bei seinen Reisen nach Paris Zugang zu Raubkunst. Aus Frankreich stammen möglicherweise seine alten Meister (etwa Guardi, Listennummer 1937/11, Fragonard, Listennummer 1957/5, oder Jacob Ruisdael, Listennummer 1974/3, sowie der an der Pressekonferenz gezeigte Canaletto). Diese Werke erzielen heute ebenfalls Millionenpreise. Raubkunst-verdächtig, also zu jener Kunst gehörend, die von den deutschen Stellen im Ausland beschlagnahmt worden ist, sind auch die Werke von Edgar Degas (Listennummer 1951/2 und 1951/3), die unbekannte Chagall-Gouache (2004/4) und die in Augsburg gezeigten Bilder von Matisse und Courbet. Weitere Nachforschungen verlangt die Listennummer 2004/5: Von den «Monuments Men» zunächst als «German, 20th. Century» bezeichnet, entpuppt sich das Werk später als die «Frau mit zwei Nasen» von Picasso. Davon sprechen die US-Akten. Überhaupt gehört die Kunst, welche zu Hitlers Zeit in Bedrängnis geriet, zu den bestdokumentierten Kapiteln der jüngsten Kunstgeschichte. Umso unverständlicher erscheint in diesem Licht die Tatsache, dass die mit der Sammlungssichtung betraute Kunsthistorikerin Meike Hoffmann nach anderthalb Jahren Beschäftigung zu gar keinen Resultaten in ihren Nachforschungen gekommen sein soll. Nun läuft die ganze Welt gegen Deutschland Sturm Eine erste grobe Sortierung wäre bereits in den ersten Monaten möglich gewesen. Neben der Raubkunst, die dank der vorbildlichen Datenbank Looted Art identifiziert werden kann, hätten noch die Kategorien «Fluchtkunst», «entartete Kunst» und «zwangsveräusserte Kunst» berücksichtigt werden müssen. Nur: Fluchtkunst hatte Hildebrand Gurlitt keine. Denn es handelt sich dabei um Kunst, die aus Deutschland ausgeführt und von Privaten im Ausland verkauft worden ist, oft um ihre Amerika-Überfahrt zu finanzieren. Als Käufer solcher Werke kam der Nazihandlanger Gurlitt nicht infrage. «Keiner, der mit einem Picasso über die Grenze gekommen war, ging damit zu Gurlitt», sagt ein Kenner der Verhältnisse. Ebenfalls schnell identifiziert müsste die «entartete Kunst» sein, also Werke, die in einem gross angelegten Raubzug durch deutsche Museen von den Nazis beschlagnahmt und im Ausland versilbert wurden. Bei dieser Aktion dürfte Hildebrand Gurlitt eine besondere Rolle zugekommen sein, denn der ehemalige Museumsdirektor aus Zwickau liebte die Werke der deutschen Avantgarde. Es sind wohl seine Insiderkenntnisse, die es ihm erlaubten, trotz seiner nicht ganz arischen Herkunft sich im Tross von Hitlers Käufern und Wiederverkäufern zu behaupten. Aber auch hier: Die Topwerke bekam er nicht. All die Mackes, Grosz, Dix, Noldes, Liebermanns, Rohlfs, Schmidt-Rotluffs und Pechsteins auf der Liste scheinen gute, doch nicht herausragende Werke zu sein. Was die Amerikaner als «painting» bezeichnen, ist oft eine Arbeit auf Papier. Wie jenes kolorierte druckgrafische Mädchenporträt von Ernst Ludwig Kirchner, von dem Meike Hoffmann an der Pressekonferenz schwärmte. Dass allerdings Frau Hoffmann nach all der Zeit nicht imstande war, wenigstens eine Liste der «entarteten Kunst» aus der Gurlitt-Sammlung vorzulegen, ist ein Skandal. Denn niemand anderer als sie selbst führt an der Freien Universität Berlin die entsprechende Forschungsstelle, inklusive einer Datenbank. Ihr Spruch, dass sie mittlerweile «500 Werke anrecherchiert hat», dürfte als ein unfreiwilliger Witz in die Geschichte der Restitutionsforschung eingehen. Es mag sein, dass die Augsburger Staatsanwaltschaft von der «Focus»-Veröffentlichung überrumpelt worden ist. Doch den darauf folgenden kommunikativen Unfall hat sie ganz allein sich selbst zuzuschreiben. Denn nun läuft die ganze Welt gegen Deutschland Sturm. Kanzlerin Angela Merkel muss sich um den Zwischenfall kümmern, man ruft nach einem internationalen Kunsttribunal. Das alles wäre nicht nötig

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Maestro Morricone

Maestro Morricone Ewa Hess | 4. November 2013 – 05:52 Wunderbar schlechtgelaunt: Ennio Morricone widersteht in Interviews dem Strahle-Diktat der heutigen Zeit. Im Gespräch mit dem genialen Akkord-Arbeiter (fast 600 Filmmusiken! Er schrieb in manchen Jahren an die 100 Filmscores, das ist 10 pro Monat!!!) musste ich mir – wie alle – sehr spröde Antworten gefallen lassen. Am Abend, während des Konzerts in der Arena di Verona, bei Vollmond, sah ich den alten Gentleman doch den tobenden Applaus des 20 000 köpfigen Publikums geniessen und endlose Zugaben geben! Ennio Morricone über Spaghetti-Western, seinen Bewunderer Tarantino und das Leben als Popstar Von Ewa Hess Die Welt macht es Ennio Morricone nicht leicht. Seine Fans lieben ihn für etwas, das sie Spaghetti-Western nennen. Dabei träumt der Maestro von einer «musica assoluta», einer Musik, die keine Genres und Grenzen kennt. Spaghetti stellt ihm höchstens seine Frau Maria auf den Tisch, mit der er schon über 60 Jahre verheiratet ist und die ihn auch zu diesem Interview begleitet. Mit Maria teilt Morricone eine Etagenwohnung in Rom mit dem Blick auf das Kapitol. In dieser komponiert er immer noch täglich, dort spielt er Schach und joggt durch die Korridore. «60 Meter hin und 60 Meter zurück», berichtigt er, es sei nur ein schnelles Laufen. Die Wohnung verlässt der Komponist nur selten. Nur wenn er gerade einen Oscar bekommt oder, wie an diesem Nachmittag in Verona, ein Konzert vor 20 000 Menschen in der historischen Arena auf ihn als Dirigenten wartet. Wenn man seine Hand schüttelt und «grande onore» stammelt, blickt er misstrauisch durch die dicken Gläser. Denn er weiss, was jetzt kommt: Fragen zu den Spaghetti-Western. Ennio Morricone, wie war das, als Sie mit Sergio Leone den Italowestern erfanden? War das ein Witz, oder dachten Sie schon damals, dass Sie etwas Bedeutendes schaffen? Weder noch! Es war gewöhnliche Arbeit. Leone gefiel meine Musik zu den zwei Western, die ich für andere Regisseure gemacht hatte, darum rief er mich an. Er hatte eine Vorstellung, was er brauchte, und ich konnte liefern. Das klingt sehr nüchtern. Sie waren doch alte Schulfreunde? Na ja, Freunde. Wir waren nur ein Jahr lang Klassenkameraden, in der dritten Klasse der Grundschule, wenn Sie es ganz genau wissen wollen. Warum nennen Sie sich im Nachspann von «Für eine Handvoll Dollar» eigentlich Dan Savio und Bob Robertson? Schämten Sie sich? Nein, wo denken Sie hin! Der erste Film, den wir zusammen gemacht haben, sollte als amerikanischer Film gelten. Darum haben uns die Produzenten gebeten, unter amerikanischen Namen aufzutreten. Das hat mir keine Mühe gemacht. Ich nannte mich schon früher mal Dan Savio, später auch Leo Nichols. Leone hat als Sohn des Regisseurs Roberto Roberti den Namen seines Vaters amerikanisiert. Waren Sie sich bewusst, einen neuen Stil zu kreieren? Es war eine Musik, die Spuren des amerikanischen Folk enthielt, oder eher der irischen Volksmusik, die mit ihm verwandt ist. Durch meine Hand ist etwas daraus geworden, das vorwiegend mit Italien zu tun hat. Sie haben also den Amis den Western und die Folkmusik weggenommen? Es ging nicht darum, etwas zu annektieren, sondern darum, es zu bereichern. Ganz einfache Harmonien und leichte Gitarrenakkorde wollten wir mit etwas Interessanterem verbinden. Und das war die atonale Musik, die Sie am Konservatorium in Rom studiert haben? Filme mit Sergio Leone gehören eigentlich nicht zu meinen avantgardistischen Arbeiten. Im «Spiel mir das Lied vom Tod» sind Geräusche genau so wichtig wie die Melodie: das Tropfen des Wassers, der Schrei des Koyoten, das Summen der Fliege. Sind das nicht Elemente der Avantgarde? Natürlich. Es gibt eben den technischen Aspekt des Komponierens, eine Raffinesse, die man in die Arbeit hineinbringt, die nicht direkt auf die grossen Komponisten Arnold Schönberg oder Anton Webern zurückgeht, aber dennoch ihr Erbe ehrt. Bei den meisten Filmmusiken schwillt die Musik an, bevor etwas passiert. Bei Ihnen aber erscheinen die Helden oft ganz still, und erst dann setzt die Musik ein. Absicht? Ist das so? Vielleicht. Für mich gibt es keine sichere Methode, Wirkung zu erzielen. Es muss zum Film passen. Als ich zum Beispiel die Musik zum letzten Film von Giuseppe Tornatore, «The Best Offer», schrieb … … für den Sie bald den Europäischen Filmpreis bekommen. Glückwunsch! Danke. Also bei diesem Film war es so, dass bestimmte Handlungssequenzen durch die Musik definiert sind. Deshalb konnte ich einer Szene nie zuvorkommen, ohne zu verraten, was als Nächstes passiert. Was halten Sie selbst für Ihren grössten Beitrag zur Filmgeschichte? Filmgeschichte? Fragen Sie eher nach der Geschichte überhaupt. Die Filmmusik spiegelt unsere Zeit, im Guten wie im Schlechten. Deswegen ist es wichtig, dass die Musik in einem Film von künstlerischer und kreativer Würde geprägt ist. Und zum Film passt? Ja, schon, aber ein guter Film erträgt auch mittelmässige Musik. Wirklich? Klar, der Film ist das Hauptwerk, die Musik nur die Grundlage. Sie leistet einen kleinen Beitrag, der aber, wenn er wirklich gut ist, sehr wichtig sein kein. So demütig? Sie haben doch mal gesagt, dass Sie einen Regisseur, der Ihnen etwas aufzwingen wolle, «entlassen»? Es kann vorkommen, dass man sich nicht versteht. Dann beendet man besser die Zusammenarbeit. Ist mir auch schon passiert, auch mit sehr guten Regisseuren. Mit wem etwa? Roland Joffé etwa mochte meinen Beitrag zu «The Scarlett Letter» nicht, er fand, mein Thema sei nicht «keltisch» genug. Das hat mich sehr erstaunt. Joffé hat dann die Musik John Barry anvertraut, diese Musik hatte überhaupt keine keltischen Elemente. Hatten Sie oft Streit mit Regisseuren? Nein. Liliana Cavani war lange sehr böse auf mich, weil ich für Gillo Pontecorvo meine Musik für ihren Film «I cannibali», leicht abgewandelt, wieder schrieb. Ich sagte damals Pontecorvo, dass das nicht gehe, doch er bestand darauf. Und wie ist es mit Ihrem Bewunderer Tarantino? Sie haben nach «Django Unchained» gesagt, dass Sie nie wieder mit ihm arbeiten wollten. Tarantino macht ausserordentlich schöne Filme, keine Frage. Doch er verwendet mein Werk, wie es ihm passt, er nimmt die Musik und setzt sie irgendwo im Film ein. Ich werde ihm nicht verbieten, meine alten Sachen weiterhin zu verwenden. Einen neuen Soundtrack wollen Sie

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Uli Sigg über M+

Uli Sigg über M+ Ewa Hess | 7. Oktober 2013 – 11:32 In China habe er sich drei Karrieren erarbeitet, erzählte mir Uli Sigg, 67. Im Zug von Ermattingen nach Zürich sprachen wir über eines der grössten Museumsprojekte des Jahrhunderts. Wir kamen vom «Pan-Asia» Art Forum der UBS in Wolfsberg zurück, wo Sigg neben Monique Burger und Sebastian Noe über die Entwicklung der Kunstszene in Hong Kong berichtete. Seine drei Karrieren, das sind jene des Geschäftsmanns, des Diplomaten und des Kunstsammlers. Als er 1979, erst 33-jährig, im Auftrag von Schindler nach China kam, gründete er das erste Joint Venture eines westlichen Industriekonzerns mit einem chinesischen Staatsbetrieb – ein Geschäftsmodell, das heute breit angewandt wird. Danach war er 1995 bis 1998 Schweizer Botschafter in China. Seit den Siebzigerjahren sammelt Sigg zeitgenössische Chinesische Kunst. Er besuchte früh die Ateliers der noch im Verborgenen arbeitenden Künstler (die damals kein Mensch kannte), unterstützte ihr Tun und kaufte ihre Werke. So kam seine einzigartige Sammlung zustande, die Sigg in verschiedenen Ausstellungen, u. a. «Mahjong» im Kunstmuseum Bern (2005), der Öffentlichkeit zeigte. Den grössten Teil dieser Sammlung hat Uli Sigg nun M+, dem geplanten Museum of Visual Culture in Hongkong, geschenkt. Uli Sigg, Ihre legendäre Sammlung wird bald nach Hongkong verlegt. Haben Sie schlaflose Nächte? Nein, warum auch? Schliesslich sind es Herzog & de Meuron, die als Architekten des neuen Museum bestimmt wurden. Damit ist das Projekt in guten Händen. Die Grundsteinlegung ist im März 2014. Ist China nicht ein riskanter Standort für zeitgenössische Kunst?Der Standort ist zwar China, aber Hongkong – für mich die beste Wahl. Die Hongkonger Regierung hat den Ehrgeiz, ein Museum von Weltformat auf die Beine zu stellen, weil es so etwas dort noch nicht gibt. Und in Hongkong herrscht «freedom of speech». Ist Hongkong wirklich freier? Für weitere 35 Jahre gilt Deng Xiaopings Slogan: «Eine Nation, zwei Systeme.» Hongkong bewahrt damit sein Rechtssystem, das im Blick auf die Meinungsäusserungsfreiheit noch britisch geprägt ist. War die Gefahr der Zensur ein Grund, weshalb Sie die Sammlung nicht dem Hauptland geschenkt haben? Bestimmt einer davon. Vor allem, dass man mir nicht genau sagen konnte, was unter die Zensurmassnahmen fallen und deswegen nicht gezeigt werden könnte. Diese Rahmenbedingungen zu kennen, war eine wichtige Voraussetzung für mich. China war nicht zu Kompromissen bereit?Jenen Funktionären, die sich Kenntnis verschafften, war es klar, was diese Sammlung repräsentiert und dass sie für China einzigartig ist. Doch die Entscheidung für dieses Projekt war mit zu vielen Risiken behaftet. Welcher Art? Sich dafür einzusetzen, hätte einzelne Karrieren gefährdet. Mir ist aufgefallen, dass Sie Ihre Sammlung in Interviews oft «das Dokument» nennen. Warum? Es war von Anfang an mein Ziel, eine Sammlung zusammenzutragen, welche die chinesische Kunst von den 1970er-Jahren bis jetzt kontinuierlich dokumentiert. In diesem Sinn ist die Sammlung ein gewichtiges Zeitdokument. Es klingt so sachlich, als ob Sie damit auch die eigene emotionale Bindung verhindern wollten. Normalerweise kann ich mich selbst nicht mit einem semantischen Trick überlisten. Aber wer weiss? Ist die Trennung schwierig? Natürlich. Auch wenn es mir und meiner Frau immer klar war, dass wir die Sammlung mal ihrem Ursprungsland zurückschenken, gibt es darin Werke, die einem sehr ans Herz gewachsen sind. Meine Frau empfindet das stärker als ich. Die Trennung ist zum Glück nicht abrupt. Die Sammlung ist bis 2017 noch bei uns. «Das Dokument» umfasst 2100 Objekte, davon gehen 1500 nach Hongkong, Sie behalten 600. Nach welchen Kriterien haben Sie ausgewählt? Ich wollte, dass die Sammlung, die ins Museum kommt, eine kohärente Geschichte erzählt, die chinesische Kunstproduktion der letzten 40 Jahre spiegelt. Es geht zwar um Kunst, aber auch um ein Abbild des dramatischen Wandels der Gesellschaft in dieser Zeitspanne. Zurückgeblieben sind Werke, die den schon Gewählten ähneln oder qualitativ nicht mithalten. Aber einige Lieblingsstücke behalten Sie doch? Gerade von diesen habe ich den grössten Teil weggegeben. Weil sie ganz besonders zur Geschichte gehören. Zum Beispiel?Das Werk von Ai Weiwei, das 132 4000-jährige neolithische Vasen umfasst. Von dieser Arbeit Abschied zu nehmen, fällt mir tatsächlich schwer. Andererseits ist sie so wichtig, dass sie in diese exemplarische Sammlung hineingehört. Man spricht von einer Schenkung, doch Hongkong kauft Ihnen auch Teile der Sammlung für 22 Millionen Franken ab. Wie funktioniert das? Ich bin bereit gewesen, die Sammlung dem Hauptland vollständig zu schenken. Als Hongkong als Standort ins Spiel kam, bot man mir die Bezahlung von 10 Prozent des Wertes an, was ich akzeptiert habe. Das wird mir ermöglichen, weiterzusammeln und meinen Kunst- und Kunstkritiker-Preis für China weiterzubetreiben. Demnach ist der Wert Ihres Geschenks rund 200 Millionen Franken? Man spricht bereits vom grössten Geschenk, das je einem Museum gemacht worden ist. Es war meine Absicht, China etwas zurückzugeben, auch aus Dankbarkeit für die Erfahrungen, die ich dort über 33 Jahre machen durfte. Es war eine unglaubliche Reise, deren intensivsten Teil die Begegnungen mit den chinesischen Künstlern ausmachten. Diesen will ich nun Präsenz an einem Ort sichern, wo ein Dialog mit dem eigenen Volk möglich ist. Und das soll Hongkong sein? Gerade dort! Schon heute reisen gegen 50 Millionen Chinesen jährlich nach Hongkong, viele als Touristen. Bestimmt werden viele ein so aussergewöhnliches Museum besuchen, um dort der Kunst ihres Lands zu begegnen. Ist das chinesiche Volk überhaupt bereit, sich auf diese Kunst einzulassen? Vielleicht nicht sofort, aber mit der Zeit bestimmt. Die meiste Kunst, die in China gekauft wird, sind aber immer noch die traditionellen Tuschmaler. Sie meinen die sogenannten Modern Masters, Tuschmaler des 20. Jahrhunderts. Die sind darum so allgegenwärtig, weil sie dem traditionellen Kunstideal entsprechen und enorm produktiv waren – oft mit Tausenden von Bildern. Gab es Reaktionen in China, als es klar wurde, dass die Sammlung nach Hongkong geht? Das offizielle China hat sich dazu nicht geäussert. Es gab Stimmen im Internet. Viele positive, die es grossartig fanden, dass die Sammlung sicher aufgehoben sei. Und auch negative, die bezweifelten, dass sich ein Sammler von etwas wirklich Wertvollem trennen würde. Aber da in China die Sammlung noch nie gezeigt wurde, entspricht diese Einschätzung keiner eigenen Anschauung. Sie haben sich für Ai Weiwei eingesetzt in Wort und Schrift.

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Identitätsklau nach Kleist

Identitätsklau nach Kleist Ewa Hess | 29. September 2013 – 12:06 Amphitryon und sein Doppelgänger – Mit Hilfe von Kleist erzählt Karin Henkel am Zürcher Schauspielhaus vom Identitätskollaps im Zeitalter von Facebook und Co. Eine furiose Aufführung, die mich berührt hat, weil sie den Wahnsinn des Stücks ganz sec zeigt, ohne Pathos, ohne brutal oder auch nur lärmoyant zu werden. Zürich, 28. September 2013. Diese verfluchten Identitäten schießen wie Pilze aus dem Boden. Oder der Wind bläst sie durch die Türe ins Haus. Sie bilden Grüppchen. Manchmal auch Schlägertrüppchen! Dann gucken sie wieder ganz possierlich, so mir nichts, dir nichts, über die Möbelkanten hinweg.Da kann sich Sosias noch so oft vorsagen, dass er ein Mensch sei, einer, der von daher kommt und dorthin geht. Im Spiegelkabinett der wild wuchernden Identitäten kommt ihm der Sinn für alles Zielgerichtete abhanden. Und nicht nur ihm, dem treuen Diener. Auch seinem Herrn Amphitryon, gerade noch mit Siegerschritt nach Hause eilend, wird es blümerant. Das Ziel aller Ziele, die Liebeszuflucht am Herzen der Gattin, ist schon besetzt – von einem wie er.Bodenlose Ratlosigkeit ist der Stoff, aus dem Heinrich von Kleists Molière-Bearbeitung aus dem Jahr 1807 eh schon gestrickt ist. Der melancholische Berliner macht aus der frivolen Verwechslungskomödie ein Drama der Identitätsverwirrung, als das sein „Amphitryon“ in die Theatergeschichte eingeht. Die Sachlage selbst überliefert die griechische Mythologie so: Jupiter, der Schürzenjäger, hat sein Auge auf Alkmene geworfen. Um die treue Ehefrau zu verführen, schlüpft er in die Gestalt des thebanischen Generals Amphitryon. In der Nacht bevor der Kriegsheld nach Hause kommt, liegt der Gott in den Armen der nichts ahnenden Schönen und betrügt den Heimkehrer um die süßesten Stunden. Verdoppelt, verdreifach, vervielfacht Was noch die gegenwärtige Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey in ihrer Basler Inszenierung von 2003 als eine Männerkumpelei und Götterboshaftigkeit darstellte, modernisiert Karin Henkel jetzt zu einem wahren Identitätskollaps. Vor der aufdringlichen Verdoppelung, Verdreifachung und Vervielfältigung ist in dieser furiosen Inszenierung niemand und nichts gefeit. Selbst der Text – er folgt Kleists Originalfassung sehr frei, doch erkennbar – scheint sich da und dort in einer Endlosschleife zu verfangen. Es ist immer ein kleiner Glücksfall, wenn der Dialog der Wiederholung entkommt und die Handlung weitergeht.Auf einer wirkungsvoll simplen Bühne von Henrike Engel (die allerdings – wie könnte es anders sein? – sich zweistöckig verdoppeln kann) und mit Hilfe von insgesamt vier Kostüm-Uniformen (Klaus Bruns) entfesseln fünf Darsteller ein unübersichtliches Figurengemenge. Jeder kann da schnell in die Rolle des anderen schlüpfen, mal Sosias, mal seine Frau Charis sein, ungeachtet der Brüste oder Bärte. Stupend, wie es Henkel und ihrem kleinen Ensemble gelingt, Kleist als einen Visionär zu zeigen, der die Tragikomödie des Identitätsklaus erahnte – lange vor dem Aufkommen der gottgleichen Technologie, der strukturellen Voraussetzung dazu. Schlamassel der sozialen Netzwerke Ganz ohne Mätzchen und plumpe Metaphern bringt Henkel das ganze slapstickhafte Schlamassel der sozialen und anderen Netzwerke, in welchen wir heute zappeln, als Assoziationsraum mit auf die Bühne. Jede ihrer Figuren unternimmt, unseren Profilen und Avatars ähnlich, ebenso rührende wie vergebliche Anstrengungen, sich als ein „Ich“ zu etablieren. Gegen Schluss greift jene Schauspielerin, die oft Charis ist, zu einer radikalen Maßnahme, indem sie ihren wahren Namen nennt. Ihren wahren Namen? Oops, nein. Denn sie heißt Marie Rosa Tietjen – gibt aber unumwunden zu, Carolin Conrad zu sein, also ihre oft Sosias spielende Kollegin.Sie spielen alle brillant. Und es ist eine enorme Leistung, denn mit all den Text- und Figurenverwerfungen ist es ein Mosaik aus Körpern und Worten, in welches sich die Einzelnen einfügen müssen – mal in dieser, mal in einer anderen Formation, synchron und dann wieder solo. Das wirkt dennoch keine Sekunde angestrengt, im Gegenteil, immer kindlich verspielt. Die wunderbaren Bühneneinfälle, Karin Henkels Markenzeichen – falls man bei dieser so wandelbaren Regisseurin überhaupt von einem sprechen kann – funktionieren ohne Fehl. Hüte fliegen, Mäntel flattern, und auch mit einem alten Fauteuil lässt sich allerhand anstellen.Dass die einzelnen Schauspieler bei diesem Konzept dennoch so etwas wie einen glaubhaften Charakterkern entwickeln, grenzt schon fast an ein Wunder. Aber der hinreißende Michael Neuenschwander ist am Ende der bodenständige Kriegsheld, man erkennt in ihm Amphitryon, da kann er in andere Kleider schlüpfen und Etiketten tauschen, so viel er will. Fritz Fennes Jupiter sitzt ihm ebenso in den immer tanzbereiten langen Beinen wie in der eitlen Argumentation, die ihm immer wieder auf die Zunge kriecht. Tietjen und Conrad sind unermüdlich, die beiden Frauen sprechen, springen und wechseln Kostüme mit einem Tempo, das einem den Atem verschlägt – der Inszenierung so inbrünstig dienstbar, wie es Sosias und Charis dem Königspaar sind. Und mit Lena Schwarzs beherzt verzweifelnder Alkmene bekommt der Zürcher „Amphitryon“ auch jene tragische Tiefe, ohne die das kurze intensive Stück kein echter „Amphitryon“ wäre. Ach! Amphitryon und sein Doppelgängernach Heinrich von KleistRegie: Karin Henkel, Bühne: Henrike Engel, Kostüme: Klaus Bruns, Musik: Tomek Kolczynski, Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger.Mit: Carolin Conrad, Fritz Fenne, Michael Neuenschwander, Lena Schwarz, Marie Rosa Tietjen.Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause www.schauspielhaus.ch Veröffentlicht am morgen des 29.9.2013 auf nachtkritik.de About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol

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Basler Atomreaktor

Basler Atomreaktor Ewa Hess | 1. September 2013 – 16:32 Die Basler Ausstellung Mondrian-Newman-Flavin elektrisiert mich im Voraus. Ich erwarte, dass es die spannendste Ausstellung der Saison wird. Eine ruhige dennoch unüberhörbare Intervention, die mitten in der Geschwätzigkeit der Gegenwartskunst wie eine Detonation hochgeht. (Irgendwie werde ich im Zusammenhang mit dieser doch durch und durch friedlichen Ausstellung die Kriegsterminologie nicht los. Schon im SonntagsZeitungs-Artikel sprach ich vom Atomreaktor.) Mondrian und Newman… Die haben vielleicht schon etwas von Kreuzrittern? Hier der SoZ-Text: KUNST AUF DIÄT Das Kunstmuseum Basel zeigt drei Visionäre, die mit ihrer Askese nicht nur die Kunst, sondern auch die Welt erneuerten Von Ewa Hess Das Kunstmuseum Basel begibt sich unerschrocken in karge Gefilde. Mit der Ausstellung «Mondrian, Newman, Flavin» zeigt es ab nächsten Sonntag drei der sprödesten Künstlerpersönlichkeiten der letzten zwei Jahrhunderte, vielleicht auch der Kunstgeschichte überhaupt. Piet Mondrian, Barnett Newman und Dan Flavin haben – jeder auf seine Weise – die Kunst auf Abmagerungsdiät gesetzt. Doch so karg ihre Formensprache auch sein mag, die Intensität ihrer Werke ist umso grösser. Die mit Spannung erwartete Ausstellung ist so etwas wie ein künstlerischer Atomreaktor. Unter der stillen Oberfläche der Werke vibriert gefährliche Energie. In nur drei aufeinanderfolgenden Generationen haben Piet Mondrian, Barnett Newman und Dan Flavin die Kunst beinahe abgeschafft. Und ihr damit eine neue Freiheit geschenkt. Dass der Kunstmuseum-Direktor und Kurator der Schau, Bernhard Mendes Bürgi, gerade diese drei auswählt, um eine zentrale Geschichte der Moderne zu erzählen, ist raffiniert. Er hätte ja auch Kandinsky, Picasso und Warhol zeigen können. Auch von diesen Künstlern besitzt das Basler Haus gute Werke, die, um Leihgaben ergänzt, eine tolle Schau ergäben. Dank den besessenen Asketen Mondrian, Newman und Flavin weitet sich allerdings das Thema. Mit ihnen steht nicht nur die Kunstgeschichte im Zentrum, sondern die Sinngebung der ganzen Gesellschaft. MONDRIANS VIERECKE Nach dem grossen Blutvergiessen des Ersten Weltkriegs wollte Piet Mondrian der Menschheit zu einem neuen Anfang verhelfen. Ihm schwebte eine Kunst vor, die nicht die Differenzen zwischen den Menschen betonen würde, sondern das Verbindende: ein universelles Regelwerk. Darum reduzierte er seine Mittel auf Farbe, Form, Linie und Raum. Er beschränkte sich dabei auf die Primärfarben Rot, Blau und Gelb und wechselte lediglich zwischen zwei geometrischen Formen: Quadrat und Rechteck. Auch verwendete er ausschliesslich senkrechte und waagrechte Linien. Wahre Freiheit war für Mondrian nicht Gleichheit, sondern das Gleichgewicht. Seine asymmetrischen Kompositionen ins Gleichgewicht zu bringen, das betrachtete er als seine grösste Herausforderung. Er suchte die reinste Form der abstrakten Kunst. Die Kraft seiner ästhetischen Vision beeinflusste vor allem die Architektur- und Designwelt. Yves Saint Laurent, der ihn verehrte und vier seiner Bilder besass, sagte einmal: «Weiter kann man in der Malerei nicht gehen.» NEWMANS REISSVERSCHLÜSSE Das sah der Amerikaner Barnett Newman ganz anders. Auch er suchte ein universelles Konzept, welches über die Kunst hinausweist, doch ihm war das geometrische Korsett Mondrians zu eng. Per Zufall fand er an seinem 43. Geburtstag, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Lösung. Anstatt das auf die bereits bemalte Leinwand aufgeklebte Klebeband zu entfernen, schmierte er Farbe drauf. So entstand der erste «zip» (engl. für Reissverschluss). Fortan malte Newman immer so. Er trennte die homogenen Farbflächen mit vertikalen Linien, die für ihn ein Symbol für den höheren Sinn waren. Diese Linien machten nicht nur die Bilder komplett. Sie waren auch so etwas wie Öffnungen oder Startbahnen, dank welchen der Betrachter an einer erhabenen Erfahrung teilhaben konnte. FLAVINS LEUCHTSTOFFRÖHREN Das Licht war schon immer ein Element der Malerei. Wenig verwunderlich also, dass der Minimalist Dan Flavin auf seiner Suche nach einer weiteren Befreiung der Kunst auf fluoreszierende Leuchtröhren stiess. Er legte sich die Regel auf, nur handelsübliche Formen und Farben zu verwenden. Wie alle Künstler der Minimal Art bestand Flavin darauf, dass sein Werk keine versteckten Bedeutungen enthielt. Dennoch betrachtete er seine Skulpturen als Ikonen, die «begrenzte Erleuchtung» spenden. Seine Werke verschmelzen manchmal so diskret mit der Umgebung, dass sie gar nicht wie Kunst wirken. Andere wiederum ziehen Besucher, wie Insekten, magisch an. Populär war Flavins Leuchtröhren-Kunst immer. In der letzten Zeit erfährt sein Werk eine weitere Aufwertung. Diese zeigt auch sein Einschluss in das in Basel gefeierte Heldentrio der asketischen Moderne. Kunstmuseum Basel, «Mondrian – Newman – Flavin», 8.9. bis 19.1.2014www.kunstmuseumbasel.ch Publiziert am 01.09.2013 About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! 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Martin Eder in Zürich

Martin Eder in Zürich Ewa Hess | 29. August 2013 – 17:08 Jetzt geht die Kunst in Zürich wieder los und bei meiner kleinen Preview habe ich wunderbare Sachen gesehen: Eva Rothschilds magischen Raum bei Presenhuber im Löwenbräu, und auch dort das „Ding“ von Martin Eder bei Hauser&Wirth. War ganz begeistert, vom Künstler, der mir sehr freundlich Auskunft gab und vom Ding selbst, das wirklich Eindruck macht. Die Gemälde von nackten Damen, die dazugehören, bestehen übrigens auch aus Schichten und Lagen, etwas Kristallines scheint sich über die Oberfläche auszugiessen, so dass der grosse Schwarze in der Mitte (der übrigens aus Styropor ist und innen hohl, wie mir Eder verriet) und die gemalten Bilder an der Wand eine Verwandtschaft aufweisen. Die Skulptur, sagte mir Eder, wurde in der Galerie an Ort und Stelle geklebt (musste ja sein, sonst ginge sie ja gar nicht rein). Zu acht haben sie da gearbeitet, sagte Eder. Er aber nicht wie ein Dirigent überwachend, sondern auch klebend – „leider!“ About Ewa HessSwiss journalist, Editor Arts @Sonntagszeitung, ZürichView all posts by Ewa Hess » @askewa @PSPresseschau Wunderbares textlein 🍀 thx 4 sharing 08:10:37 PM Mai 30, 2023 von &s in Antwort auf PSPresseschau@GESDA Hackathon 4 the future – Open Quantum Institute in the making. Impressive! https://t.co/hWBdlsEFkd 09:35:19 AM Mai 07, 2023 von &s in Antwort auf GesdaIt’s my #Twitterversary! I have been on Twitter for 13 years, since 26 Nov 2009 (via @twi_age). 01:00:51 AM Dezember 13, 2022 von &s @askewa folgen Neueste Beiträge Baselitz‘ WeltI likePrivate Sales, ein SchattenspielAdieu John BergerTalk mit Jacqueline Burckhardt Blogroll FAQNews-BlogPop MattersRevue 21Support ForumWordPress-Planet Themen Ai Weiwei Amerika Andy Warhol Aphrodite Ascona Baron Heinrich Thyssen Basel Biennale Venedig Bird’s Nest Caravaggio China Fischli/Weiss Fondation Beyeler Frank Gehry Georg Baselitz Gerhard Richter Ghirlandaio Gstaad Gurlitt Gustav Klimt Harald Szeemann Keanu Reeves Kunst Kunstmuseum Basel Louise Bourgeois Maja Hoffmann Maria Lassnig Marlene Dumas Melinda Nadj Abonji Monte Verità Nachtkritik Oprah Winfrey Pipilotti Rist Schweizer Architektur Schweizer Film Schweizer Kunst Schweizer Literatur Shakespeare Simon de Pury Thomas Hirschhorn Ugo Rondinone Urs Fischer Valentin Carron Warhol Weltwoche Next Post Schreibe einen Kommentar Cancel Reply Logged in as Ewa Hess. Edit your profile. Log out? Required fields are marked * Message*

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Sam Keller über «seinen» Cattelan

Sam Keller über «seinen» Cattelan Ewa Hess | 10. Juni 2013 – 10:40 «Stecken sie in der Wand fest oder wollen sie mit dem Kopf hindurch?» antwortet mir Sam Keller mit einer Frage nach seiner Interpretation des neuen Kunstwerks von Maurizio Cattelan, das er in der Fondation Beyeler ausstellt. Als ich ihn treffe einige Tage vor dem Beginn der Art Basel, eilt der wundersame Fundation-Beyeler-Chef und Art-Basel-Präsidentdurch die Räume seines Museums in Riehen. Als sich zuhinterst die Pferdeskulptur von Maurizio Cattelan offenbart, leuchten seine Augen auf. Mit 46 Jahren ist der Direktor der Fondation Beyeler und Präsident der Art Basel eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt. Sechs Jahre unter der Leitung des von Ernst Beyeler persönlich ausgewählten quirligen Chefs verwandelten die edle Fondation in ein pulsierendes Weltmuseum. Zur Eröffnung der Art Basel bietet Keller eine Sensation an: Ein neues Werk des Kunststars Maurizio Cattelan, dessen Ankündigung, sich von der Kunst zurückzuziehen, für Schlagzeilen gesorgt hat. Sam Keller, war es schwierig, Maurizio Cattelan zu überzeugen, trotz seinem Rückzug doch in der Fondation Beyeler auszustellen? Nein, eigentlich nicht. Wir arbeiten ja schon vor seiner Retrospektive im Guggenheim daran. Als ich von seinen Rückzugsplänen erfuhr, war ich verunsichert. Doch noch an der Eröffnung in New York sagte mir der Künstler, dass er unser Projekt weiterhin verwirklichen möchte. Im Vorfeld der Ausstellung ist spekuliert worden, was genau in der Fondation Beyeler gezeigt wird. War es von Anfang an klar, dass es die fünffache Pferdeskulptur sein wird? Nein, zunächst war das Projekt klein angedacht. Danach gab es verschiedene Phasen, und tatsächlich war eins der möglichen Projekte die schwere Skulptur, über die spekuliert wurde. Wir haben Abklärungen getroffen, wie wir diese ins Museum reinkriegen, die dann publik wurden. Doch dann hatte Cattelan den Geistesblitz mit den Pferden. Was steht hinter der Idee? Eine der berühmtesten Arbeiten von Cattelan ist sein Pferd. Seine Idee war es, alle fünf Versionen dieser Arbeit von 2007 erstmals zusammenzubringen und als neue Werkgruppe zu zeigen. In Cattelans Werk spielen ausgestopfte Tiere eine wichtige Rolle: Tauben, Eichhörnchen, Esel oder Elefant. Und Pferde, auf die wir menschliche Eigenschaften projizieren. Hat diese Skulptur auch Provokation vorprogrammiert? Diese gehört bei Cattelan dazu, allerdings mit Tiefsinn. Seine Werke sind verführerisch und verstörend zugleich. Wie in Träumen. Gerade diese surreale Qualität macht die Stärke seiner Kunst aus. Sie stellt mehr Fragen, als dass sie Antworten gibt. Welche Fragen konkret? Wer sind diese Kreaturen, und warum haben sie den Kopf verloren? Stecken sie in der Wand fest oder wollen sie mit dem Kopf hindurch? Wollen sie fliehen oder in einen anderen Raum vordringen? Wird sich Cattelan tatsächlich von der Kunst zurückziehen? Maurizio Cattelan ist ein wahrer Künstler – einer der interessantesten unserer Zeit. Und man kann das Künstlersein nicht einfach so abstellen. Warum will er überhaupt aufhören? Er hat mir mal erklärt, dass er diese Entscheidung während der Vorbereitung seiner Retrospektive getroffen hat. Eine Schau sämtlicher Werke ist immer eine Art Bilanz, also auch ein Abschluss. Und wenn ein Künstler so berühmt und erfolgreich ist wie Cattelan, werden auch sehr viele Anfragen, Verpflichtungen an ihn herangetragen. Zu sagen: «ich höre auf» war also auch ein Befreiungsschlag und Neubeginn. Am Montag beginnt die Kunstmesse Art Basel, und in der Fondation Beyeler ist auch allerlei los – sehnen Sie in solchen Wochen auch eine Befreiung von Stress herbei? Nein, denn es macht Freude, Ausstellungen vorzubereiten, und es ist sinnvoll, sein Museum im besten Licht zu präsentieren, wenn die internationale Kunstwelt nach Basel kommt. Ich freue mich! Als Verwaltungsrats- präsident der Art Basel – wie zufrieden sind Sie mit der Premiere der Messe in Hongkong? Ich bin begeistert! Es war ein grosser Erfolg, grösser als erwartet. Vergleichbar mit der Premiere in Miami? Ja, absolut. Obwohl mit Miami und Hongkong ist es für die Art Basel ein bisschen wie mit dem ersten und zweiten Kind. Beim ersten ist alles noch neu, beim zweiten weiss man schon etwas besser, was einen erwartet. Ich bin glücklich für die Eltern, Marc Spiegler und Annette Schönholzer, dass ihr Kind so einen guten Start hatte. Wie muss man sich eigentlich Ihre Funktion bei der Messe vorstellen? Geben Sie dem Leitungsteam auch Ratschläge? Nein, das brauchen meine Nachfolger nach so vielen Jahren nicht. Sie machen einen super Job. In dem Gremium, in dem ich bin, geht es mehr um strategische und konzeptuelle Fragen. Die Fondation Beyeler wächst durch Geschenke und Kooperationen, etwa mit der Stiftung Daros oder mit dem Galeristen Bruno Bischofberger. Ist das ein neuer, expansiver Kurs? Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Sammlungen war immer ein Anliegen von Ernst und Hildy Beyeler. Wir intensivieren diese, wobei wir jetzt auch die Möglichkeit haben, mit weltbesten Museen zu kooperieren: mit der Tate Modern in London, dem Stedelijk in Amsterdam, der Albertina in Wien oder dem Guggenheim in New York. Mit der Daros Collection ist es eine langfristige Partnerschaft, mit der Sammlung Bischofberger eine Premiere. Sie zeigen eine neue Sammlungspräsentation, haben mehrere neue Ausstellungen im Haus, präsentieren Skulpturen von Thomas Schütte in Zürich – und dann veranstalten Sie noch ein Konzert von Element of Crime? Auch das war ein Anliegen des Gründerpaars, dass die Vermittlung der Kunst an möglichst breite Schichten und neue Generationen im Zentrum aller Bemühungen steht. Hat Element of Crime überhaupt einen Bezug zu Kunst? Klar! Wir haben die Mitglieder dieser populären Rockband gerade von der Art Basel her gekannt. Sie sind mit Künstlern befreundet und leben mit Kunst, jeder auf seine Weise. Wir werden ihre private Sammlungen nun parallel zum Konzert im Sarasin Park in der dortigen Orangerie ausstellen. Werden Sie an der Messe Ankäufe machen? Ja, die Fondation wächst auch in dieser Hinsicht. Letztes Jahr haben wir an der Art Basel mehrere wichtige Werke erworben: beispielsweise Skulpturen von Lucio Fontana oder Louise Bourgeois. Wie gross ist Ihr Ankaufsetat? Den kommunizieren wir nicht. Aber selbst Millionen sind heute oft nicht genug, wenn man auf dem Qualitätsniveau, welches die Sammlung Beyeler vorgibt, kaufen möchte. © SonntagsZeitung; 09.06.2013; Seite 41 Inmitten des Basler Kunst- Tornados bietet die Fondation Beyeler Exquisites. Jetzt gehts los, und wenn

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